Den Landräubern auf der Spur

Stefano Liberti
Landraub. Reisen ins Reich des neuen Kolonialismus
Rotbuch Verlag, Berlin 2012,
256 Seiten, 19,95 Euro

Andreas Exner, Peter Fleissner, Lukas Kranzl, Werner Zittel (Hg.)
Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter
Mandelbaum Verlag, Wien 2011,
254 Seiten, 19,90 Euro


Zwei neue Bücher widmen sich dem „Landraub“, dem Kauf von fruchtbaren Ackerflächen vor allem in Afrika durch ausländische Investoren. In dem einen dominiert die Kapitalismuskritik, im anderen die Vorort-Recherche im flotten Plauderton.

Bis vor wenigen Jahren konnten sich unter „Land Grabbing“ nur wenige etwas vorstellen. Doch seit dem weltweiten Anstieg der Nahrungsmittelpreise sorgen ausländische Agrarprojekte in Entwicklungsländern regelmäßig für Schlagzeilen sowie für eine Flut von Veranstaltungen und Publikationen. Die beiden vor kurzem dazu erschienenen Bücher könnten nicht unterschiedlicher sein.

Der Band „Kämpfe um Land“ ist aus einem akademischen Forschungsprojekt des österreichischen Klima- und Energiefonds hervorgegangen und handelt die Praxis des Landraubs im Kontext des allgemeinen Energie- und Rohstoffh ungers ab. In dem detail- und faktenreichen Büchlein geht es auch um Biomasse und das Ende der fossilen Ära, um Buntmetalle und den neuen Bergbauboom. Das liegt insofern nahe, als alles miteinander in Zusammenhang steht.

Etwas blauäugig wird die kubanische Landwirtschaft , die sich vom Staatskapitalismus weg entwickelt – wohin auch immer –, als vorbildlich dargestellt. Neben den kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen werden die patriarchalen Geschlechterverhältnisse als ursächlich für Landkonflikte ausgemacht. Es ist nur konsequent, wenn nach so viel Kapitalismuskritik zur Krönung der Übergang zum „guten Leben“ – auch ein Konzept, das in jüngster Zeit viel diskutiert wird – nach Peak Oil als erstrebenswerte Utopie skizziert wird. Peak Oil ist der Punkt, an dem die Hälft e der weltweiten Erdölreserven gefördert ist. Dieser Übergang gehe mit dem Abschied vom Kapitalismus einher, verspricht Autor und Herausgeber Andreas Exner: „Peak Oil kann der Beginn eines besseren und reicheren Lebens sein – wenn wir dies wirklich wollen.“

„Landraub“ stammt von dem Journalisten Stefano Liberti und ist entsprechend fl ott dahingeschrieben. Im Plauderton erzählt der für seine investigativen Geschichten bekannte Reporter der linken italienischen Tageszeitung „il manifesto“ über seine Recherchen in Afrika und Brasilien. Er hat solide recherchierte Fakten zusammengetragen und illustriert sie mit Berichten von vor Ort.

Liberti kontrastiert eine Konferenz der Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO in Rom, auf der afrikanische Regierungsvertreter ihre Statements herunterbeten und einander mit Sonderkonditionen für ausländische Investoren zu überbieten suchen, mit einem Treff en von Agrarinvestoren und Agrarspekulanten in Genf. Hier wird Tacheles geredet und der Zweck von Investitionen in Monokulturen auf fernen Kontinenten schon durch das Kongressplakat unzweideutig dargestellt: wie Heubündel zusammengerollte Geldscheine liegen auf einem abgeernteten Acker.

Liberti besucht auch die Rohstoffbörse in Chicago, erklärt, wie Hedge-Fonds funktionieren, und liefert wichtiges Hintergrundwissen. Leider ist er streckenweise zu selbstverliebt, lässt den Leser immer wieder an seinen Taxifahrten teilhaben und referiert den Smalltalk mit seinen Interviewpartnern. Das hätte er sich sparen können.


Ralf Leonhard

 

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