Nicht ohne unsere Politiker

Petra Pinzler
Immer mehr ist nicht genug!
Vom Wachstumswahn zum Bruttosozialglück

Pantheon-Verlag, München 2011,
312 Seiten, 14,99 Euro


Die „Zeit“-Journalistin Petra Pinzler fasst mit ihrem Buch den Stand der Diskussion über Glück, Wohlstand und Wirtschaftswachstum gut lesbar zusammen. Einmal mehr wird deutlich: Das Private muss politisch werden.

Glück ist mehr als ein dicker Geldbeutel, ein schickes Eigenheim und jedes Jahr die neueste Edelkarosse in der Garage – mehr Wirtschaftswachstum macht die Menschen nicht unbedingt zufriedener. Diese Einsicht dürfte sich inzwischen nicht nur unter Wissenschaft lern durchgesetzt haben. Gleiches gilt für die Erkenntnis, dass die Ressourcen der Erde endlich sind und das gegenwärtige Wirtschaftsmodell, das auf stetiges Wachstum setzt, an seine Grenzen gekommen ist. Aus beidem folgt: Umdenken ist nötig. Anstelle materieller Werte sollten soziale Beziehungen, eine intakte Umwelt, Gesundheit, Bildung und vor allem Gerechtigkeit mehr Bedeutung erhalten. Das dient dem individuellen und dem allgemeinen Wohl.

So weit, so bekannt. In jüngster Zeit sind dazu eine Reihe wissenschaftlicher und populärwissenschaft licher Publikationen erschienen. Trotzdem lohnt es sich, das Buch der „Zeit“-Korrespondentin Petra Pinzler zu lesen. Denn sie beleuchtet verständlich und gut lesbar die Debatten über soziale Ungleichheit und deren Folgen für die Gesellschaft , die Messung von Wohlstand und den scheinbaren Zwang zum Wachstum. Sie setzt sich mit dem Menschenbild von Wirtschaft swissenschaft lern auseinander und macht Ausflüge auf die Insel Nauru und nach Bhutan, um sich die dortigen Vorstellungen von Glück und Reichtum anzuschauen.

Ihre Ausführungen stützt Pinzler mit einer Reihe von Studien und Querverweisen auf prominente Vor- und Querdenker wie den britischen Wissenschaft ler Tim Jackson. Ihr größtes Verdienst ist die Analyse diverser Initiativen für ein nachhaltigeres, gesünderes und besseres Leben, denen sie eine erstaunliche„Politikferne“ attestiert. Trotz aller Sympathie für diese (in Grenzen erfolgreichen) Versuche, sich der Logik des Marktes zu entziehen, fordert Pinzler nachdrücklich mehr politisches Engagement ein. Ohne Unterstützung der Politik, so ist sie überzeugt, wird dem „richtigen Handeln“ kein Durchbruch auf breiter Front gelingen.

Pinzler hat Beispiele parat, wie es Landes- und Kommunalpolitikern gelingt, mit den richtigen Anreizen das Engagement von Bürgern für ökologische und soziale Belange zu wecken – und sie damit zugleich etwas glücklicher zu machen. Die Enquete-Kommission des Bundestages zum Thema „Wohlstand“ sieht sie vorsichtig optimistisch als einen von vielen Anfängen, Lösungen für die drängenden Probleme der Gesellschaft zu formulieren. Pinzler wünscht sich eine „ehrliche, öff entliche Debatte“über das, „was uns zufriedener macht und zugleich die Umwelt erhält“. Mit ihrem Buch hat sie dazu einen Beitrag geleistet. Er beschränkt sich zwar im Wesentlichen auf Deutschland, was im Zeitalter der Globalisierung etwas zu kurz gegriffen erscheint. Aber irgendwo müssen wir eben anfangen.


Gesine Kauffmann

 

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