12.03.2018

Plädoyer für Armutsbekämpfung von unten

Der Sammelband vereinigt Beiträge aus verschiedenen Ländern des globalen Südens zum Thema Armut sowie Strategien zu ihrer Überwindung. Sie bieten vielfältige Perspektiven und richten sich vor allem an ein wissenschaftlich interessiertes Publikum.

Mariano Féliz, Aaron L. Rosenberg (Hg.): The Political Economy of Poverty and Social Transformations of the Global South. ibidem-Verlag, Stuttgart 2017, 270 Seiten, 39,90 Euro
So unterschiedlich die Aufsätze im Einzelnen sind, gemeinsam ist ihnen, dass sie von einem umfassenden Verständnis von Armut ausgehen. Es geht nicht nur um statistische Daten wie das verfügbare Einkommen pro Tag, sondern ebenso um sozio-kulturelle, politische und wirtschaftliche Faktoren. Zentral ist die Erörterung des Menschenrechtsansatzes in der Armutsdiskussion. Nicht alle Autoren sind so radikal wie Camillo Perez-Bustillo, wenn er die gegenwärtige „globale Armut und Ungleichheit als Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ charakterisiert. Einig sind sich die Autoren jedoch darin, dass sie Top-down-Strategien wie beispielsweise an Auflagen gebundene Geldtransfers in Lateinamerika zur Überwindung von Armut kritisch sehen und demgegenüber Bottom-up-Strategien befürworten.

Jude Ssempebwa und Jaqueline Nakaiza zeigen an einem Beispiel aus Uganda, dass Armutsprogramme, bei denen die Betroffenen selbst an der Definition von Armut und der Planung konkreter Maßnahmen dagegen beteiligt waren, wirksamer und dauerhafter waren. In einem interessanten Beitrag am Beispiel von Bangladesch zeigt Kazi Nurmohammad Hossainul Haque, dass das Recht auf Information als Hebel bei der Armutsbekämpfung benutzt werden kann, vor allem durch Offenlegung von Unrelmäßigkeiten bei der Vergabe öffentlicher Hilfen, etwa für schwangere Frauen.

Allerdings falle es armen Menschen oft schwer, ihr Recht einzufordern, weshalb die Unterstützung durch nichtstaatliche Organisationen (NGOs) hilfreich sei. Auch Graswurzelinitiativen könnten so von Hilfe von außen profitieren, ja benötigten sie oft sogar. In diesem Zusammenhang erscheint es überspitzt, dass Manase Chiweshe im Beitrag über Frauenorganisationen in Simbabwe national operierende, aber oft international finanzierte NGOs den rein lokalen gegenüberstellt und sie als Teil des „globalen Imperialismus“ kritisiert – umso mehr, als die repressiven Verhältnisse und die Krise des Landes unter der Mugabe-Herrschaft eher am Rande in die Analyse einfließen. Alles in allem wird der Band in erster Linie wissenschaftlich interessierte Leserinnen und Leser ansprechen.

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