14.08.2018

Gelebter Öko-Islam

Die Islamwissenschaftlerin Ursula Kowanda-Yassin besetzt den Begriff „Dschihad“ positiv. Sie erläutert, was er ihrer Ansicht nach ursprünglich meint: eigenverantwortlich für eine gute Sache eintreten, die den Schöpfer zufriedenstellt.

Ursula Kowanda-Yassin: Öko-Dschihad. Der grüne Islam – Beginn einer globalen Umweltbewegung. Residenz Verlag, Salzburg/Wien 2018, 176 Seiten, 19 Euro, E-Book 13,99 Euro
Die Frau, die mit Hijab Fahrrad fährt, um die Umwelt zu schonen, steht ebenso für gelebten Öko-Islam wie der Einkäufer, der alle Produkte daraufhin prüft, ob sie halal, bio, fair gehandelt oder bio-halal sind, findet die Autorin. Sie legt den Fokus ihres Buches auf nichtstaatliche Organisationen, die von Musliminnen und Muslimen aufgebaut wurden. Den Porträts dieser Organisationen schickt sie Erläuterungen über die theologischen Grundlagen des Islams in Bezug auf die Natur voraus, denn Gelehrte und Philosophen, die sich mit der Rolle des Islams für den Umweltschutz befassen, seien Wegbereiter für die Aktivisten.

„Inside Öko-Islam-Aktivismus“ betitelt sie den Teil des Buches, in dem sie auf  konkrete Initiativen eingeht. Etwa auf die erste muslimische Umweltorganisation IFEES (Islamic Foundation for Ecology and Environmental Sciences), die in Tansania mit religiösen Argumenten  gegen zerstörerische Fischereipraktiken angeht. Oder die sehr aktive Jugendorganisation MADE (Muslim Action for Development & Environment), die sich in Großbritannien für den Umweltschutz einsetzt.

Überhaupt sieht die Autorin den Öko-Islam als eine Bewegung vor allem der jungen Generation, auch wenn sie  in der muslimischen Gemeinschaft allgemein eine Rückbesinnung auf Einfachheit, Maßhalten und kritisches Konsumverhalten wahrnimmt. Da er außerdem eine Bewegung mit einem relativ hohen weiblichen Anteil ist, kommen auch die Belange von Frauen nicht zu kurz, betont die Autorin. So will etwa die Organisation Global One (Go) afrikanischen Frauen die „Menstruationstasse“ näherbringen. Dabei handelt es sich ein Silikongefäß, das billiger, hygienischer und umweltfreundlicher sei als Binden oder Tampons – und über das die Durchschnittsfrau in Westeuropa die Nase rümpft, wenn sie denn überhaupt je davon gehört hat. An dieser Stelle schreibt Kowanda-Yassin sich in Rage, aber das macht das sachlich fundierte und lebendige Buch sympathisch.

Religiöse Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch die einzelnen Kapitel. Doch es geht der Autorin nicht darum, den perfekt gelebten Glauben darzustellen. Keineswegs kommt sie mit religiösem Eifer oder Dogmatismus daher. Das Buch ist daher auch empfehlenswert für Nicht-Muslime, die sich über die muslimische Umweltbewegung informieren wollen. Bei der Lektüre stellt man fest: So unterschiedlich sind die Themen gar nicht. Bewahrung der Schöpfung, Klimawandel, Nachhaltigkeit – das alles spielt ja nicht nur im Islam eine Rolle.              

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