13.02.2019

Eine lange Reise durch die Gewalt

Um zu verstehen, warum die Menschen im Südsudan trotz des Friedensvertrags von 2005 und der Unabhängigkeit 2011 den Frieden verloren haben, begibt sich Peter Martell auf eine Reise in die Geschichte von Gewalt, Verfolgung, Diskriminierung und Zerstörung.

Peter Martell: First Raise a Flag. How South Sudan won the longest war but lost the peace. Hurst & Company, London 2018, 332 Seiten, ca. 28 Euro
Seine Reise beginnt in der Zeit der vorkolonialen Sklavenzüge. Hier wurden, so Martell, die tiefen Spaltungen zwischen dem Norden und dem Süden und zwischen den Völkern im Süden geschaffen, deren Erbe über die Jahrhunderte bis heute durch die Geschichte des Südsudan widerhallt. Die Sklavenjäger gingen extrem brutal vor und spielten die Völker im Südsudan gegeneinander aus. So wurden einzelne Bevölkerungsgruppen im Grenzgebiet zwischen dem Nord- und Südsudan nicht angegriffen, solange sie den Sklavenjägern halfen, andere zu versklaven.

Martells Eindrücke aus unzähligen Gesprächen mit früheren und heutigen Mächtigen, mit Frauen, Händlern, Bauern, Ärzten und Jugendlichen gleicht er mit historischen Quellen in öffentlichen und privaten Archiven ab. Das untermauert und bekräftigt die Geschichte, die ihm berichtet wird. Seine tiefe Sympathie für die Menschen im Südsudan ist auf jeder Seite zu spüren. Seit 2005 berichtet der Autor aus Afrika, davon zehn Jahre als BBC-Korrespondent. Drei Jahre und auch zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit des Südsudan lebte er in Juba.

Die Menschen im Südsudan litten zudem unter  Ausländern, die nicht zuhören können, sondern stattdessen ihre vorgefertigten Blaupausen mitbringen, wie die Südsudanesen zu sein haben. So war es mit den Kolonialherrschern, so war es mit den Regierungen des Sudan und so sei es 2005 gewesen, als sogenannte Experten in das Land einfielen, schreibt Martell. Er versucht zu verstehen, liefert keine Erklärungen und keine Rezepte. Martell verwendet keine wertenden Formulierungen, außer dort, wo er zitiert. Er beschreibt mit viel Sympathie und gerechtem Zorn, aber er lässt Leserinnen und Lesern die Freiheit, sich ihre eigenen Gedanken zu machen und gegebenenfalls auch zu werten oder zu „urteilen“.

Sein Buch handelt von einer bedrückenden Reise in die Geschichte von Menschen und zu Menschen, die trotz Gewalt und Zerstörung um das Überleben kämpfen. Es ist eine detailreiche, mit vielen Quellen untermauerte Geschichte der Gewalt. Sein Verdienst ist es zu helfen, die Komplexität zu erahnen, indem er vor allem eines tut: zuhören, was ihm Menschen im Südsudan zu erzählen haben.

 

Neuen Kommentar schreiben