24.10.2012

Aus Fehlern lernen

David Francis (ed.)
When War Ends. 
Building Peace in Divided Communities
Ashgate Publishing, Farnham 2012
217 Seiten, ca. 92 Euro

Projekte zur zivilen Konfliktbearbeitung und Entwicklung in Nachkriegsgesellschaften geraten oft an ihre Grenzen, weil die neoliberalen Grundlagen der Friedensstiftung und Nachkriegsordnung der Versöhnung und der sozialen Gerechtigkeit entgegenstehen. Der Sammelband trägt zur kritischen Auseinandersetzung mit diesen Grundannahmen bei.

Fünf der insgesamt zehn Autoren sezieren die marktorientierte Ideologie, auf der die Mehrzahl internationaler Friedensinterventionen in Afrika seit Anfang der 1990er Jahre basierte. Sie folgten dem Postulat, dass die Kriegsökonomie in eine Marktökonomie umzuwandeln sei, in der Wirtschaftswachstum und Anreize für Investoren den Frieden fördern. Dafür sollten demokratisch gewählte Regierungen und reformierte staatliche Institutionen sorgen.

Die Autoren bemängeln vor allem, dass die vielerorts komplexen Kriegsursachen und die zahlreichen schädlichen gesellschaftlichen Folgen von Kriegen unbeachtet blieben. Außerdem würden beim Wiederaufbau von Staatlichkeit häufig korrupte Patronagenetze wiederhergestellt, die die Kriegsbereitschaft junger marginalisierter Männer befördert hatten. Hinter der Etikette der Marktorientierung könnten sich leicht kriminelle Netzwerke etablieren.

Diese Kritik belegen fünf sierra-leonische Wissenschaftler am Beispiel ihres Heimatlandes, das gemeinhin als vorbildliches Beispiel für Friedensinterventionen gilt. Sie zeigen auf, wie wenig die Fördermittel, die für den Wiederaufbau staatlicher Institutionen aus internationalen Quellen in den kleinen westafrikanischen Küstenstaat flossen, der Bevölkerung zugute kamen. Für besonders fatal halten sie die Wiedereinsetzung häufig nicht legitimierter traditioneller Führer (Paramount Chiefs), zumal diese auf Kosten der lokalen Bevölkerung elitäre Klientelwirtschaft betreiben.

Leider kein Wort zum Thema Land Grabbing

Wie wenig sich lokale und nationale Machthaber für das Wohlergehen der fünf Millionen Einwohner des Landes interessieren, zeigt sich beispielhaft in der Gesundheitspolitik. Das Geld für den Wiederaufbau des Gesundheitssektors ist versickert und die wenigen Krankenstationen sind nach wie vor miserabel ausgestattet. Sierra Leone ist weltweiter Spitzenreiter bei der Säuglings-, Kinder- und Müttersterblichkeit. Auch die Überwindung der Armut ist trotz lukrativer Rohstoffvorkommen und aller Verheißungen der Regierungspartei keinen Schritt weitergekommen.

Die Autoren gehen nicht auf den Ausverkauf fruchtbarer Flächen an ausländische Investoren ein, obwohl er die Armut der ländlichen Bevölkerung verstärkt. Auch die Rolle der Zivilgesellschaft kommt kaum zur Sprache. Dabei prangern gerade couragierte Menschenrechtsorganisationen den schleppenden Umbau von Polizei und Justiz an, zumal diese der Gewalt und Straflosigkeit keinen Einhalt gebieten. Die Autoren ziehen insgesamt eine negative Bilanz und regen dazu an, aus den Fehlern zu lernen. Ob ihr aufschlussreiches Buch eine große Verbreitung haben wird, ist angesichts des hohen Preises allerdings fraglich. Für Forschungseinrichtungen in Afrika ist es unerschwinglich. (Rita Schäfer)

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