Alles was Recht ist – Menschenrechte und Tourismus

EED-Tourism Watch
Alles was Recht ist – Menschenrechte und Tourismus
Evangelischer Entwicklungsdienst, Bonn,
Januar 2011, 88 Seiten,
www.tourism-watch.de

Der Tourismus genießt insgesamt ein äußerst positives Image. Viele Entwicklungsländer sehen ihn als Chance für wirtschaftlichen Aufstieg. Laut Schätzungen sind weltweit 240 Millionen Menschen in der Tourismusbranche tätig.

Es gibt aber auch eine Schattenseite: EED-Tourism Watch macht in einer Studie auf Menschenrechtsverletzungen durch Tourismus in Entwicklungsländern aufmerksam. Regierungen enteignen Land von Bauern und Ureinwohnern oder vertreiben Fischer von den Küsten, um Ferienanlagen zu bauen. Hotels lassen ihre Angestellten zu unzumutbaren Bedingungen arbeiten oder graben Dörfern das Wasser ab, um die Swimmingpools für ihre Gäste zu füllen. Bedroht sind Menschenrechte wie das auf Nahrung, Wasser, Wohnung oder auf menschenwürdige Arbeit. Die Studie trägt alle für die Tourismuswirtschaft relevanten Menschenrechtsartikel und Übereinkommen der Vereinten Nationen zusammen.

Beispiele aus Entwicklungsländern verdeutlichen, wie Tourismus Menschenrechte verletzen kann. In Südafrika wurden beispielsweise vor der Fußballweltmeisterschaft 2010 als „Verschönerungsmaßnahme“ mehrere Armensiedlungen zwangsgeräumt und Häuser abgerissen. In Kerala in Indien verseuchen chemisch belastete Abwässer eines Wasservergnügungsparks die Felder der umliegenden Bauern.

Es gibt aber auch erfreuliche Entwicklungen: Beispielsweise hat das Volk der Maasai in Kenia durchgesetzt, dass ihnen eine Bezahlung für Besuche in ihren Dörfern zusteht. Zuvor hatten die Reiseveranstalter davon nichts wissen wollen, obwohl ihr Geschäft auf der Kultur der Maasai beruht.

Die Studie widmet sich auch dem Zusammenhang von Tourismus, Menschenrechten und Klimawandel. Zu letzterem trägt der Tourismus insbesondere mit dem Flugverkehr bei. Die vom Klimawandel verursachten Naturkatastrophen in Entwicklungsländern bedrohen wiederum die Menschenrechte derjenigen, die kaum oder gar nicht am internationalen Tourismus teilnehmen.


(saw)

erschienen in Ausgabe 2 / 2011: Behinderung: Das Recht auf Teilhabe

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