Investoren sollen es richten

Die Gruppe der acht führenden Industrieländer (G8) möchte Unternehmen für private Investitionen in Afrikas Landwirtschaft gewinnen. Die bisher neun afrikanischen Partnerländer haben Reformen zugesagt, um dafür attraktiver zu werden. Ob das wirklich den Armen hilft, ist zweifelhaft.

Die G8 steckt in einer Art Sinnkrise. Die Rolle des wirtschaftspolitischen Koordinators und Krisenlösers ist mit der Finanzkrise 2008 auf die Gruppe der 20 großen Industrie- und Schwellenländer (G20) übergegangen. Neue Aufgaben findet die G8 nun unter anderem in der Entwicklungspolitik. Schon länger mobilisiert sie dafür Geld, und seit 2012 hat sie ein eigenes Programm, die „Neue Allianz für Nahrungssicherheit und Ernährung“. Die soll zusammen mit afrikanischen Staaten und Unternehmen private Investitionen für Afrikas Landwirtschaft mobilisieren und so Millionen Menschen aus der Armut holen. Anfang Juni, eine Woche vor dem Treffen in Irland, hat ein G8-Hungergipfel dafür neue Förderzusagen mobilisiert – wobei wie immer unklar ist, wie viel des versprochenen Geldes ohnehin für Entwicklungshilfe eingeplant war. Die Zahl der afrikanischen Partnerländer ist von sechs auf neun gestiegen.

Autor

Bernd Ludermann

ist Chefredakteur von "welt-sichten".

Entwicklungsorganisationen warnen, dass die Allianz den Einsatz von Standard-Saatgut und Agrarchemie auf Kosten von lokal angepassten, agrarökologischen Ansätzen fördert und dass Kleinbauern verlieren, große Agrarkonzerne gewinnen. Im Kern ist diese Sorge berechtigt. Zwar geht Entwicklung immer mit Abwanderung vom Land in die Stadt einher. Auch können private Agrarinvestitionen manchen Kleinbauern nützen. Damit sie nicht vielen schaden, müssen aber Regeln durchgesetzt werden wie die freiwilligen Leitlinien für den verantwortlichen Umgang mit Landnutzungsrechten; sie sind im Rahmen der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO ausgehandelt worden und sollen Landraub erschweren. Die G8 könnte diese Regeln für Konzerne verbindlich machen, die sich an der „Neuen Allianz“ beteiligen. Stattdessen konzentriert sie sich darauf, die Bedingungen für Investoren in afrikanischen Partnerländern zu verbessern. Diese haben Reformen zugesagt, deren Erfolg am Zustrom von Kapital gemessen werden soll statt an der Abnahme der Armut, als wäre die eine automatische Folge von Investitionen.

Mit der Initiative splitten die G8-Staaten außerdem ihre eigene Entwicklungspolitik weiter auf. Sie sind ja Mitglieder der FAO und leisten bilateral und über multilaterale Gremien Hilfe. Als G8 könnten sie zusätzlich eines tun: globalen Regeln für Investoren Nachdruck verleihen. Genau das tut die „Neue Allianz“ aber nicht. Dafür liefert sie der G8 eine neue Antwort auf die heikle Frage nach ihrem Daseinszweck.

erschienen in Ausgabe 7 / 2013: Neues Wissen im Blick

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