Ein Grundrecht für Bäume

Fichte, Kiefer und Buche brauchen mehr Fürsorge sagen Forscher. Vor allem zärtliche Umarmungen. Ein Job für Profis.

Gehen Sie gern im Wald spazieren? Und stören Sie dort eintönige Pflanzungen, in denen Nadelbäume dicht aufgereiht gen Himmel schießen? Das Gefühl, dies sei irgendwie unnatürlich, ist nun wissenschaftlich untermauert: Diese Zucht macht die Bäume krank, haben Forstwissenschaftler aus Freiburg festgestellt. Und sie fordern endlich das einzige, was geschundenen Fichten helfen kann: Ein Grundrecht für Bäume. Nur das kann ja garantieren, dass Sämlinge statt in Baumschulen wieder im Schutz des Mutterbaums aufwachsen dürfen, so wie man Säuglinge nicht gewaltsam in die Krippe schafft. Nur Grundrechte werden Bäumen zu jenem Minimum an Zuwendung verhelfen, das sie wie Kinder brauchen: Försterinnen und Förster, so die Wissenschaftler, müssen die Bäume regelmäßig umarmen. Das, klar, gehört zum natürlichen Aufwachsen.

Schreibt also Baumrechte ins Grundgesetz! Abgeordnete aller Fraktionen im Bundestag erwärmen sich bereits dafür, denn das schafft Arbeitsplätze. Bäume können – ebenso wie Säuglinge – ja nicht selbst vor Gericht ziehen. Gibt es erst das Baumrecht, dann werden sich für Klagen Anwälte finden; oder es müssen Baumpfleger amtlich bestellt werden, die den Bäumen ihr Recht verschaffen.

Ganz neue Berufe zeichnen sich ab. Man kann schließlich nicht Freiwilligen überlassen, wie häufig und wie fachgerecht deutsche Bäume umarmt werden. Die Universität Freiburg hat bereits ein Forschungsprojekt aufgelegt, das den baumartspezifischen wöchentlichen Zärtlichkeitsbedarf ermittelt. Die Förster, das ist schon klar, können ihn allein nicht decken. In Zusammenarbeit mit aufgeschlossenen Forstämtern plant die Freiburger Uni deshalb einen Ausbildungsgang zur zertifizierten Baum­umarmungsfach- oder -hilfskraft. Bewerben Sie sich!

 

erschienen in Ausgabe 5 / 2015: Töten für den rechten Glauben

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