Heft 5 / 2015Zum Archiv 2015
Töten für den rechten Glauben
Alle großen Religionen predigen Frieden. Doch alle werden immer wieder herangezogen, um Gewalt zu rechtfertigen. Das zurzeit prominenteste Beispiel ist der Heilige Krieg, den muslimische Extremistengruppen zu führen behaupten. Die meisten ihrer Opfer sind Muslime, die weniger rigiden Glaubensrichtungen anhängen – wie auf dem Titelbild: Im pakistanischen Quetta trauert Mitte 2013 ein junger Schiit um Opfer eines Selbstmordattentates.
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Religion und Gewalt

Heftschwerpunkt

Aufstand der Fanatiker
Der Terror, den Boko Haram in Nordnigeria verbreitet, ist nicht nur in Missständen begründet wie Armut und Korruption. Die Gruppe setzt eine Tradition islamischer Revolten fort und kämpft für einen reinen, von populären Glaubensformen freien Islam.
Islamischer Staat Beim Barte des Kalifen
Wie verhält sich der ­Islamische Staat zum Islam? Muslimische Gelehrte verurteilen die Theologie der Terrorgruppe mit scharfen Worten. Doch eigentlich sind sie ratlos.
Mexiko Der Gott der Ganoven
Drogenhandel und Frömmigkeit gehören in Mexiko oft zusammen. Selbst grausame Enthauptungen werden als „göttliche Gerechtigkeit“ verbrämt.
Glaubensstreit in der Ukraine
Bindung an Russland oder Orientierung an Westeuropa – das ist eine Kernfrage für den Konflikt in der Ost­ukraine. Die ortho­doxe Kirche ist dabei nur scheinbar neutral.
Sri Lanka Mönche mit Macht
Der Buddhismus gilt als friedliche Religion. Doch in Sri Lanka terrorisiert eine radikale Gruppe die muslimische Minderheit.
Syrien Streit um das islamische Recht
Syrische Rebellen sprechen Recht in von ihnen beherrschten Gebieten. Dabei haben islamistische Gruppen unterschied­liche Vorstellungen davon, was verboten und erlaubt sein sollte und wie eine neue Ordnung durchzusetzen ist.
Islam Zerrbilder einer Weltreligion
Viele fürchten den Islam als intolerant und gewalttätig. Dabei suchen muslimische Gelehrte seit langem, ihren Glauben mit den Werten der Aufklärung vereinbar zu machen. Ihnen stehen jedoch Extremisten gegenüber, die der Westen erst stark gemacht hat.

Welt-Blicke

Akupunktur in Afrika Der Lebenstraum des Doktor Wen
Wen Hu kam vor mehr als 25 Jahren mit einer Baufirma nach Uganda. „Gutes Land, gute Leute, gutes Essen“, fand er – und blieb. Seine Patienten sind begeistert.
Von
Flüchtlinge Exodus aus Eritrea
Immer mehr Eritreer verlassen ihre Heimat. Vor allem junge Männer wollen sich dem harten Militärdienst in dem isolierten Land entziehen.
Faires Gold Mit glänzendem Gewissen
Bald soll auch in Deutschland fair produ­ziertes Gold auf den Markt kommen. Schmuckliebhaber müssen dafür etwas tiefer in die Tasche greifen. Was haben die Produzenten davon?
Menschenhandel in Nigeria „Sie wissen nicht, dass Prostitution keine Lösung ist“
Die meisten Familien in Nigeria, die ihre Töchter verkaufen, unterschätzen die Schlepperbanden, sagt Augustine Onwuiko. Die 62-jährige Ordensschwester erklärt, wie die Mädchen mit Hilfe von Voodoo gefügig gemacht werden und was sie trotz allem an den Erfolg ihrer Arbeit glauben lässt.

Standpunkte

Ein Grundrecht für Bäume
Fichte, Kiefer und Buche brauchen mehr Fürsorge sagen Forscher. Vor allem zärtliche Umarmungen. Ein Job für Profis.
Im Notfall auch an den Nachbarn denken
Eine Milliarde Menschen weltweit leben mit einer Behinderung, vor allem in armen Ländern. Bei Erdbeben, Tsunamis und anderen Unglücken wird schnell übersehen, dass sie besonders auf Hilfe angewiesen sind. Schon mit einfachen Mitteln könnte viel für sie erreicht werden – und auch für andere.
Schwieriges Erbe
Der Politikwissenschaftler Jörg Faust leitet seit Mitte April das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval). Dort muss er zunächst Vergangenheitsbewältigung betreiben.
Tödliche Kritik
Vor 30 Jahren hat Brigitte Erler mit dem Buch „Tödliche Hilfe“ eine furiose Abrechnung mit der Entwicklungshilfe vorgelegt. Diese Debatte hat dazu beigetragen, dass Projekte heute auf schnell messbare Wirkungen angelegt werden. Doch das macht blind für ihren wahren Beitrag zu Entwicklung.
Asiatische Entwicklungsbank Zu hoch gehängt
In Asien sind Investitionen in Straßen und Energieversorgung dringend nötig. Die geplante asiatische Entwicklungsbank unter der Führung Chinas ist deshalb eine gute Idee. Die Kritik der USA an den Plänen geht dagegen nach hinten los.

Journal

Abfangen und abschieben
Wieder ertrinken Hunderte Flüchtlinge bei der Überfahrt nach Europa im Mittelmeer. Die Antwort der EU auf das Flüchtlingsdrama: Willkommenszentren und mehr Grenzschutz in Afrika.
IFC Denn sie weiß nicht, was sie tut
Zivilgesellschaftliche Organisationen kritisieren die Weltbank-Tochter IFC, sie leite Darlehen zunehmend über Banken und Fonds in Entwicklungsprojekte. Dadurch verliere sie die Kontrolle, was mit dem Geld gemacht wird.
Entwicklung – wohin?
Weiter machen wie bisher kommt nicht in Frage – doch neue Formen der internationalen Kooperation entstehen erst langsam. Das gilt sowohl für die staatliche als auch für die kirchliche Entwicklungs-zusammenarbeit.
Freiwillig oder verbindlich?
Deutschland hat den Leitlinien Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen zugestimmt. Jetzt muss es sie umsetzen. Wirtschaftsverbände, Ministerien und Organisationen der Zivilgesellschaft erarbeiten zurzeit einen Plan dafür.
Klimaschutz oder Armutsbekämpfung?
Die Bundesregierung will in den kommenden vier Jahren die Mittel für Entwicklungspolitik deutlich steigern. Sie setzt damit ein deutliches Zeichen im „Entwicklungsjahr 2015“. Aber wohin soll das Geld fließen?
Menschenrechte vernachlässigt
Österreich zeigt sich in der Entwicklungszusammenarbeit seit vielen Jahren knauserig. Aber auch aus menschenrechtlicher Sicht ist die Bilanz dürftig. Diese Meinung vertritt der NGO-Dachverband AG Globale Verantwortung in einer Stellungnahme an die Vereinten Nationen.
Schweiz: Umstrittene Umschichtung
Erstmals in der Geschichte der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit wird Geld, das für die Armutsbekämpfung im Ausland vorgesehen war, für die Deckung von Asylkosten im Inland genutzt. Grund dafür ist ein Defizit in der Staatsrechnung im Jahr 2014 und die Furcht vor einem milliardenhohen strukturellen Defizit.Erstmals in der Geschichte der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit wird Geld, das für die Armutsbekämpfung im Ausland vorgesehen war, für die Deckung von Asylkosten im Inland genutzt. Grund dafür ist ein Defizit in der Staatsrechnung im Jahr 2014 und die Furcht vor einem milliardenhohen strukturellen Defizit.
Kenia Streit um neues Religionsgesetz
Ein freikirchlicher Pfarrer hat in Kenia mit vorgetäuschten Heilungen für einen Skandal gesorgt. Jetzt will die kenianische Regierung mit einem neuen Gesetz alle Religions-gemeinschaften an die Kandare nehmen.
Vergleich im Streit um schmutziges Geld
Die Genfer Justiz übergibt Nigeria 380 Millionen US-Dollar des verstorbenen Diktators Sani Abacha. Doch es ist fraglich, ob das Geld jemals dem nigerianischen Volk zugute kommt. Der von Genfer Anwälten ausgehandelte Deal wirft Fragen auf.
Weltsozialforum zieht nach Norden
Wenige Tage nach dem Terroranschlag auf das tunesische Nationalmuseum haben sich Ende März rund 50.000 Globalisierungskritiker zum Weltsozialforum (WSF) in Tunis versammelt. Trotz der internationalen Solidarität hat das Treffen an Schwung eingebüßt.
„Das Volk wird in die Irre geführt“
Der Südsudanesische Kirchenrat kritisiert die Unfähigkeit der Konfliktparteien im Südsudan, einen Kompromiss zu schließen. Die Bevölkerung müsse den Anführern die Gefolgschaft verweigern.