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Denn sie weiß nicht, was sie tut

Zivilgesellschaftliche Organisationen kritisieren die Weltbank-Tochter IFC, sie leite Darlehen zunehmend über Banken und Fonds in Entwicklungsprojekte. Dadurch verliere sie die Kontrolle, was mit dem Geld gemacht wird.

Die internationale Koalition von zwölf Entwicklungs-, Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen wirft der International Finance Corporation (IFC) in Washington vor, sie verletze bei Projekten mit privaten Finanzinstituten ihre Sorgfaltspflicht und betreibe schlechtes Risikomanagement. Die IFC ist eine Tochter der Weltbank und vergibt Darlehen, mit denen die Privatwirtschaft in Entwicklungsländern gefördert werden soll. Seit einigen Jahren überweist sie einen zunehmenden Teil ihrer Fördermittel nicht mehr direkt an Projekte, sondern an Banken, Beteiligungsfonds und andere Institutionen der privaten Finanzwirtschaft. Die investieren das Geld dann ihrerseits in Entwicklungsprojekte, etwa in den Ausbau der Infrastruktur oder in landwirtschaftliche Großprojekte.

Die NGOs kritisieren, aufgrund dieser Praxis verliere die IFC die Kontrolle darüber, was mit ihrem Geld geschieht und ob ihre eigenen Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden. Diese Kritik ist nicht neu, doch in ihrer neuen Studie unterfüttern die Organisationen ihre Vorwürfe mit einer Reihe von Beispielen. In Indien etwa habe die IFC vor sieben Jahren 100 Millionen US-Dollar in den Indischen Infrastrukturfonds investiert. Dieser habe mit einem Teil des Geldes in ein großes Kohlekraftwerk im indischen Bundesstaat Odisha gefördert, für dessen Bau knapp 1300 Familien ihr bewässertes Ackerland hergeben oder unter Wert verkaufen mussten. Als Folge des Projekts hat sich laut dem NGO-Bericht der Anteil der Familien ohne Landbesitz in der Region um fast ein Viertel erhöht. Andere Fallstudien kommen aus Laos, Kambodscha, Honduras und Guatemala.

Laut der Studie wickelt die IFC mittlerweile fast zwei Drittel ihrer Investitionen über die private Finanzwirtschaft ab, vor 15 Jahren war es nicht einmal ein Drittel. In den Jahren 2009 bis 2013 seien 36 Milliarden US-Dollar auf diese Weise vergeben worden. Für 94 Prozent der Investitionen, die die IFC in diesem Bereich selbst als Hochrisiko-Projekte bewertet, lägen für die vergangenen drei Jahre keine öffentlich zugänglichen Informationen vor. „Die bittere Erkenntnis ist, dass die IFC nicht weiß, was mit ihrem vielen Geld passiert“, sagt Knud Vöcking von der Organisation urgewald. Diese „Vogel-Strauß-Praxis“ müsse ein Ende haben, erklärte David Hachfeld von Oxfam. (ell)

erschienen in Ausgabe 5 / 2015: Töten für den rechten Glauben

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