Die im Sommer 2025 beschlossenen Einsparungen bei der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit zeigen inzwischen deutliche Auswirkungen: Förderungen der staatlichen Austrian Development Agency (ADA) laufen aus, Programme werden nicht weitergeführt und müssen gekürzt werden. Zivilgesellschaftliche Organisationen aus der entwicklungspolitischen Szene machen diese Einschnitte nun auch öffentlich.
Besonders betroffen seien derzeit entwicklungspolitische Inlands- und Bildungsarbeit, heißt es aus der AG Globale Verantwortung, dem Dachverband entwicklungspolitischer NGOs in Österreich. Langfristig führe der Abbau von bislang geförderten Strukturen zum Verlust von Expertise, gewachsenen Partnerschaften und institutionellem Wissen, warnt Geschäftsführer Lukas Wank.
Ein frühes Signal war das Aus der entwicklungspolitischen Radiosendung Globale Dialoge im Herbst 2025. Von Kürzungen betroffen ist nun auch die Organisation „Volontariat bewegt“, die internationale Freiwilligeneinsätze für junge Erwachsene organisiert. Anfang Dezember informierte die ADA den Verein, dass ab Januar 2026 keine Mittel mehr für internationale Freiwilligendienste bereitgestellt würden. Der letzte Förderzeitraum endete regulär mit Dezember 2025.
Absage nach zwanzig Jahren Zusammenarbeit
Für „Volontariat bewegt“ kommt die Absage nach zwanzigjähriger Zusammenarbeit überraschend – und zu einem kritischen Zeitpunkt. Noch im Herbst hatte im Vertrauen auf die bisherige Förderpraxis ein neuer Vorbereitungskurs für Einsätze ab 2026 begonnen. „Wir bereiten die jungen Menschen auf ihre Einsätze vor, begleiten sie und betreuen auch nach. Diese Zyklen lassen sich nicht entlang eines Kalenderjahres organisieren“, erklärt Geschäftsführerin Linda Proidl. Über das Förderende sei die Organisation erst wenige Wochen vor Auslaufen des bestehenden Vertrags informiert worden.
Die ADA verweist darauf, dass die Entscheidung, was 2026 gefördert wird und was nicht, aufgrund des späten Budgetbeschlusses im Nationalrat, einer Kammer des Parlaments, später als in Vorjahren stattgefunden habe; die Partnerorganisationen seien dazu aber laufend informiert worden. Weiter betont die ADA, dass sie trotz Kürzungen ihres eigenen operativen Budgets an allen vertraglich zugesagten Förderungen festhält: „Keines der vertraglich vereinbarten Projekte ist von den Kürzungen betroffen.“ Es gebe keinen Rechtsanspruch auf Förderungen: Aussagen über Kürzungen beträfen daher Mittel, die weder zugesagt noch verfügbar gewesen seien, „und in diesem Sinne auch nicht eingefordert werden können“.
Über das Programm „Volontariat bewegt“ befinden sich derzeit 27 Freiwillige in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa im Einsatz. Der Verein möchte laufende und bereits geplante Einsätze nicht abbrechen. Möglich sei dies jetzt nur durch die zusätzliche Unterstützung privater Fördergeber, kirchlicher Träger, Partnerorganisationen und Ehrenamtlicher. Gleichzeitig müsse das Programm verschlankt werden: Rückkehrseminare würden verkürzt, Abläufe komprimiert. Besonders schwierig sei, dass die ADA die Förderung so kurzfristig nicht verlängert habe, sagt Proidl. „Programmteile, die wir bereits gestartet haben, müssen wir nun selbst finanzieren oder neue Geldgeber finden.“
Weltoffenheit fördern
Proidl bedauert den Förderstopp insbesondere in Hinblick auf Bewusstseinsarbeit. Bei einer internen Umfrage nach den Berufswegen ehemaliger Absolventinnen und Absolventen habe sich ein Querschnitt der Gesellschaft gezeigt: Lehrkräfte, Sozialpädagogen, Unternehmensberaterinnen, Richter und Richterinnen. „Es ist doch wichtig, dass besonders in den aktuellen Zeiten Weltoffenheit und ein Verständnis für globale Zusammenhänge gefördert werden“, sagt Proidl.
Während „Volontariat bewegt“ bereits von den Einsparungen betroffen ist, drohen bei Horizont3000 die Einschnitte erst. Der Dachverband bündelt seit den frühen 2000er Jahren die Entwicklungszusammenarbeit mehrerer kirchlicher Organisationen und wickelt für diese große ADA-Rahmenprogramme ab. Geschäftsführer Erwin Eder spricht von einer „Ruhe vor dem Sturm“. Derzeit laufen zwei Vierjahresprogramme (2023 bis 2026) mit einem ADA-Fördervolumen von insgesamt rund 21,6 Millionen Euro: das Personalprogramm, bei dem Menschen mit gefragtem Fachwissen für eine gewisse Zeit zu Partnerorganisationen für Beratung entsandt werden, und das Finanzierungsrahmenprogramm, über das Horizont3000 gemeinsam mit Partnerorganisationen langfristige Projekte durchführt.
Die ADA habe bereits angekündigt, dass das Personalprogramm auslaufen soll; auch beim Finanzierungsrahmenprogramm seien Kürzungen im Gespräch. Zurzeit befinde man sich noch in Verhandlungen mit der ADA, in Summe könnten sich die Einsparungen allerdings auf die Hälfte bis zu fast zwei Dritteln des derzeitigen Fördervolumens belaufen. „Das wäre hochdramatisch“, sagt Eder. Denn über diese Programme werden rund 250 Partnerorganisationen beraten und jährlich profitierten mehr als eine Million Menschen davon – etwa durch Frauenrechtsarbeit in Ostafrika, Bildungsprojekte in Nairobi oder klimaangepassten Landbau in Uganda und Tansania.
Die Kürzungen treffen zudem die Mitgliedsorganisationen von Horizont3000. Das Welthaus Graz bringt Eigenmittel in die von der ADA über Horizont3000 geförderten Programme ein, stellt aber auch selbst Förderanträge bei der ADA. Geschäftsführer Markus Meister beschreibt eine anhaltende Planungsunsicherheit: „Normalerweise gehen wir zu Beginn des ersten Quartals in die Detailplanung für das im Folgejahr startende Vierjahresprogramm von Horizont3000. Nun wissen wir derzeit noch nicht einmal, wie hoch die Förderungen insgesamt für die Periode 2027 bis 2030 ausfallen wird.“
Zu Jahresbeginn hat die ADA außerdem ihr Magazin „Weltnachrichten“ eingestellt, das mehr als zwei Jahrzehnte über Entwicklungspolitik und österreichische Projekte berichtet hat. Künftig wolle man die Inhalte verstärkt über digitale Kanäle verbreiten und damit die Zielgruppen besser erreichen, heißt es aus der Agentur, die das Magazin bislang erstellt hat.
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