Geo-Engineering
Geo-Engineering

Keine gute Idee

Mit künstlichen Wolken gegen steigende Temperaturen antreten? Das verspricht Geo-Engineering. Eine Studie zeigt jedoch: Die Idee, den Klimawandel mithilfe von technischen Eingriffen ins Ökosystem zu stoppen, ist nicht ausgereift.

Gezielte Eingriffe in das Wetter oder die Weltmeere sind keine Lösung im Kampf gegen den Klimawandel. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren einer Studie zur Bewertung von Geo-Engineering. „Der einzige Weg, die Risiken zu vermeiden, ist die Reduzierung von Emissionen“ sagte Co-Autor Jürgen Scheffran von der Universität Hamburg am Mittwoch in Berlin. Der Abbau der CO2-Konzentration in der Atmosphäre sei dafür kein Ersatz. Er hoffe deshalb, dass sich Staaten auf der UN-Klimakonferenz in Paris am Jahresende verpflichten, ihre CO2-Emissionen deutlich zu senken.

An der Studie haben 14 Forschungsinstitute aus Deutschland, Frankreich, England, Norwegen und Österreich mitgearbeitet. In dem von der EU finanzierten Forschungsprojekt „EuTRACE“ haben sie den Forschungsstand zu Geo-Engineering aufbereitet. Dabei wird mit technischen Mitteln versucht, den CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu reduzieren oder die Erderwärmung zu bremsen. Das kann durch Reflektoren im All erfolgen, die einen Teil der Sonnenstrahlen reflektieren, oder durch künstlich erzeugte Wolken, die die Erde kühlen sollen.

Die Autoren des Berichts untersuchen die technischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Fragen der Zukunftstechnologie. Der Schwerpunkt liegt auf drei Beispiel-Techniken: der Nutzung von Biomasse zum Binden von CO2, der Eisendüngung im Meer und dem Abbau von CO2 in der Atmosphäre. Laut den Forschern von „EuTRACE“ ist unklar, ob diese Techniken jemals angewendet werden können.

Lücken in der Forschung

Trotzdem sei es wichtig, sie weiter zu untersuchen. So könne ihr Potenzial für die Zukunft ausgelotet werden, erklären die Autoren der Studie. „Es ist wichtig, die mit den Climate-Engineering-Vorschlägen einhergehenden Möglichkeiten und Probleme zu erkennen, um verantwortungsbewusste Entscheidungen treffen zu können“, sagte Mark Lawrence, der Projektkoordinator von EuTRACE.

Geo-Engineering erfordert neue Infrastrukturen, viel Platz und einen hohen Energieeinsatz. Laut Wilfried Rickels vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel ist noch nicht untersucht, welche Risiken und Kosten mit den Techniken verbunden sind. Als Beispiel dafür nannte Rickels die Düngung von Meeren mit Eisen. Damit soll das Plankton angeregt werden, sich zu vermehren. Wenn es anschließend stirbt und sinkt, gelangt mehr von ihm aufgenommenes Kohlendioxid auf den Meeresgrund – und ist damit erst einmal aus dem Klimasystem beseitigt. „Diese Maßnahmen würden eine ganze Reihe Schiffe erfordern, was wiederum zu einer Verschiebung auf dem globalen Schiffsbaumarkt führen würde“, heißt es dazu in der Studie.

Auch mögliche gesellschaftliche Folgen von großen Geo-Engineering-Projekten werden in der Studie analysiert. Der hohe Ressourceneinsatz könnte das Risiko von Konflikten um Wasser oder Land noch weiter erhöhen, sagte Scheffran in Berlin. Vor allem die langfristigen Folgen für das Ökosystem und für die Sicherheit der Menschen durch Geo-Engineering gelte es noch zu klären.

Für die Techniken des Climate Engineering gibt es bislang keine rechtliche Regulierung auf internationaler Ebene. Die Autoren empfehlen, das Thema stärker in der Klimakonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) zu verankern; die EU-Staaten sollten eine gemeinsame Position zu den neuen Techniken entwickeln.

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