Bergbau-Konzerne im Vatikan
Bergbau-Konzerne im Vatikan

Bitte nicht kuscheln

Die Bergbauindustrie kämpft um ein besseres Image und will künftig als Entwicklungspartner auftreten. Die Kirche dürfe sich von dieser Charme-Offensive nicht blenden lassen, warnten Basisgruppen bei einem Treffen Mitte Juli in Rom. Von der angekündigten Dialogbereitschaft sei in den betroffenen Gemeinden bisher nichts zu spüren.

Zum ersten Mal kamen Menschen aus allen Erdteilen zusammen, die unter den Folgen des kommerziellen Bergbaus leiden. Egal ob die Rohstoffe in Asien, Afrika oder Lateinamerika abgebaut werden – die Schäden für die lokale Bevölkerung sind überall die gleichen: Wälder und Felder werden zerstört, das Grundwasser wird vergiftet, Menschen müssen ihre Dörfer verlassen. Sie können dem oft wenig entgegensetzen, weil die Konzerne mit Hilfe von Sonderregelungen der Regierungen ihr Vorgehen legalisiert haben.

Zu den hartnäckigsten Mitstreitern der Betroffenen zählen einheimische Priester und Ordensleute. Über den Lateinamerikanischen Bischofsrat CELAM haben sie Zugang zum Vatikan bekommen und dort Gehör gefunden. „Das Ziel dieses Treffens ist es, Eure Würde anzuerkennen“, sagte Kardinal Peter Turkson, der Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden. „Es ist uns bewusst, dass eure Menschenrechte verletzt werden, dass ihr verfolgt werdet, dass es ein Ungleichgewicht der Kräfte gibt.“

Die Kontroverse um Bergbauaktivitäten ist für den Vatikan nicht neu. Doch die Deutlichkeit, mit der sich Rom jetzt hinter die Basisgruppen stellt, lässt aufhorchen. Vor anderthalb Jahren hatte sich der Päpstliche Rat mit Vertretern der internationalen Bergbauindustrie getroffen. Die versuchten, die katholische Kirche davon zu überzeugen, dass sie künftig den Dialog mit den Anwohnern führen und die Schäden so gering wie möglich halten wollten. Der Päpstliche Rat sah sich bereits in der Rolle des Brückenbauers.

Nur eine Imagekampagne der Bergbau-Industrie?

Doch Vertreter der Basis warfen Rom vor, die wichtigsten Gesprächspartner, nämlich die lokalen Gemeinschaften, vergessen zu haben. „Es ist nicht Aufgabe der katholischen Kirche, sich für die Bergbauindustrie einzusetzen“, schrieb der internationale Verband katholischer Hilfswerke CIDSE vor gut einem Jahr an Kardinal Turkson. Ein Dialog müsse offen geführt werden. „Wir müssen auch akzeptieren, wenn Gemeinden gar nicht wollen, dass Rohstoffe auf ihrem Gebiet abgebaut werden.“

Wie viele von der Basis glaubt auch Dario Bossi vom lateinamerikanischen Netzwerk Kirchen und Bergbau nicht an die Dialogbereitschaft der Konzerne. „Bei den Menschen an der Basis ist davon noch nichts angekommen. Ihre Situation hat sich nicht verbessert“, sagt der Comboni-Missionar. In Rom hätten sich die Konzernchefs zwar offen und dialogbereit gezeigt, auf lokaler Ebene gehe aber alles weiter wie bisher. Die Menschen mit ihren Anliegen würden nicht ernstgenommen. Viele lehnten deshalb das Gespräch mit den Bergbauunternehmen ab.

Bossi sieht das Treffen zwischen Vatikan und Industrie als Teil einer großangelegten Imagekampagne, mit der sich die Konzerne reinwaschen wollten. In der Tat liegt eine vom Kellogg Innovation Network in den USA erstellte und von internationalen Bergbauunternehmen finanzierte Studie vor, wie das Image der Branche grundlegend verbessert werden könne. Darin wird den Konzernen die Rolle von Entwicklungspartnern zugeschrieben, die mit allen Beteiligten zum Wohle aller zusammenarbeiten.

Der Papst fordert einen radikalen Kurswechsel

Nach Wunsch der PR-Strategen soll das neue Image ausgerechnet über die transportiert werden, die bisher den Widerstand organisiert haben: die Glaubensgemeinschaften. Das Treffen mit dem Päpstlichen Rat wird in der Studie explizit als Teil dieser Strategie genannt, ebenso wie ein ähnliches Treffen mit der anglikanischen Kirche im Oktober 2014. „Die Konzerne wollen die Kirche kooptieren“, sagt Bossi. Er warnt vor einer weiteren Initiative, bei der die Bergbau-Industrie theologische Seminare bei der Ausbildung von Pfarrern und Kirchenführern unterstützen will, die in vom Bergbau betroffenen Gemeinden Dienst tun werden.

Die Charme-Offensive geht jedoch mit Papst Franziskus nicht auf. In der Umweltenzyklika „Laudato si“ hat er festgehalten, dass er die Kirche an der Seite der Ärmsten und Unterdrückten sieht. Bei seinem Besuch in Bolivien Anfang Juli hat er den Basisgruppen seine Wertschätzung ausgesprochen. In einem Brief an die Teilnehmer des Treffens im Vatikan hält er fest, was er von der Bergbau-Industrie erwartet. Es gehe nicht um kleine Änderungen im Verhalten oder eine Anhebung der ökologischen und sozialen Standards, schreibt Franziskus. Der Bergbausektor sei „dazu aufgerufen, einen radikalen Paradigmenwechsel zu vollziehen, um die Situation in vielen Ländern zu verbessern.“

Die Basisgruppen hoffen nun, dass Kardinal Turkson und der Päpstliche Rat eine Stellungnahme veröffentlichen, in der alle Bischöfe und Diözesen aufgefordert werden, den vom Bergbau betroffenen Gemeinden noch enger beizustehen und sich vor einer zu schnellen und unreflektierten Annäherung an die Konzerne zu hüten. Wie das geht, wird der Päpstliche Rat bald schon selbst demonstrieren können. Im September ist das nächste Treffen mit den Konzernchefs geplant.

erschienen in Ausgabe 9 / 2015: Entwicklung - wohin?

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