Jatropha

Ein Arbeiter erntet im Juni 2008 auf einer Plantage im ivorischen Taabo Jatropha-Früchte. Inzwischen haben viele Farmen ihren Betrieb eingestellt.

Jatropha

Doch keine Wunderpflanze

Große Hoffnungen richteten sich vor zehn Jahren auf den Jatropha-Strauch: Die Wildpflanze sollte klimaneutralen Treibstoff liefern und gleichzeitig Kleinbauern in Afrika aus der Armut helfen. Das war unrealistisch.

Erneuerbare Energiequellen sind für eine klimaneutrale Zukunft unerlässlich. Dazu zählt Biomasse, die aus nachwachsenden Rohstoffen entsteht. Aus der Purgiernuss (Jatropha Curcas) lassen sich Biokraftstoffe wie Agro-Diesel oder Öl herstellen. Der Strauch hat vor einigen Jahren einen regelrechten Hype als Wunderpflanze für Biokraftstoff ausgelöst. Viele hofften damals, daraus klimafreundliche Energie für den weltweiten Markt zu erzeugen, sei es für Kraftwerke, Fahrzeugparks oder Flugzeugflotten. Jatropha, so hieß es, sei sehr genügsam, wachse auch auf schlechten Böden, überstehe mehrjährige Dürren und sei kaum anfällig für Schädlinge. Die Nahrungsproduktion habe keinen Nachteil, da die nicht essbare Pflanze nur auf ungenutzten Landflächen angebaut werden sollte. Die Frage „Tank oder Teller“ würde sich somit nicht stellen.

So entstanden in kurzer Zeit viele Jatropha-Projekte im globalen Süden, die von nichtstaatlichen Organisationen, Firmen und lokalen Regierungen gefördert wurden. Viele sind jedoch Ende der 2000er Jahre gescheitert. Das haben Forscherinnen und Forscher der Leuphana Universität in Lüneburg in einer qualitativen Studie über weltweite Jatropha-Projekte Ende 2012 herausgefunden. Die meisten Plantagen entstanden 2007 und 2008, danach ging die Zahl der Gründungen drastisch zurück. Die Fachleute ermittelten, dass wenige Projekte mehr als fünf Jahre bestanden, obwohl die Jatropha-Pflanze ihre Reife erst nach drei oder vier Jahren erreicht. So war nur ungefähr jedes dritte Projekt lange genug in Betrieb, um nennenswerte Erträge zu produzieren. Viele Projekte scheiterten schnell – und der Hype um die Purgiernuss verflog.

Laut Klaus Schenk vom Verein Rettet den Regenwald war das Scheitern der Projekte vorhersehbar: Jatropha wachse zwar auf schlechten Böden, doch sei der Ertrag dann zu gering, um Gewinne zu erzielen. Auch würden Jatropha-Pflanzen bislang kaum gezüchtet, was die Qualität und den Ertrag verbessern könnte. Damit sich der Anbau wirtschaftlich rechne, benötige man fruchtbaren Boden, viel Wasser und Zeit; erst nach einigen Jahren kann etwas geerntet werden. Die Hoffnung, klimafreundlichen Biokraftstoff zu produzieren und zusätzlich noch die Wüste zu begrünen, sei von Anfang an unrealistisch gewesen, sagt Schenk.

Bessere Erträge dank neuer Züchtungen?

Die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) führt mittlerweile keine Projekte mit dem Schwerpunkt Purgiernuss mehr durch. Ein Projekt in Ecuador, bei dem mit Hilfe von Jatropha-Öl und Windenergie die Galapagos-Insel Floreana völlig ohne fossile Brennstoffe auskommen sollte, ist 2015 ausgelaufen.

Doch nicht alle haben Jatropha abgeschrieben. Klaus Becker, Professor im Ruhestand der Uni Hohenheim und Gründer der Firma JatroSolutions, räumt zwar ein, dass unrealistische Erwartungen an eine Wildpflanze gestellt worden seien. Er sieht aber Jatropha weiter als große Chance für eine klimaneutrale Zukunft. Becker betreibt seit 2009 mit JatroSolutions ein Züchtungsprogramm. Die Firma ist eine Ausgründung der Uni Hohenheim und gehört mittlerweile zu 70 Prozent dem Unternehmen Energie Baden-Württemberg (EnBW).

Mit gezüchteten Jatropha-Sorten lasse sich bessere Qualität und mehr Ertrag erzielen, sagt Becker: Eine Wildpflanze bringe 200 bis 300 Kilo Nüsse pro Hektar, während die Zuchtpflanze auf 3000 bis 3500 Kilo pro Hektar komme. Auch gezüchtete Jatropha nutze Nährstoffe gut aus und behalte alle Vorzüge der Wildpflanze – sie wachse auf kargen Böden, vertrage viel Sonne und verbrauche im Vergleich zu Getreide oder Reis weniger Wasser. „Jatropha ist nicht tot, sondern kann jetzt erst richtig loslegen“, sagt Klaus Becker.

Autorin

Johanna Greuter

ist Volontärin bei "welt-sichten".
Jatropha wird weiter angebaut, doch vielfach nicht – wie ursprünglich gedacht – von Kleinbauern, sondern von Unternehmen auf großen Plantagen. Die mexikanische Firma Monarca vergrößere ihre 33.000 Hektar (über 46.000 Fußballfelder) große Plantage in Yucatan um weitere 33.000 Hektar, berichtet das Biomass Magazin. Monarca stellt Agro-Kerosin für Flugzeuge und Pflanzenöl-Kraftstoffe her, die an US-amerikanische Raffinerien gehen. Mit Hilfe der Züchtung will Monarca die Produktion um ein Vielfaches steigern und gleichzeitig weniger Land, Wasser, Dünger und Chemikalien verwenden.

In der Entwicklungszusammenarbeit ist der Hype um Jatropha vorbei. Doch die Purgiernuss kann dort sinnvoll sein, wo sie ohnehin schon wächst. Kleinbauern aus dem globalen Süden pflanzen Jatropha oft als natürlichen Zaun um ihre Äcker, um Tiere fernzuhalten. Dort kann das Öl einen guten Nebenverdienst einbringen.

erschienen in Ausgabe 12 / 2016: Energie für alle

Kommentare

Entgegen den Feststellungen sind die Jatropha-Plantagen zum gewinnen der Purgiernuss dann höchst wirtschaftlich, wenn man die Kosten für Strom aus Windkraftanlagen in für Wind schwachen Regionen rechnet. Denn eine Windkraftanlage kostet jetzt ca. 6 Mio. €. Jüngst in Betrieb genommene Windkraftanlagen der EnBW bei Stuttgart auf dem Goldboden leisteten im April 2018 den Strom von 5 Stück Diesel-Motoren mit je 135 kW. Was darf das Jatropha Öl kosten, wenn 5, 10 oder 20 Stück solcher Motoren statt der Windkraft-Anlagen verwendet werden?

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