Auswanderer in Venezuela

Zu teures Eisbein in der Colonia Tovar

Den Kirchplatz der Colonia Tovar besuchen derzeit nur ­wenige Touristen. Das bekommt vor allem die ­Gastronomie zu spüren.
Knapp 400 Menschen sind vor 170 Jahren aus Südbaden nach Venezuela ausgewandert. Heute leidet die Colonia Tovar wie das ganze Land unter einer schweren Wirtschaftskrise. Spenden aus der alten Heimat helfen.

Am Marktstand von Isabel Rudmann hält sich der Andrang in Grenzen. Die 58-Jährige verkauft selbst angebautes Gemüse, Honig, eingemachte Pfirsiche und Gebäck auf dem Weihnachtsmarkt der Colonia Tovar westlich der venezolanischen Hauptstadt Caracas. Vor zwei Jahren war das noch anders. „Damals wärst Du hier sonntags mit dem Auto nicht durchgekommen“, erinnert sie sich. Heute kaufen nur wenige ihre Adventskränze aus Pinienzweigen – eine Tradition, die sie von ihren südbadischen Vorfahren bewahrt hat.

„Isch net guet Venezuela“, sagt Rudmann in ihrem  alemannischen Dialekt. Das lateinamerikanische Land befindet sich seit gut drei Jahren trotz reicher Erdölvorkommen in einer tiefen Wirtschaftskrise. Die Inflation im dreistelligen Bereich macht Alltagsartikel unerschwinglich. Im Gegensatz zu den Landsleuten in den Städten müssen die meisten Menschen in Colonia Tovar zwar nicht hungern, da sie Landwirtschaft betreiben. Aber auch hier sind Zucker, Nudeln und importiertes Saatgut immer schwerer zu bekommen – und der Rückgang der Besucherinnen und Besucher macht dem Ort zu schaffen.

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erschienen in Ausgabe 2 / 2018: Diaspora: Zu Hause in zwei Ländern

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