Bewegungsmelder
Mechtild Maurer ist Geschäftsführerin von ECPAT Deutschland (Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung)
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"Wir können etwas verändern!"

Wir fragen Menschen aus der Szene, was sie motiviert und wo sie an Grenzen stoßen. Dieses Mal: Mechtild Maurer, Geschäftsführerin von ECPAT Deutschland.

Wie sind Sie zu dem Thema „Sexuelle Ausbeutung von Kindern“ gekommen?
Vor 30 Jahren habe ich als Journalistin für den Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung in Basel und das Schweizer Gesundheitsamt eine Studie zu HIV und Tourismus verfasst. Hauptergebnis war, dass Sextouristen aus Angst vor HIV zunehmend Kinder nachfragten, so dass immer mehr kleine Mädchen und Jungen von zehn Jahren oder sogar jünger ins Sexgewerbe gezwungen wurden. Das hat mich sehr erschüttert. Als dann unter anderem als Reaktion auf diese Studie das Netzwerk ECPAT  gegründet wurde, war für mich klar, dass ich dabei sein wollte.

Wie schätzen Sie die Wirkkraft Ihres Netzwerks ein?
In der breiten Bevölkerung sind wir nicht sehr bekannt. Aber viele Polizei-, Tourismus- und Jugendbehörden kennen uns und nutzen unsere Expertise. 1996 fand auf Initiative von ECPAT International der erste Weltkongress gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern in Stockholm statt. Dieser Gipfel, zu dem erstmals Regierungen, Vertretungen aus der Privatwirtschaft und Hilfsorganisationen zusammenkamen, hatte Modellcharakter für spätere große Konferenzen wie zum Weltklima, zur Nachhaltigkeit oder zum „Global Compact“. Auch institutionell haben wir einiges erreicht. So gibt es inzwischen das Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention zum Thema sexuelle Ausbeutung, viele Länder haben entsprechende Gesetze erlassen, Reise­veranstalter haben Selbstverpflichtungen unterschrieben und vieles mehr. Auch wenn das leider noch längst nicht ausreicht.

Was ist die wichtigste Erkenntnis, die Sie aus Ihrer Arbeit ziehen?
Dass wir etwas verändern können! Wenn die Arbeit frustrierend ist, hilft es immer, sich zu fragen: „Wo wären wir, wenn wir nicht diesen Weg gegangen wären?“

Was ist für Sie besonders frustrierend?
Der Vormarsch der digitalen Medien hat uns anfangs kalt erwischt. Gegen Onlinemissbrauch halfen viele unserer bisherigen Präventionsansätze kaum. Die drahtlose Digitalisierung des Alltags bedeutet eine große Herausforderung für den Schutz der Kinder. Es gab  zunächst zu wenig Wissen. Fest steht aber: Wir müssen im Kampf gegen sexuelle Gewalt noch mehr auf die Widerstandskraft von Kindern und jungen Menschen setzen als auf technische Kontrollmechanismen.

Was machen Sie, wenn Sie abschalten wollen?
Ich bin zwischen Schwarzwald und Vorarlberg aufgewachsen und ein Kind der Berge. Beim Sport in den Bergen und auf dem Wasser kann ich sofort abschalten, mich auspowern und wunderbar erholen. Am besten, wenn Familie oder  Freunde dabei sind.

Das Gespräch führte Barbara Erbe

erschienen in Ausgabe 3 / 2018: Kunst und Politik: Vom Atelier auf die Straße

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