Venezuela
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro lässt die Sicherheitskräfte brutal gegen seine Gegner vorgehen.
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Ein Staat im Griff der Mafia

Nicolás Maduro regiert Venezuela mit harter Hand – gestützt von korrupten Profiteuren der Wirtschaftskrise. Dem Niedergang der einst stabilsten Demokratie Lateinamerikas hat das Ausland lange tatenlos zugesehen.

Zwei Stunden dauerte die Amtsantrittsrede von Hugo Chávez im Februar 1999 vor dem Parlament in Caracas. Die Abgeordneten applaudierten eine halbe Minute, als der damals  44-Jährige seinen Amtseid „vor dem Volk“ ablegte und schwor, „diese todgeweihte Verfassung“ an die neuen Zeiten anzupassen. Mit dem Versprechen tiefgreifender Reformen, sozialer Gerechtigkeit, Korruptionsbekämpfung, wirtschaftlicher Blüte und Umverteilung der Erdöl-Dollar hatte er bei der Wahl die christdemokratische (Copei) und die sozialdemokratische (AD) Partei weggefegt. Beide hatten sich 40 Jahre an der Macht abgewechselt und waren zu korrupten Wahlmaschinen verkommen, ohne soziale Ambitionen oder langfristige Visionen.

Als Südamerikas stabilste Demokratie, die sich nach dem Sturz von Diktator Marcos Pérez Jiménez 1958 etabliert hatte, hatte Venezuela selbst die turbulenten Jahre des Kalten Krieges überstanden, als sich die Nachbarländer in Bürgerkriegen und Militärdiktaturen aufrieben. Nun aber war ihre Legitimität verspielt. Weite Teile der Bevölkerung – auch Unternehmer, Journalisten und viele Intellektuelle – teilten den Wunsch nach Erneuerung, den der ehemalige Putschisten-Oberstleutnant Chávez so überzeugend zu verkörpern wusste. Zehn Monate später hatte das Land eine neue, bolivarische Verfassung – für viele Juristen bis heute ein demokratisches Musterbeispiel mit partizipativen Elementen wie einem Abberufungsreferendum.

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erschienen in Ausgabe 7 / 2018: Vormarsch der starken Männer

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