Rassismus
Südafrika in den Zeiten der ­Apartheid: An dieser Haltestelle im südafrikanischen Johannesburg dürfen 1978 nur Schwarze in den Bus steigen.  
Rassismus

Der Wahn vom richtigen Erbgut

Mit rassistischen Denkmustern sind Gräueltaten gerechtfertigt worden wie der Kolonialismus und die Völkermorde der Nationalsozialisten. Doch die Ideen sind nicht mittelalterlich, sondern ein Ausfluss der mit der Aufklärung entstandenen Wissenschaft.

Die Frage nach den Anfängen des Rassismus ist in der Forschung umstritten. Unterdrückungsmechanismen, die wir heute als rassistisch bezeichnen würden, gab es schon in Eroberungsgesellschaften des Altertums und bei der transatlantischen Sklaverei ab dem 16. Jahrhundert, ohne dass damals bereits von „Rassen“ die Rede gewesen wäre. Die Geburt der Rassenkonzepte lag erst im 18. Jahrhundert, als die entstehenden Naturwissenschaften das Wissen über die Welt zu systematisieren versuchten und begannen, nicht nur Pflanzen, Tiere und Mineralien, sondern auch menschliche „Rassen“ zu klassifizieren. Dabei schlug die beschreibende Klassifizierung rasch in hierarchisierende Wertung – höher oder niedriger stehend – um.

Die Rassenkonzepte der Aufklärungszeit gewannen im 19. Jahrhundert enorm an Wirkung. Körperliche, intellektuelle und moralische Eigenschaften von menschlichen Individuen und Kollektiven erschienen nun als naturgegeben. Vertreter dieses biologistischen Denkens führten die Dominanz der Europäer über die Nichteuropäer wie auch die ungleiche Geschlechterordnung auf physische Unterschiede zurück, etwa die Größe des Gehirns. Ähnlich wurde die gesellschaftliche Schichtung erklärt und gerechtfertigt. Auch galten eine große Zahl physischer und psychischer Krankheiten sowie die Neigung zu Kriminalität, Alkoholismus oder Prostitution als erblich.

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erschienen in Ausgabe 3 / 2019: Rassismus

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