Kirchliche Hilfswerke besorgt über Finanzkrise und Klimawandel

Die Einnahmen des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) sind im vergangenen Jahr gestiegen. Sie setzen sich vor allem aus staatlichen Mitteln und Kirchensteuern zusammen. Die Hilfsaktion „Brot für die Welt“, die sich hauptsächlich aus Spenden und Kollekten finanziert, hat hingegen einen leichten Rückgang verzeichnet. Beide Organisationen wollen sich spätestens bis 2013 zu einem Werk zusammenschließen.

Der EED hat laut seinem Vorstandsmitglied Wilfried Steen 157,4 Millionen Euro für seine Arbeit verwendet, 6,6 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Davon stammten 106,4 Millionen Euro aus staatlichen Mitteln und 43,5 Millionen Euro aus Kirchensteuern. Der Rest stammte aus Spenden von „Brot für die Welt“ sowie sonstigen Einnahmen. Im vergangenen Jahr habe der EED 2166 Projekte in aller Welt unterstützt, die meisten davon in Afrika. 2009 könne die Arbeit im selben Umfang fortgeführt werden, erklärte Steen bei der Jahrespressekonferenz Ende Juni in Bonn. Für 2010 seien jedoch hohe Kirchensteuerausfälle aufgrund der Finanzkrise zu befürchten.

Die Direktorin von „Brot für die Welt“, Cornelia Füllkrug-Weitzel, sagte bei der Bilanzpressekonferenz Anfang Juli in Berlin, die Spendeneinnahmen seien im vergangenen Jahr gegenüber 2007 um 1,4 Millionen Euro auf 51,4 Millionen Euro gesunken. Sie führte den Rückgang von 2,7 Prozent vor allem auf die Auswirkungen der Finanzkrise zurück. Es sei aber „kein Spenden-Euro“ durch diese Krise verloren gegangen. Spenden, die nicht sofort an Projektpartner ausgezahlt werden, würden nach ethischen Grundsätzen angelegt, in der Regel in Bundesschatzbriefe oder festverzinsliche Wertpapiere. Die Erträge daraus hätten sich jedoch ebenfalls verringert. „Brot für die Welt“ hat im vergangenen Jahr 1132 Projekte in Entwicklungsländern und Osteuropa gefördert.

Füllkrug-Weitzel forderte die Bundesregierung dazu auf, sich entschiedener im Kampf gegen den Klimawandel zu engagieren. Deutschland müsse sich in der Europäischen Union für eine Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen um 40 Prozent bis 2020 stark machen. Ferner müsse der künftige Status von Klimaflüchtlingen klar geregelt werden. Nötig sei ein internationales Rechtsinstrument, das ihnen einen Anspruch auf Entschädigung und Umsiedlung garantiere, erklärte Füllkrug-Weitzel.

EED-Vorstand Steen betonte, für eine erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit reiche es nicht aus, mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Vielmehr müssten unter anderem gerechtere Welthandelsstrukturen geschaffen sowie Steuerhinterziehung und Kapitalflucht aus den Entwicklungsländern bekämpft werden. Zur geplanten Fusion des EED mit dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), zu dem „Brot für die Welt“ gehört, sagte Steen: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Noch in diesem Herbst werde den Entscheidungsgremien voraussichtlich der Entwurf für eine gemeinsame Satzung vorgelegt. Ebenfalls in diesem Jahr solle der Vorvertrag für den Kauf eines Grundstücks in Berlin-Mitte und den Bau eines neuen Bürogebäudes geschlossen werden. Das neue Werk trete jedoch nicht als Bauherr, sondern als Mieter auf. Der Bau solle bis 2012 abgeschlossen sein. Das neue Werk wird laut Steen rund 600 Mitarbeitende beschäftigen, darunter 350 im Entwicklungsbereich. (gwo)

 

erschienen in Ausgabe 8 / 2009: Kaukasus: Kleine Völker, große Mächte