Klimawandel
Klimawandel

Grünes Wachstum ist ein Hirngespinst

Kann unsere Wirtschaft wachsen, ohne immer mehr Ressourcen zu verbrauchen und die Umwelt zu zerstören? Nein, sagt eine neue Studie.

Wirtschaftswachstum kennt keine Grenzen, unsere Erde sehr wohl. Irgendwann sind Rohstoffe wie Erdöl, Lithium oder seltene Metalle aufgebraucht und neue Nutzflächen knapp. Wird der Ausstoß von Kohlendioxid nicht drastisch eingeschränkt, steigen zudem die Temperaturen.

Was daraus für unser Wirtschaftssystem folgt, ist umstritten. Vertreter der Postwachstumsbewegung fordern ein radikales Umdenken: weniger Konsum und weniger Güterproduktion, vor allem in den reichen Industrieländern. Anderen schwebt ein grüner Kapitalismus vor, bei dem das Wirtschaftswachstum anhält, aber der Verbrauch natürlicher Ressourcen und der Ausstoß von Treibhausgasen weniger schnell wächst oder sogar sinkt. Im ersten Fall spricht man vor relativer, im zweiten von absoluter Entkopplung. 

Wie realistisch das ist, untersucht eine Studie des in Brüssel sitzenden Europäischen Umweltbüros. Dazu haben die Autoren Studien zum Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch ausgewertet. Angesichts des Klimawandels wäre eine globale und absolute Entkopplung des Ressourcenverbrauchs vom Wirtschaftswachstum nötig, argumentieren sie. Man kann sich zum Vergleich ein Auto vorstellen, das mit immer weniger Treibstoff immer schneller fährt.

Weltweiter Anstieg des Ressourcenverbrauchs 

Das Gegenteil sei aber der Fall: Weltweit sei der Verbrauch von Mineralien und fossilen Energieträgern in den letzten zwei Jahrzehnten stark gestiegen. Die Autoren sprechen sogar von einer „Re-Materialisierung“ der Weltwirtschaft. Auch der globale Wasserverbrauch habe sich zwischen 1960 und 2010 verdoppelt. 

Erfolge bei der Entkopplung gab es lediglich in einzelnen Ländern. So konnte Australien seinen Wasserverbrauch zwischen 2001 und 2009 um 40 Prozent verringern, während das Bruttoinlandsprodukt im selben Zeitraum um 30 Prozent anstieg. Für eine globale Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch gebe es aber keine „empirische Evidenz“. Und auch in Zukunft halten die Autoren einen grünen Kapitalismus für unrealistisch.

Neuen Technologien brauchen Zeit

Dafür nennen sie eine Reihe von Argumenten. So werde es immer aufwändiger, Metalle aus dem Boden zu holen, weil die leicht zu erschließenden Vorkommen aufgebraucht sind. Damit steige der Energieaufwand für dieselbe Fördermenge – und auch die Umweltzerstörung nehme zu. 

Die Hoffnung auf ein grünes Wachstum speist sich aus dem Versprechen technologischer Innovationen. Forschung sei sinnvoll, schreiben auch die Autoren. Aber die Vergangenheit habe gezeigt, dass es Zeit braucht, bis neue Technologien entwickelt werden und sich durchsetzen. Angesichts der Dringlichkeit, weniger Ressourcen zu verbrauchen, sei es leichtsinnig, ausschließlich auf Innovationen zu setzen. 

Sie schlagen sich auf die Seite der Postwachstumsbewegung: „Am wenigsten schädlich sind Produktion und Konsum, wenn sie ausbleiben.“ Darüber, wie ein solches politisches Projekt auf den Weg zu bringen wäre, schweigt die Studie.

Kommentare

Immer schwer zu trennen, was die Autoren bei welt-sichten schreiben und was sie selbst für richtig halten. Jedenfalls haben Sie vollkommen Recht, wenn Sie Grünes Wachstum als unmöglich darstellen. Schon vor Jahren habe ich auf das Buch---Wohlstand ohne Wachstum---aufmerksam gemacht. Der Autor Tim Jackson hielt diesen Weg schon vor zehn Jahren für nicht gangbar. Ohne Produktion und Konsum werden alle ärmer, wer schon alles hat oder erreicht hat, kann leichter verzichten. Daneben stehen Milliarden von Menschen die arm sind. Politisch ist Verzicht nicht durchzusetzen, die Grünen wollten mal, dass Benzin 5 Mark kostet, das Echo war vernichtend. Über Ihrem Artikel steht "Klimawandel" und Sie vermuten wie Ihr Kollege T. Elliesen, zwischen dem täglichen CO2 Zuwachs und der Erderwärmung besteht ein Zusammenhang. Das ist das zweite Hirngespinst. Wer meint CO2 beschleunigt den Klimawandel muss den Verbrauch von fossiler Energie der letzten 200 Jahre sehen und nicht was täglich hinzukommt. Der Menschheit ist nicht vergönnt, durch irgendein Tun Abhilfe zu schaffen. Das kann nur die belebte Natur, indem sie das Nahrungsangebot CO2 nutzt und Biomasse wachsen lässt. Daneben das "Ende menschlicher Zivilisation und Gesellschaft" zu stellen ist nur noch lächerlich.

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