Entwicklungsarbeit
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Keine gemeinsame Partnerschaft für alle Interessen

Globale Partnerschaften sind in der Entwicklungszusammenarbeit beliebt. Doch wie erfolgreich sind sie? Im Bildungssektor arbeiten zu viele Beteiligte parallel, kritisiert die ÖFSE.

Multi- und bilaterale Geber, Regierungen im globalen Süden und Norden, Organisationen aus der Zivilgesellschaft und aus dem Privatsektor: Sie alle engagieren sich in globalen Partnerschaften und in der Entwicklungszusammenarbeit.  Die Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) hat in ihrem Briefingpaper speziell Partnerschaften im Bildungssektor untersucht und kommt zu dem Schluss, dass es dort nicht gelungen ist, die maßgeblichen Mitwirkenden in einer globalen Partnerschaft zu vereinen. Stattdessen verträten verschiedene Akteure in „ihren“ Partnerschaften lieber ihre eigenen Interessen als sich den globalen Herausforderungen zu stellen.

Die Autoren listen auf, welche globalen Partnerschaften es im Bildungssektor gibt und zu welchem Zweck sie gegründet wurden: Mit der Global Partnership for Education (GPE) wurde 2002  eine der ersten globalen Bildungspartnerschaften geschaffen, die heute in rund 60 Entwicklungsländern tätig ist, vor allem in fragilen Staaten. Im Kontext mit der Verabschiedung der UN-Nachhaltigkeitsziele wurde die International Commission on Financing Global Education Opportunity  ins Leben gerufen. Sie ist mit hochrangigen Politikern sowie Vertretern der Wirtschaft und Wissenschaft besetzt und soll vor allem Finanzmittel für Bildung mobilisieren. Eine weitere globale Partnerschaft im Bildungssektor ist die Global Business Coalition for Education (GBCE). Sie versteht sich als Dachorganisation von im Bildungssektor tätigen Privatunternehmen und engagiert sich vor allem in Krisenregionen. Damit sind nur drei der vielen globalen Partnerschaften im Bildungsbereich genannt.

Steuervermeidung bleibt unerwähnt

Vor allem der Einfluss von privaten Stiftungen und Unternehmen in der Bildungsförderung habe in den vergangenen Jahren zugenommen, schreiben die Autoren: Firmen hätten erkannt, dass gerade ein Engagement in Krisengebieten die Sichtbarkeit von Unternehmen bei der Bevölkerung verstärkt. So könnten sich mittel- und langfristig neue Märkte ergeben.  Auch die Ausbildung von gut qualifizierten Arbeitskräften für aufstrebende Märkte in Schwellenländern sei für die Unternehmen profitabel. Neben der Verschmelzung von Geschäftsinteressen mit karitativen Zwecken bei den Unternehmen kritisieren die Autoren auch deren Tricks zur Steuervermeidung. Es sei paradox, wenn die globalen Bildungspartnerschaften um Zuwendungen von Philanthropen und privaten Unternehmen werben, deren Steuervermeidung in Entwicklungsländern aber unerwähnt lassen, schreiben die Autoren.

Um das UN-Nachhaltigkeitsziel Nummer 4, „Bildung für alle“, zu erreichen, hoffen die Forscher auf einen Paradigmenwechsel. Es reiche nicht, nur die Symptome zu bekämpfen. Aufgabe einer echten globalen Partnerschaft wäre es, die Grundlagen für nachhaltige und gerechte Bildungssysteme auf nationaler Ebene zu schaffen. Was genau das heißt und wie das gehen soll, erklären die Autoren aber nicht. Sie fordern außerdem Änderungen im globalen Steuersystem, um den Ländern des globalen Südens die notwendige finanzielle Basis zu ermöglichen. (mek)

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