Musiker aus Venezuela
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Musiker aus Venezuela

Gassenhauer auf Limas Straßen

In Venezuela waren sie Berufsmusiker in Orchestern. Doch seit ihr Lohn nicht mehr zum Leben reicht, wandern viele klassisch ausgebildete Musiker nach Peru aus – und beginnen dort als ­Straßenmusiker.

Als das Leben in Caracas immer schwieriger wurde, Raubüberfälle zunahmen, Proben ausfielen, weil es keinen Strom gab oder der Bus nicht mehr fuhr, als  ihr Monatslohn gerade noch für einen Karton Eier reichte, da beschloss Cecilia Tuesta, die erste Geigerin im Venezolanischen Symphonieorchester Simon Bolivar, nach Peru auszuwandern. Aus dem Land waren ihre Großeltern väterlicherseits fast 70 Jahre davor aufgebrochen. Ein Angebot für eine feste Stelle in einem neu gegründeten Symphonieorchester in Lima, Peru, gab den Ausschlag. Cecilia Tuesta kaufte mit ihrem restlichen Geld ein Flugticket nach Lima und betrat Silvester 2017 mit etwas Wehmut im Herzen, aber auch mit Vorfreude auf ihr neues Leben, peruanischen Boden.

Cecilia Tuesta ist ein Kind des „Sistema“, des weltberühmten venezolanischen Musikschulprogramms für Kinder vor allem aus armen Gesellschaftsschichten. Rund eine Million Kinder und Jugendliche haben in Venezuela diese Musikschulen absolviert, haben in Orchestern gespielt, in Chören gesungen und wiederum jüngeren Kindern die Begeisterung für klassische Musik weitergegeben.

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erschienen in Ausgabe 11 / 2019: Aufbruch am Horn von Afrika

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