Marokko
marokko_fahrradtraining_0.jpg„Es ist viel leichter, als ihr denkt“: Die Fahrradtrainerin Khaoula El-Haidi (rechts) bringt jungen Marokkanerinnen engagiert das Fahrradfahren bei.

Marian Brehmer

Marokko

Radeln fürs Selbstbewusstsein

Das Fahrrad gilt in Marokko als unsittlich für Frauen und als Fahrzeug für arme Leute. Eine Organisation in Marrakesch will das ändern – und jungen Marokkanern beim Jobeinstieg helfen.

Lässig lehnt sich Khaoula El Haidi nach vorne. Die 23-Jährige stützt sich auf den Lenker ihres sportlichen Mountainbikes. El Haidi, die ein tannengrünes Kopftuch, Daunenjacke und Sneaker trägt, ist in ihrem Element. Nun will sie, dass die zwei Dutzend jungen Frauen, die ihr gebannt zuhören, genauso Feuer für das Fahrrad fangen. „Es ist viel leichter, als ihr denkt“, ruft sie mit selbstbewusster Stimme, rutscht von der Stange, stellt ihr Fahrrad ab und schwingt sich dann auf den Sattel. „Ihr müsst euch nur trauen!“

Die jungen Frauen, die in dem kleinen Park mitten in der Medina, der Altstadt von Marrakesch, auf der Bordsteinkante ihrer Trainerin gegenübersitzen, sind sportlich gekleidet. Gleich werden die Studentinnen von der Uni Marrakesch ihre ersten Runden drehen. Die meisten von ihnen stammen aus Dörfern am Rande des Atlasgebirges und sind noch nie auf ein Rad gestiegen. Sie studieren Medizin, Physik, Englisch und Philosophie im ersten Studienjahr und haben eines gemeinsam: den Willen, Fahrrad fahren zu lernen.

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erschienen in Ausgabe 12 / 2020: Auf die Heißzeit vorbereiten

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