Globale Gesundheit
Globale Gesundheit

Gebt der WHO mehr Geld!

Die jüngste Weltgesundheitsversammlung, das Jahrestreffen der 194 Mitgliedsstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hat erneut betont, dass Armutsbekämpfung die beste Pandemievorsorge ist. Welche Konsequenzen die Staaten daraus ziehen, ist aber unklar.

 Barbara Erbe ist Redakteurin bei „welt-sichten“.welt-sichten
Ja, Impfungen sind ein wesentlicher Baustein bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Und UN-Generalsekretär António Guterres warnt zu Recht davor, dass nur die reichen Länder ihre Bevölkerung impfen und ihre Wirtschaft wieder hochfahren, während in den ärmsten Ländern das Virus zirkuliert und mutiert. Aber die Pandemie zeigt auch, wie wichtig eine medizinische Grundversorgung und gesunde Lebensbedingungen für die Gesundheit überall auf der Welt sind. Es macht einen großen Unterschied, ob und in welcher Form Menschen Zugang zu medizinischer Behandlung haben oder nicht, und ob sie sich diese leisten können - ob in einer städtischen Klinik oder einer ländlichen Gesundheitsstation. 

Die allgemeine, nicht auf Corona bezogene Gesundheitsversorgung sei momentan „dem größten Risiko ausgesetzt, ins Hintertreffen zu geraten“, heißt es in den Erläuterungen zur Globalen Gesundheitsstatistik, die die WHO am 1. Juni veröffentlicht hat. Covid-19 treffe arme und benachteiligte Bevölkerungsgruppen unverhältnismäßig stark – so etwa Menschen, die in überfüllten Wohngebieten leben. 

Ein „UN-Pandemievertrag“, der nach dem Willen der jüngsten Weltgesundheitsversammlung Ende November in einer WHO-Sondersitzung erörtert werden soll, könnte dazu beitragen, die allgemeine Gesundheitsversorgung wieder zu stärken. Er könnte nicht nur die Zusammenarbeit und den Datenaustausch der Länder angesichts von Gesundheitskrisen verbessern, sondern auch die globale Gesundheitsfürsorge insgesamt wieder mehr in den Vordergrund rücken.

Strategie 2030 gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten

Auf mehr globale Gesundheitsfürsorge zielt die Weltgesundheitsversammlung auch mit ihrer gerade verabschiedeten neuen Strategie 2030 gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTD) wie die Schlafkrankheit, Lepra oder das unter Umständen zu Blindheit führende Trachom. Gleichzeitig hat sie – ganz kostenlos – den 30. Januar zum Welttag der vernachlässigten Tropenkrankheiten gekürt. Das Problem ist leider, dass die Weltgesundheitsversammlung oft das eine beschließt, ihre Mitglieder aber das andere tun. So ließ die britische Regierung nahezu zeitgleich zur neuen WHO-Strategie gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten verlauten, dass sie ihre Mittel für deren Bekämpfung um 90 Prozent reduzieren werde. 

Die WHO kann nur tun, was ihr Budget zulässt. Das ist seit den 1980er Jahren weitgehend eingefroren. Seitdem ist die Organisation ein großer Empfänger von Drittmitteln geworden und gezwungen, auf Geld von Privaten zurückzugreifen – überwiegend von Stiftungen wie der Gates-Stiftung, aber auch von Unternehmen. Mehr nicht zweckgebundene, nicht auf zeitlich befristete Projekte bezogene Mittel wären ein guter Anfang, um den Einsatz für globale Gesundheit zu stärken.

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