Vergangenheitsbewältigung
 „Das ist unsere Art von Sozialarbeit“: Ziad Saab, der Mann der Autorin, berichtet Schülerinnen und Schülern aus seinem Leben als Kommandant im Bürgerkrieg. 

Christina Förch-Saab

Vergangenheitsbewältigung

Frühere Kämpfer sind heute Versöhner

Im Libanon sind heute die Kriegsführer von einst an der Macht; die Gesellschaft hat ihre blutige Vergangenheit nie verarbeitet. Einige ehemalige Kämpfer wollen das ändern. Der Ehemann unserer Autorin ist einer von ihnen.

Der Libanon, seine Hauptstadt Beirut, das war für mich im Jahr 2000 Aufbruch, Abenteuer, das Eintauchen in eine andere Kultur und Region. Doch was mich seit 21 Jahren als Journalistin und Bürgerin dieses Landes jeden Tag erwartet, ist eine Überdosis an Aufregung, Krisen und an Emotionen, die zwischen himmelhochjauchzend und absoluter Verzweiflung schwanken.

Vor zwei Jahren, als ich für „welt-sichten“ über die Massenproteste im Libanon berichtete, war die Stimmung auf dem Höhepunkt. Denn mehr als eine Million Libanesinnen und Libanesen hofften endlich auf eine Wende in der Geschichte ihres Landes: auf einen richtigen Staat, der sich um seine Bürgerinnen und Bürger sorgt, anstatt dass sich die Machthaber die Taschen vollstopfen. Sie hofften auf einen andauernden Frieden nach den vielen Episoden der Gewalt und Konflikte. Und sie hofften auf einen wahren, nationalen Versöhnungsprozess 30 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs. Den hat es nämlich bis heute nicht gegeben.

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erschienen in Ausgabe 9 / 2021: Die langen Schatten der Gewalt

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