Mit Sonnenkraft zu sauberem Trinkwasser

Kazi Salahuddi Razu/Nurphoto via Getty Images
In der Küstenregion Khulna in Bangladesch laufen viele Frauen und Kinder mehrere Kilometer, um Wasser aus einem Teich zu holen, das oft mit Salz, Eisen und Arsen belastet ist. 
Bangladesch
In den vom Klimawandel bedrohten Küstengebieten Bangladeschs mangelt es zunehmend an sauberem Trinkwasser. Nun setzt die Regierung auf Wasserentsalzung und -aufbereitung mit Solarkraft.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Unicef haben in Bangladesch 98 Prozent der Bevölkerung – also fast alle – Zugang zu grundlegender Wasserversorgung: Sie brauchen von ihrem Zuhause weniger als 30 Minuten, um aufbereitetes Wasser zu erhalten. Allerdings kann dieses Wasser immer noch Arsen und Salz enthalten; nur rund 59 Prozent der Menschen haben Zugang zu einer sicheren Trinkwasserversorgung auf ihrem eigenen Grundstück.

In den vom Klimawandel gefährdeten Küstengebieten des Landes ist der Mangel an sauberem Trinkwasser ein großes Problem. Häufig sind dort die Tiefbrunnen, aus denen über Rohrleitungen Grundwasser geholt wird, mit Salz verseucht, da infolge des Abpumpens Meerwasser unterirdisch zufließt. Auch das Wasser in weniger tief liegenden Brunnen an der Küste ist häufig mit Salz, Eisen und Arsen verunreinigt.

Die hohen Arsenwerte im Grundwasser Bangla­deschs werden üblicherweise natürlichen geologischen Ursachen zugeschrieben. Weitere Ursachen für den Mangel an sauberem Grundwasser sind die übermäßige Nutzung für Bewässerung und Haushaltszwecke, schlechtes Wassermanagement sowie die unzureichende Auffüllung des Grundwasserspiegels. Die wichtigsten Faktoren, die die Qualität von Oberflächengewässern verschlechtern, sind Industrieabwässer, Haushaltsabfälle und Abflüsse aus der Landwirtschaft. Starke Regenfälle wiederum können die Qualität von Grundwasser und Gewässern beeinträchtigen, wenn sie durch Überschwemmungen zur Verunreinigung mit Krankheitserregern führen. Als Folge treten in der Region regelmäßig Durchfall- und andere über Wasser übertragene Krankheiten auf und verursachen Todesfälle. Fast 70 Prozent der in Bangladesch auftretenden Krankheiten werden über Wasser übertragen. Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist deshalb besonders für anfällige Bevölkerungsgruppen wie Kinder sehr wichtig.

Sandfilter sind oft keine Lösung

In den ländlichen Gebieten kochen die Menschen das Wasser häufig ab. Das reduziert zwar die Bakterien und tötet sie manchmal auch ganz ab, nicht aber Schadstoffe wie Arsen, Salz und Eisen. Die meistgenutzten technischen Systeme zur Reinigung von Trinkwasser in diesen Gebieten sind Sandfilter zur Reinigung von Wasser aus Teichen. Dabei wird das Teichwasser mit einer Handpumpe durch Filtermedien wie Sand und Ziegelbruch geleitet und dann aus Wasserhähnen entnommen. Das ist allerdings keine Lösung für Teiche mit hohem Salzgehalt, Kalium und Chlorid.

Von diesen Bestandteilen gereinigt werden kann Wasser mit Hilfe von Sonnenkraft durch Verdampfung und Kondensation, sagt Saifur Rahman, Ingenieur im Department of Public Health and Engineering (DPHE), das dem Ministerium für Kommunalverwaltung und ländliche Entwicklung untersteht und für den Bau von Wasserversorgungsinfrastruktur wie Tiefbrunnen, Wasseraufbereitungsanlagen und Wasserleitungen in ländlichen und städtischen Gebieten zuständig ist. 

Pilotprojekt zur solaren Wasserentsalzung

Wenn der Bau der Wasseraufbereitungsanlagen abschlossen ist, übergibt das DPHE sie den lokalen Behörden, die dann für Betrieb und Wartung zuständig sind. „Seit 2019 betreibt das DPHE ein Pilotprojekt zur solaren Wasserentsalzung und -aufbereitung in Zusammenarbeit mit dem australischen Unternehmen F-Cubed Water Limited als Projektträger. In mehr als 16 Bezirken wurden an insgesamt 1140 Standorten Anlagen installiert“, sagt Rahman.

Autorin

Raffat Binte Rashid

ist Redakteurin bei „The Daily Star“, der größten englischsprachigen Tageszeitung in Bangladesch, und Chefredakteurin einer Wochenbeilage der Zeitung.

In diesen Anlagen kann laut Hersteller jede Art von Wasser entsalzt und gereinigt werden: brackiges oder salzhaltiges Grundwasser sowie Meerwasser und sogar verschmutztes industrielles Abwasser. Das zu reinigende Wasser läuft dabei von oben – entweder wurde es nach oben gepumpt oder es fließt aus Tanks oberhalb der Paneele – in den schräg aufgestellten Kollektoren hinab und wird zugleich über Solarpaneele auf bis zu 105 Grad Celsius erhitzt, wodurch Bakterien und Krankheitserreger abgetötet werden. Das Wasser verdunstet und kondensiert dann an der Innenseite des Kunststoffgehäuses. Da das Salz oder andere Schadstoffe im Wasser nicht mitverdunsten, bleibt bei diesem Prozess nur gereinigtes Kondenswasser übrig, das über ein kleines Rohr als Trinkwasser aufgefangen wird. 

Zu einer solchen Wasseraufbereitungsanlage gehören maßgeschneiderte Dachrinnen und Filter, über die auch Regenwasser aufgefangen wird. Die Anlagen können auf Häuserdächern oder auf dem Boden installiert werden; sie brauchen etwa zehn bis zwölf Quadratmeter Platz. Die Tanks, in denen das Kondenswasser aufgefangen wird, können unter den Paneelen platziert werden. Je nach Sonneneinstrahlung und Regenmengen produziert eine solche Anlage bis zu 75 Liter destilliertes Wasser täglich. 

Die Regierung prüft eine Ausweitung des Entsalzungsprojekts

„Das Pilotprojekt wurde 2022 abgeschlossen. 80 Prozent der Anlagen wurden in Schulen installiert, die restlichen 20 Prozent an Gemeinden und Regierungsbehörden übergeben“, erklärt Mohamed Prottoy Khan von F Cubed Limited in Bangladesch und fügt hinzu, dass dadurch Wasser für alle zur Verfügung steht, nicht nur für die Kinder.

An vielen Schulen in Bangladesch sind solche Wasseraufbereitungs­anlagen installiert. 

Laut Khan liegen Vorschläge vor, das Entsalzungsprojekt noch diesen Sommer auszuweiten. Die Regierung prüfe das derzeit. Geplant ist demnach die Installation von über 6000 Anlagen. Die Paneele sollen von F Cubed Limited künftig in Bangladesch hergestellt werden, um Kosten zu reduzieren. Bislang werden sie in Australien produziert und von dort verschifft. Derzeit werden die Wasseraufbereitungsanlagen nach ihrer Fertigstellung von Technikern des zuständigen Department of Public Health and Engineering vor Ort betreut und gewartet. Zum geplanten erweiterten Projekt soll ein dreijähriger Wartungsvertrag gehören, der mit zusätzlichen Kosten verbunden wäre, die vom Staat gedeckt würden.Die Regierung prüft eine

In Bangladeschs Küstenbezirken Chittagong, Khulna und Barisal gibt es mindestens 50.000 Schulen, die keinen oder nur sehr beschränkten Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Das betrifft allein in diesen Bezirken mindestens zehn Millionen Schülerinnen und Schüler. Wenn man die Kinder mit frischem Wasser versorgt, profitieren auch die Familien. „An den Schulen ist bereits die grundlegende Infrastruktur und das nötige Land für die Wasserfarmen vorhanden“, sagt Khan. Die Schüler und Schülerinnen erhielten zudem einen Einblick in die effektive Nutzung von Solarenergie und die Sammlung von Regenwasser. „Das geplante Projekt würde rund 40 Prozent der Schulen in diesen Gebieten mit sauberem Trinkwasser versorgen.“ Wenn eine Schule eine entsprechend große Solarwasseraufbereitungsanlage bekommt und am Ende des Tages überschüssiges Wasser vorhanden ist, dann, so der Plan, können die Schülerinnen und Schüler es sogar mit nach Hause zu ihren Familien nehmen.

Aus dem Englischen von Carola Torti. 

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erschienen in Ausgabe 4 / 2023: Wasser: Knapp und kostbar
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