Der Waldschutz stößt an Grenzen

Indonesien ist reich an Tropenwald – das macht das Land zum bevorzugten Standort für Projekte aus dem UN-Klimaschutzmechanismus REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation). Bislang laufen nur einzelne Pilotvorhaben, aber schon entstehen Konflikte.

Das Masurai-Tal im Bezirk Merangin, etwa acht Autostunden westlich von Jambi, der Hauptstadt der indonesischen Insel Sumatra, ist ein fruchtbarer Fleck Erde. Früher war hier alles Wald, doch die Regierung vergab an zwei Firmen, die PT Serestra und die PT Injapsin, Konzessionen zur Abholzung. 1994 wurde diese ohne ersichtlichen Grund gestoppt, die Firmen verließen das Land, obwohl ihre Konzessionen noch gültig waren. Doch die Holzfäller hatten mehr mitgebracht als schwere Maschinen. Menschen sind ihnen gefolgt und haben sich auf dem gerodeten Land niedergelassen. Es ist bergig, der Boden ist fruchtbar, das Klima eignet sich hervorragend für den Kaffeeanbau. Die Bauern kommen aus umliegen-den Regionen, aber auch von außerhalb, und bringen sich das Kaffeegeschäft selbst bei – wie Rustam Effendi.

Immer mehr Menschen siedeln auf dem gerodeten Land

Sabur war einer der ersten. Schon Ende der 1980er Jahre mag das gewesen sein. Damals fand er leeres Land vor. „Ich habe etwa drei Hektar davon in meine Plantage umgewandelt. Es war nichts da, ganz allein habe ich das gemacht“, sagt Sabur. „In den vergangenen 20 Jahren sind nach und nach mehr Menschen gekommen und haben auf dem gerodeten Land ihre Plantagen gegründet.“ 2004 hat dann die Regierung 14.000 Hektar des ehemaligen Konzessionsgebietes zum Nationalpark erklärt – hauptsächlich noch intakte Waldflächen weiter oben auf den Bergen. Der Wald soll bewahrt werden und bietet vielen Tierarten Lebensraum, unter anderem dem vom Aussterben bedrohten Sumatra-Tiger.

Der Park heißt „Taman Nasional Kernici Teblat“ und ist Teil eines der größten integrierten Naturschutz- und Entwicklungsprojekte der Weltbank. Die Kaffeebauern erfuhren von seiner Existenz durch einige Regierungsvertreter, die 2004 in die Region kamen. Wo die Grenzen verlaufen, wissen sie nicht. Sie wissen daher auch nicht, dass 2000 Hektar Farmland offiziell zu geschütztem Nationalpark-Land umgewandelt wurden.

Auch die deutsche Regierung ist an dem Projekt beteiligt. „Der Kerinci-Seblat-Nationalpark ist einer von drei Nationalparks, in denen ausgewählte Maßnahmen mit einer 2007 zwischen der deutschen und indonesischen Regierung vereinbarten Schuldenumwandlung finanziert werden sollen“, sagt Charis Pöthig von der KfW Bankengruppe, die auch Klimaprojekte im Namen der Bundesregierung finanziert. Einzelne Vorhaben im Park soll das indonesische Forstministerium zunächst im Alleingang planen und verwirklichen. 2014 entscheidet sich, ob die Maßnahmen mit einem Schuldenerlass der Bundesregierung refinanziert werden.

2010 unterzeichneten die australische und die indonesische Regierung ein Abkommen zur Klimafi nanzierung (Forest Carbon Partnership) über 30 Millionen Australische Dollar, der Nationalpark in Merangin soll ausgeweitet werden. Jetzt sind die Kaff eebauern im Weg. „Im September 2010 bekamen wir einen Brief, in dem wir aufgefordert wurden, unser Land zu verlassen– in nur 20 Tagen“, erinnert sich Rustam. Im Brief wurde den Bauern mit hohen Geld- oder Gefängnisstrafen gedroht, sollten sie der Forderung nicht nachkommen. Sie wandten sich hilfesuchend an die lokale nichtstaatliche Organisation CAPPA. Das Ergebnis: Die Bauern bleiben.

erschienen in Ausgabe 6 / 2012: Holz: Sägen am eigenen Ast

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