Don Bosco setzt weiter auf Darlehen

Nach Kritik an seinem Finanzgebaren hat das österreichische Don-Bosco-Werk „Jugend Eine Welt“ seine Verträge mit Unterstützern, die dem Werk Darlehen geben, den Gesetzen angepasst. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hatte ein verbotenes Geschäft mit Einlagen gewittert.

Rund 50 Darlehensgeber mussten unterschreiben, dass sie im Fall eines Konkurses nachrangig behandelt werden, also mit hoher Wahrscheinlichkeit leer ausgehen. Nur so konnten die gesetzlich vorgeschriebenen Auflagen der FMA erfüllt werden, die seit 2002 über Banken, Versicherer, Pensionskassen, Wertpapierfirmen, Investmentfonds und Börsenunternehmen wacht.

„Jugend Eine Welt“ wirbt seit 2008 um zinslose Darlehen „für unbestimmte Zeit“, mit denen Finanzlücken überbrückt werden können. „Beim Erdbeben in Haiti vor drei Jahren konnten wir mit diesen Mitteln Soforthilfe leisten“, sagt Finanzreferentin Marion Fercher. Mit Spenden war schließlich schnell zu rechnen – sie waren aber noch nicht eingegangen.

Autor

Ralf Leonhard

ist freier Journalist in Wien und ständiger Korrespondent von "welt-sichten".

Etwa die Hälfte der Darlehensgeber sieht das Geld als bedingte Spende, die nur bei dringendem Eigenbedarf zurückverlangt wird. Da die Darlehen aber vertragsgemäß jederzeit zurückgefordert werden können und dann binnen Monatsfrist ausgezahlt werden, wird ein Teil liquid gehalten und ein Teil nach ethischen Kriterien angelegt. Bis Jahresende 2012 waren 567.000 Euro an Darlehen insgesamt zusammengekommen. Diese Praxis geriet im vergangenen Jahr ins Visier der FMA, möglicherweise nach einer Anzeige: Die Finanzwächter witterten ein verbotenes Einlagengeschäft. Denn die Gewährung von Krediten ist Instituten mit Banklizenz vorbehalten. Einzelpersonen dürfen keinen Kredit geben. „Jugend Eine Welt“ will jedoch auf diese Art der Unterstützung nicht gerne verzichten, denn sie bedeutet mehr Flexibilität. Deshalb wurde ein neuer Vertragsentwurf erarbeitet, der gesetzeskonform ist, aber die Geldgeber schlechter stellt. Die Mehrheit der Darlehensgeber habe den neuen Vertrag unterschrieben, berichtet Fercher. Allerdings hätten sich einige der größeren Geber zurückgezogen.

Mit der Umstellung auf regelkonforme Verträge will man sich aber nicht zufrieden geben. Geschäftsführer Reinhard Heiserer kämpft für eine Gesetzesänderung, die für gemeinnützige Organisationen eigene Rahmenbedingungen schafft. Damit wäre auch anderen Vereinen und Organisationen geholfen, die sich mit ähnlichen Praktiken finanzieren, aber aus Furcht vor der FMA nicht aus der Deckung kommen. Auf Initiative der Grünen fand am 25. Februar im Parlament eine Enquete zum Thema „Alternative Finanzierungsmodelle“ statt. Neben den Grünen haben auch namhafte Vertreter der Regierungsparteien SPÖ und ÖVP die Bereitschaft signalisiert, den nichtstaatlichen Organisationen entgegenzukommen.

erschienen in Ausgabe 3 / 2013: Neue Geber: Konkurrenz stört das Geschäft

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