Keine Gerechtigkeit in Sicht

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Kriminalitätsbekämpfung und Menschenrechte
epd-bild/Caterina Munoz
Natalia Chiligano mit Fotos ihres Sohnes im Krankenhaus. Der 17-Jährige wurde bei einem Protestmarsch in Peru von der Polizei angeschossen und laboriert noch heute an der Schusswunde.
Polizeigewalt in Peru
Vor knapp vier Jahren töteten Sicherheitskräfte in Peru bei der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten Dutzende Menschen. Die neue Präsidentin Fujimori erschwert die juristische Aufarbeitung.

Auf dem Foto seines Sohnes, das Justo Enciso mit Tränen in den Augen zeigt, ist das Gesicht des jungen Mannes blutverschmiert. Die Kapuze des weißen Hoodies hat große dunkelrote Flecken. Jhon Eric wurde nur 18 Jahre alt. „Und plötzlich war er tot“, sagt der Vater. Der Tod kam im Dezember 2022: Der Junge wurde Opfer tödlicher Polizeigewalt bei der Niederschlagung von Protesten im Süden Perus.

Neben Enciso sitzen Eltern eines getöteten 17-Jährigen, eines angeschossenen Jungen sowie der Arbeiter Teofilo Ramírez, der wegen einer Kugel fast ein Bein verloren hat. Sie warten noch immer darauf, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Doch die Aussichten sind schlecht.

Unbeteiligte getötet

Im Dezember vor vier Jahren gingen Tausende Menschen in Peru auf die Straße, um gegen die Absetzung von Präsident Petro Castillo zu protestieren. Dieser hatte versucht, das Parlament aufzulösen. Als Reaktion ernannte dieses seine Stellvertreterin Dina Boluarte am 7. Dezember zur neuen Präsidentin. Auf Proteste dagegen reagierte sie mit Gewalt.

Innerhalb eines Monats wurden mehr als 50 Menschen von der Polizei getötet, darunter viele Unbeteiligte: Enciso und die anderen Eltern betonen, dass ihre Kinder nur aus der Ferne den Protesten in der Kleinstadt Andahuaylas zugeschaut hätten. Auch Ramírez sagt, er sei lediglich auf dem Heimweg gewesen, als ihn die Kugel traf.

Hoffen auf Gerichtsverfahren

Seit vier Jahren hoffen sie zumindest auf ein Gerichtsverfahren gegen die Verantwortlichen. Doch dieses scheint in immer weitere Ferne zu rücken. Seit Ende Juli ist Keiko Fujimori im Präsidentenamt, die Tochter des von 1990 bis 2000 autoritär regierenden Alberto Fujimori. Bereits vor ihrer Wahl brachte sie Gesetze voran, die Straflosigkeit fördern und die Zivilgesellschaft schwächen.

Peru ist ein tief gespaltenes Land. Fujimori gewann die Wahl lediglich mit 50.000 Stimmen gegenüber dem Linkspopulisten Roberto Sánchez. Vor allem im Süden des Landes erhielt Fujimori teils weniger als 20 Prozent der Stimmen, so auch in Andahuaylas, wo die Erinnerung an die Gewalt unter ihrem Vater immer noch präsent ist. Damals bekämpfte Alberto Fujimori die maoistische Guerilla Leuchtender Pfad: Ganze Dorfgemeinschaften fielen der Offensive als mutmaßliche Kollaborateure zum Opfer. Die staatliche Gewalt und Tötungen seitens der Guerilla kosteten laut offiziellen Schätzungen mehr als 33.000 Menschen das Leben.

Knebel für juristische Vorstöße

Keiko Fujimori betonte bei ihrem Amtsantritt, dass sie es zu ihrer Aufgabe machen wolle, das Land wieder zu vereinen. „Ich arbeite für Ordnung und nationale Versöhnung, zwei Ziele, die gut vereinbar sind“, sagte sie.

Tania Pariona kann dieser Aussage wenig abgewinnen: „Versöhnung geht nur mit Gerechtigkeit“, sagt die Generalsekretärin der nationalen Vereinigung von Menschenrechtsorganisationen in der Hauptstadt Lima. Besonders beunruhigt Pariona ein Gesetz vom April 2025, dass von Parlamentariern der Fujimori-Partei Fuerza Popular eingebracht wurde. Es verbietet NGOs mit ausländischen Geldgebern, gerichtlich gegen den Staat vorzugehen, und knebelt damit juristische Vorstöße. Im Juni 2026 folgte eine Gesetzesänderung, wonach Fälle von möglicher Polizei- und Militärgewalt gegenüber der Zivilbevölkerung der Militärjustiz unterstellt werden müssen.

„Wir fühlen uns vom Staat verlassen“

Für die Opfer in Andahuaylas ist dies fatal. „Wir fühlen uns vom Staat verlassen“, sagt Natalia Chiligano, die Mutter eines 17-Jährigen, der von einer Kugel getroffen wurde und sich noch immer nicht erholt hat. „In Lima werden wir als Terroristen bezeichnet“, ergänzt Ramírez. Gemeinsam mit anderen Angehörigen demonstrieren sie regelmäßig in der Hauptstadt, um die Staatsanwaltschaft zum schnelleren Handeln zu bewegen.

Doch die Zeit drängt. „Wir wissen, dass das Militärgericht von Cusco die Unterlagen einbestellt hat“, sagt der Menschenrechtsanwalt Saul Peceros. „Und wenn ein Militärangehöriger das Verhalten von Polizisten beurteilen muss, können wir wenig Gerechtigkeit erwarten.“

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