Vor 35 Jahren hat sich Somaliland vom übrigen Somalia abgespalten und für unabhängig erklärt. Vorausgegangen war ein jahrelanger Bürgerkrieg der Regierung in Mogadischu gegen die somaliländische Bevölkerung im Nordwesten des Landes. Während das südliche Somalia in Anarchie und Gewalt versank und bis heute nicht zur Ruhe gekommen ist, konnte sich Somaliland stabilisieren. Es gab mehrere geordnete Regierungswechsel, anders als im übrigen Somalia konnte der islamistische Terrorismus nie Fuß fassen, und in weiten Teilen Somalilands florierte bald die Wirtschaft und setzten sich Ruhe und Frieden durch.
„Das bessere Somalia“ lautete denn auch der Titel eines „welt-sichten“-Artikels über Somaliland vor fünf Jahren. Für seine Erfolge hätte es die autonome Region mit rund sechs Millionen Einwohnern und der Fläche Griechenlands durchaus verdient, als Staat anerkannt zu werden. Aber das hat die Regierung in der Hauptstadt Hargeisa trotz jahrelanger Bemühungen auf der diplomatischen Bühne nie erreicht. Besser so, sagen manche Fachleute: Somaliland sei unter anderem gerade deshalb relativ stabil und ruhig, weil es als völkerrechtliches Niemandsland gewissermaßen im Schatten der Weltpolitik unbeachtet seinen Weg gehen könne.
Wenn das so ist, dann ist die somaliländische Regierung gerade dabei, einen großen Fehler zu machen. Neuerdings bietet sie sich den USA als verlässlichen Verbündeten und Somaliland als Militärstützpunkt an und hofft im Gegenzug auf Anerkennung durch die Trump-Regierung. Präsident Abdirahman Mohamed Abdullahi war im September in Washington, um die Chancen für einen solchen Deal auszuloten.
Israel hat Somaliland bereits anerkannt
Somaliland hat eine siebenhundert Kilometer lange Küste am Golf von Aden, gegenüber liegt der Teil des Jemen, in dem die mit dem Iran verbündete Huthis das Sagen haben. Im Krieg gegen den Iran und die Huthis bietet Somaliland also eine attraktive strategische Basis. Israel hat das bereits erkannt und Somaliland Anfang dieses Jahres als Staat anerkannt – als erstes Land überhaupt.
Dieser Erfolg hat die Regierung in Hargeisa offenbar beflügelt, das jetzt mit den USA zu wiederholen. Das ist eine riskante Strategie, denn damit zieht sie das ohnehin notorisch unruhige Horn von Afrika noch stärker in die Kriege im Nahen Osten hinein. Schon jetzt mischen etliche Staaten von der Türkei bis zu Saudi-Arabien mehr oder weniger verdeckt in den Kriegen in Somalia, Äthiopien und dem Sudan mit. Und schon jetzt leiden die Staaten am Horn unter der wachsenden Zahl an Kriegsflüchtlingen aus dem Jemen. Es wäre eine gefährliche Eskalation, sollten die USA oder Israel eines Tages von Somaliland aus die Huthis oder den Iran angreifen.
Hinzu kommt: In Somaliland selbst ist die Frage der staatlichen Unabhängigkeit bis heute umstritten – und immer wieder umkämpft. Im Westen der Region ist eine Mehrheit dafür, im Osten hingegen, wo es grenzüberschreitende Clanloyalitäten nach Somalia hinein gibt, ist die Bevölkerung eher dagegen. Die Regierung in Hargeisa hat Proteste dort wiederholt mit Gewalt unterdrückt.
Somaliland hat sich von einer Anerkennung als Staat stets versprochen, seine Position in der Region und auf der Weltbühne stärken. Der Weg, den die Regierung jetzt eingeschlagen hat, um diesem Ziel möglichst schnell näherzukommen, dürfte das Gegenteil bewirken und könnte das Land sogar zu einem weiteren Schauplatz der Kriege in der Region machen.

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