Somaliland
 Auf dem Viehmarkt in Hargeysa im August 2018. Die Wirtschaft in Somaliland profitiert von den stabilen politischen Verhältnissen.

Eduardo Soteras/AFP via Getty Images

Somaliland

Das bessere Somalia

Während der Süden Somalias als Inbegriff des gescheiterten Staates gilt, ist der Nordwesten weitgehend stabil. Dennoch hat kein anderer Staat die Republik Somaliland anerkannt – und auch im Land selbst gehen die Meinungen dazu auseinander.

Vor dreißig Jahren, am 18. Mai 1991, erklärte sich die Republik von Somaliland für unabhängig. Diese völkerrechtlich nicht abgeklärte, politisch von keinem anderen Staat unterstützte Abtrennung von Somalia musste damals als Irrsinn einer kleinen Gruppe von lokalen Akteuren erscheinen. Über ein gutes Jahrzehnt war nicht absehbar, was sich aus der Sezession des Nordwestens von Somalia ergeben würde. Doch heute steht fest: Somaliland ist einer der stabilsten De facto Staat der Welt: Es besitzt ein abgegrenztes Territorium, eine permanente Bevölkerung und eine legitime Regierung. Aber Somaliland ist bis heute nicht international anerkannt. 

Die Abspaltung vom zerfallenden Somalia im Jahr 1991 folgte einem Jahrzehnt staatlicher Repression und Bürgerkrieg in der Region. Die Wurzeln der Sezession reichen jedoch bis weit in die Kolonialzeit zurück. Zwischen den 1880er Jahren und 1960 war der Nordwesten Somalias, das heutige Somaliland, ein britisches Protektorat. Das Gebiet von Nordosten bis in den Süden stand unter italienischer Verwaltung. Die Briten installierten eine indirekte Herrschaft, die das örtliche Gewohnheitsrecht einbezog, das in den Händen traditioneller Würdenträger lag. Die Italiener, insbesondere in der Zeit des Faschismus, führten hingegen eine direkte Kolonialverwaltung ein. Diese untergrub somalische Traditionen und schwächte lokale Älteste.

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erschienen in Ausgabe 6 / 2021: Selbst bestimmen!

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