Liebe Leserin, lieber Leser,
in Ost-Jerusalem auf dem Ölberg steht das Augusta Victoria Hospital. Die vom Lutherischen Weltbund getragene Klinik ist das einzige Krankenhaus in der Region, das eine Strahlentherapie für Krebspatienten aus den palästinensischen Gebieten anbietet. Bis zum Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 kamen auch viele an Krebs erkrankte Männer, Frauen und Kinder aus Gaza zur Behandlung hierher. Sie wurden zusammen mit einer Begleitperson für einige Wochen in Hotels in der Nähe des Krankenhauses einquartiert und für jeden Bestrahlungstermin mit Krankenhausbussen hin- und hergefahren.
Doch seit gut zwei Jahren erlauben die israelischen Behörden das nicht mehr, berichtet Katja Dorothea Buck, die in Jerusalem war und mit der Leiterin des Hospitals, Sieglinde Weinbrenner, gesprochen hat. Die hat ihr erzählt, man stehe in Kontakt mit dem einzigen Onkologen in Gaza, der so gut es gehe für die erwachsenen Patienten und die krebskranken Kinder sorge. Weinbrenner hofft darauf, dass sich die Bundesregierung und andere Staaten gegenüber Israel dafür stark machen, den humanitären Korridor zwischen Gaza und Ost-Jerusalem wieder zu öffnen und Krankentransporte zu erlauben.
Katja Dorothea Bucks Artikel wirft ein Schlaglicht auf eine der vielen alltäglichen tragischen Folgen des Gaza-Krieges, von denen man nichts hört im nachrichtlichen Getöse zu Donald Trumps grandiosen Friedensplänen.
Bleiben Sie gesund.
Österreich sucht Pflegekräfte: Um den Personalmangel in Krankenhäusern und Pflegeheimen abzufedern, rekrutiert Wien zunehmend im Ausland, vor allem im globalen Süden. Das zeigt erste Erfolge, sorgt bei Bewerbern aber auch für manche Frustration, berichtet Milena Österreicher.
Ein guter Plan für die Entwicklungspolitik: Reem Alabali Radovans Reformkonzept ist wohltuend unaufgeregt, setzt vernünftige Prioritäten für Zeiten knapper Kassen und entgeht der Versuchung, die Entwicklungspolitik zu überfrachten. Mein Kommentar.
In Somaliland steigt das Risiko eines Bürgerkriegs: Vor 25 Jahren hat sich Somaliland von Somalia abgespalten, jetzt hat Israel es als erstes Land als Staat anerkannt. Die Gefahr besteht, dass das für Instabilität sorgt, warnt Markus Virgil Höhne.
Nachhaltigkeit in der Schule: Ein neuer Orientierungsrahmen will globale Perspektiven auf eine bessere Zukunft in der gymnasialen Oberstufe verankern. Schule soll sich insgesamt stärker an der Idee nachhaltiger Entwicklung orientieren, berichtet Claudia Mende.
In Armenien wächst der Druck auf die Kirche: Mehrere hochrangige Kirchenfunktionäre wurden festgenommen und das Kirchenoberhaupt Katholikos Karekin II. Anfang Januar zum Rücktritt aufgefordert. Die armenische Regierung will die Landeskirche unter ihre Kontrolle bringen, berichtet Katja Dorothea Buck.
Ungewissheit in Venezuela: Die USA haben Präsident Nicolás Maduro entführt, seitdem gibt es kaum noch Berichte aus dem Land. Der venezolanische Politologe José Javier Lombardi Boscán skizziert fünf Szenarien, wie es weitergehen könnte. Und Mitarbeitende von zwei venezolanischen NGOs berichten von der Stimmung im Land.
Licht und Schatten in der Friedensdenkschrift: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat ihre Friedensethik einer veränderten Weltlage angepasst. Wo er zustimmt und wo er Bedenken gegen die neue Denkschrift hat, erklärt der Friedensbeauftragte des Rates der EKD, Bischof Friedrich Kramer.
Seit gut drei Jahren herrscht in der äthiopischen Provinz Tigray offiziell Frieden. Von 2020 bis Ende 2022 hat dort die äthiopische Regierung gegen die Kämpfer der Provinzregierung TPLF Krieg geführt, weil diese Anstalten machte, sich aus dem Vielvölkerstaat zu lösen. Jetzt nehmen die Spannungen wieder zu - und ein Grund dafür ist, dass sich die Rebellen von Tigray entzweit haben: Seit einigen Monaten mobilisiert eine Fraktion gegen die TPLF, die sich zunehmend Eritrea angenähert hat. Die Abtrünnigen, die sich Tigray-Friedenskraft nennen, werden hingegen von der äthiopischen Regierung in Addis Abeba unterstützt. Wer steckt hinter der neuen Truppe und was wollen sie? Das hat Augustine Passily schon im vergangenen Sommer in "welt-sichten" erklärt.
Die Abgründe der schnellen Mode: Schnell geklickt und schnell geliefert - Fast Fashion verspricht günstige Klamotten im Sekundentakt. Der wahre Preis dafür, den die Textilarbeiterinnen im globalen Süden und die Umwelt zahlen, ist allerdings hoch. Greenpeace Deutschland hat eine Petition an die Bundesregierung gestartet mit dem Ziel, Fast Fashion einzudämmen und die textile Kreislaufwirtschaft zu fördern. Weitere Infos hier.
Wir kooperieren mit anderen Organisationen, die sich mit Ländern und Themen des globalen Südens beschäftigen – etwa der Infostelle Peru, der Stiftung Asienhaus und dem Koordinierungskreis Mosambik. Auf unserer Startseite finden Sie unten den Kasten „Aus unserem Partnernetzwerk“, in dem wir auf neue Beiträge unserer Partner hinweisen – etwa zur neuen Ausgabe des Mosambik-Rundbriefs zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit des Landes und zur US-Intervention in Venezuela aus Peru betrachtet. Schauen Sie doch mal rein!