Networked. A contemporary history of news in transition

Adrienne Russell
Networked. A contemporary history of news in transition
Polity Press, Cambridge 2011,
168 Seiten, 19,90 Euro

Das Internet verändert den Journalismus grundlegend, erklärt die amerikanische Medienwissenschaftlerin Adrienne Russell. Ihr Buch zeichnet die Entwicklung seit den 1990er Jahren nach – etwa dass Nachrichten für Nutzer individuell zusammengestellt und bei Recherchen Bürger online einbezogen werden. Für entscheidend hält Russell aber die Verbreitung von Blogs und Plattformen wie Facebook und Twitter. Sie machten es Laien leicht, Berichte ins Netz zu stellen, zu bündeln oder Freunden zu empfehlen, also an der Produktion, Auswahl und Verbreitung von Nachrichten mitzuwirken. Die Sorgen, dies führe zum Verlust an journalistischer Qualität und zu Informationsblasen, in denen Menschen sich vorwiegend mit Gleichgesinnten austauschen, hält Russell für begründet. Doch sie weist auf schwere Mängel des traditionellen Journalismus hin und betont, seine Transformation infolge des Internet sei nicht aufzuhalten. Journalisten müssten sich auf die Praxis in Netzwerken – ihren Umgang mit Information und ihre neuen Wege, sie zu überprüfen – einlassen und neue Rollen für sich finden. So könnten sie das Funktionieren von Teilöffentlichkeiten im Netz verbessern und das Überangebot an Information filtern helfen. Der Text ist stark von Erfahrungen in den USA geprägt und in der Kritik des traditionellen Journalismus recht scharf. Russell verschweigt zum Beispiel, dass dazu auch gehört, Standpunkte benachteiligter Gruppen aufzugreifen – das ist keine Erfindung der Netizens. Dennoch ist das Buch wichtig, anregend – und gut zu lesen.

(bl)

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