Erneut ethnische Spannungen in Manipur

picture alliance / Sipa USA/Hindustan Times
Mitglieder einer Studierendenorganisation der vorwiegend christlichen Kuki demonstrieren im Februar 2026 in Neu Delhi gegen die neue Regierung in Manipur, die der vorwiegend hinduistischen Meitei-Mehrheit unberechtigte Privilegien zugestehe.
Indien
Im indischen Bundesstaat Manipur halten die Spannungen zwischen ethnischen Gruppen unterschiedlicher Religionen an. Der neue Regierungschef versucht die Lage zu beruhigen, doch die Minderheitsgruppe vertraut ihm offenbar noch nicht.

Auslöser der Gewalt zwischen überwiegend hinduistischen Meitei und vorwiegend christlichen und in Bergregionen lebenden Kuki war im Mai 2023 die Ankündigung der Regionalregierung unter dem damaligen Regierungschef Biren Singh, bei der indischen Zentralregierung für die Meitei-Mehrheit in Manipur den Status einer indigenen Bevölkerungsgruppe zu beantragen, eines sogenannten „scheduled tribe“. Damit hätten die Meitei Zugang zu Privilegien und Sonderrechten gehabt, welche die indische Verfassung benachteiligten indigenen Minderheiten wie den Kuki zugesteht. Die Meitei hätten so auch Land der Kuki und anderer ethnischer Minderheiten in Manipur kaufen können. 

Manipur gehört mit einer Gesamtbevölkerung von 3,2 Millionen Einwohnern und einer Fläche ungefähr so groß wie Hessen zu den kleinen Bundesstaaten im Nordosten Indiens. Dort leben mehr als 30 verschiedene ethnische Gruppen. Die Meitei, zu denen auch Biren Singh gehört, bilden mit 53 Prozent der Bevölkerung die Mehrheit und dominieren Politik und Verwaltung. 

60.000 Menschen mussten fliehen

Demonstrationen der Kuki führten damals zu gewaltsamen Zusammenstößen mit Meitei. Seither wurden insgesamt 258 Personen getötet und mehr als 1100 verletzt. Mehr als 60.000 Menschen mussten damals fliehen, und über 500 Kirchen und Tempel wurden zum Teil vollständig zerstört. Erst im September 2025 konnte die Regierung mit den ethnischen Gruppen ein Friedensabkommen abschließen, das allerdings als brüchig gilt. Die Meitei sind nach wie vor nicht als „scheduled tribe“ anerkannt. 

Angeheizt wurde der Konflikt zusätzlich, als im September 2024 eine knapp einstündige Audioaufnahme von Biren Singh öffentlich wurde. Darin soll er abfällige Kommentare über Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen in Manipur gemacht und gesagt haben, er überlege, was der Staat gegen das enorme Bevölkerungswachstum in bestimmten Minderheiten tun könne. Dies kann als Aufruf zur Gewalt gegen die Minderheit der Kuki interpretiert werden. Singh ist Mitglied der hindu-nationalistischen Indischen Volkspartei BJP von Premierminister Narendra Modi und hatte bereits vor seiner Amtszeit Verdächtigungen gegen die Kuki in den Raum gestellt, etwa dass sie an Drogenschmuggel beteiligt seien und illegalen Migranten in ihren Dörfern Unterschlupf gewährten. 

Die Audioaufnahme sorgte im Herbst 2024 für aufgeregte Diskussionen. Birens Regierung wies alle Vorwürfe zurück und bezeichnete die Aufnahme als nicht echt. Eine staatliche Untersuchungskommission entlastete ihn und erklärte die Aufnahme für manipuliert. Der politische Druck auf Biren ließ allerdings nicht nach, so dass er im Februar 2025 als Regierungschef von Manipur zurücktrat. Jetzt hat eine den Kuki nahestehende Menschenrechtsorganisation beim Obersten Gerichtshof von Indien eine neuerliche Untersuchung durchgesetzt, weil bei der früheren nicht die gesamte Aufnahme vorgelegen hatte. Das Ergebnis steht noch aus. 

Kuki sehen ihre Interessen nicht vertreten

Die Gewalt in Manipur wird oft als religiöser Konflikt zwischen einer Hindu-Mehrheit und einer christlichen Minderheit dargestellt. Die unterschiedlichen Religionen mögen die Spannungen verstärken. Der Hauptgrund für die Auseinandersetzungen liegt aber darin, dass die Kuki ihre Interessen von einer von Meitei dominierten Regierung nicht vertreten sehen. Sie fordern deswegen seit längerem eine eigenständige Verwaltung in ihren Gebieten. 

Dies versucht Yumnam Khemchand Singh, der seit Anfang Februar Regierungschef in Manipur ist, zu verhindern. In seinem Kabinett sind drei Minister aus der Kuki-Gemeinschaft, darunter auch der stellvertretende Ministerpräsident. Durch eine solche Beteiligung der Kuki will er Spannungen abbauen. Noch scheint das aber nicht zu funktionieren: Direkt nach seinem Amtsantritt hatten Kuki zu erneuten Demonstrationen aufgerufen und eine separate Verwaltung für sich gefordert. 

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