26.01.2015

Unterm Sternenhimmel

Unterm Sternenhimmel (Des Etoiles), Frankreich/Senegal 2013, Regie: Dyana Gaye, 88 Minuten, am 29. Januar beim Africa-Alive-Festival in Frankfurt sowie in ausgewählten Kinos. Infos unter www.ezef.de

Die senegalesische Regisseurin Dayna Gaye erzählt in ihrem Film Geschichten vom weggehen, ankommen, bleiben und weiterziehen. Berührend und manchmal komisch – auf jeden Fall sehenswert.

Sie gehen auf Reisen – und sie verpassen sich. Die Senegalesin Sophie fliegt nach Turin, um dort ihren Mann Abdoulaye zu treffen. Doch der ist längst mit seinem Cousin in die USA weitergezogen. Dort will er Sophies Tante Mamy um eine Unterkunft bitten. Sie steigt allerdings gerade mit ihrem Sohn Thierno in Dakar aus dem Flugzeug. Die beiden möchten an der Beerdigung von Thiernos Vater teilnehmen, von dem Mamy schon lange getrennt war.

Die senegalesische Regisseurin Dyana Gaye erzählt in ihrem ersten langen Spielfilm Geschichten vom weggehen, ankommen und bleiben. In kurzen Sequenzen wechselt sie zwischen Turin, Dakar und New York – so entsteht ein buntes, atmosphärisch dichtes Mosaik von Eindrücken und Erlebnissen.

Sophie tut sich zunächst schwer in der Fremde und wagt sich nur langsam Richtung Unabhängigkeit – und doch ist sie es, die am Ende in eine zwar offene, aber vielversprechende Zukunft blickt. Die verschlossene junge Frau verwandelt sich völlig – Darstellerin Marième Demba Ly ist dafür zu Recht mit einem französischen Filmpreis ausgezeichnet worden.

Ehemann Abdouleye steht eher für die Schattenseiten der Migration. Nach ersten Enttäuschungen findet er zwar in New York eine freundliche Aufnahme. Doch eine offene Rechnung zwingt ihn, seinen Weg fortzusetzen – Richtung Süden. Nie war er weiter von seiner Frau entfernt.

Näher kommen sich dafür Thierno, die Großfamilie seiner Mutter und die neue Familie des Vaters in Dakar. Mit staunenden Augen entdeckt der 19-Jährige die senegalesische Hauptstadt und ihre Sehenswürdigkeiten, lässt sich von seinen Cousinen und ihren Freundinnen anschwärmen. Auch Mamy spielt die Rolle der reichen Tante aus den USA mit Vergnügen, gerät jedoch zugleich in Konflikt mit der traditionellen Lebensweise ihre Verwandten.

Dyana Gaye beleuchtet das Thema Migration von vielen Seiten. Berührende und komische, schwere und leichte Szenen folgen dicht aufeinander. Dieser – vor allem im ersten Teil oft schnelle – Wechsel verhindert zwar einen tieferen Einblick in das Schicksal und die Seele der einzelnen Protagonistinnen und Protagonisten. Doch die Zuschauer bekommen genug Stoff, um ihre eigene Phantasie spielen zu lassen.

Gesine Kauffmann

 

Neuen Kommentar schreiben