„Ich wollte immer schon mit Kindern arbeiten“

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Schule und Lernen im globalen Süden
Fünf Fragen
Jermina de Assunção Jersild ChirindzaIch aus Maputo wollte mal raus in die Welt, ihren Horizont erweitern. Dass es dann Deutschland geworden ist, war eher ein Zufall: eine Stellenausschreibung in den sozialen Medien. Jetzt macht es ihr Spaß, in der Freien Kinderschule in Frankfurt zu arbeiten, auch wenn sie sich an das frostige Wetter und an bisweilen frostige Menschen in Deutschland erst gewöhnen muss.

Jermina de Assunção Jersild Chirindza ist 26 und macht als Pädagogin aus Niassa (Mosambik) ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Freien Kinderschule in Frankfurt-Unterliederbach.

Wie sieht Ihr Alltag in der Freien Kinderschule aus?
Die Freie Kinderschule ist eine Vorschul­einrichtung mit Kindergarten, ich engagiere mich vor allem im Kindergarten. Dort spiele ich mit den Kindern, esse mit ihnen und unterstütze sie bei dem, was sie tun, zum Beispiel beim An- und Ausziehen. Gleichzeitig lerne ich in Abendkursen intensiv Deutsch. Mit den Kleinen kann ich mich schon ganz gut verständigen – zu den ersten Wörtern, die ich auf Deutsch gelernt habe, gehörten „Spiele“, „Mittagessen“ und „Bis morgen!“.

Waren Sie daheim in Maputo auch pädagogisch aktiv?
Ja, ich habe an der Universität Lehramt für Portugiesisch studiert und nach meinem Abschluss bereits einige Jahre freiberuflich als Nachhilfelehrerin gearbeitet. Ich wollte immer schon mit Kindern arbeiten. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich in unserer Familie von jeher auf jüngere Geschwister sowie Cousins und Cousinen aufgepasst habe. 

Wie sind Sie darauf gekommen, ein Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland zu machen?
Ich wollte mal raus in die Welt, neue Erfahrungen, eine Horizonterweiterung. Dass es dann Deutschland geworden ist, ist eher ein Zufall. Ein Freund war in den sozialen Medien auf die Stellenausschreibung gestoßen und schickte sie mir per WhatsApp zu, weil er wusste, dass ich gern mal ins Ausland wollte. Meine Großeltern waren eher ängstlich, aber insgesamt fanden meine Familie und vor allem meine Eltern die Idee gut und haben mich unterstützt. Jetzt bin ich sehr froh, dass es geklappt hat.

Wie groß ist für Sie die Umstellung?
Zunächst einmal bin ich noch immer dabei, mich an die Temperaturen hier zu gewöhnen, für mich ist es wirklich eisig hier! Aber die Kultur und die Leute hier sind auch anders.

Können Sie ein Beispiel nennen?
In meinem Land kümmern sich die Menschen auch dann um andere, wenn sie sich nicht persönlich kennen, das erlebe ich hier nicht immer so. Letzte Woche etwa wurde mir am U-Bahnhof schlecht, und ich musste mich übergeben. Die Leute guckten mich befremdet an, aber niemand bot mir seine Hilfe an. Ich glaube, das wäre mir in Maputo nicht passiert. Die Menschen, mit denen ich an meinem Arbeitsplatz zu tun habe, sind aber alle sehr nett. 

Das Gespräch führte Barbara Erbe.

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erschienen in Ausgabe 1 / 2026: Ab in die Schule
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