„Eigentlich studiere ich gern, aber manchmal ist es ermüdend“
Im Senegal kommt es immer wieder zu richtigen Straßenschlachten zwischen Studierenden und den Sicherheitskräften. Es geht dabei immer um die schlechten Studienbedingungen. Vor kurzem hat es an meiner Universität in St. Louis solche Zusammenstöße gegeben und auch in Dakar wurde demonstriert. Die Studenten haben mit Steinen geworfen, die Polizei hat mit Tränengas zurückgeschossen. Dabei wird immer viel Schaden angerichtet.
Ich habe auch schon mitdemonstriert, zurzeit aber mache ich ein Praktikum in einem Hotel. Mein Ziel ist es, im Tourismus zu arbeiten und mein Heimatdorf touristisch zu entwickeln. Eigentlich studiere ich gern, aber manchmal ist es ermüdend. Die Probleme sind seit Jahren die gleichen: Es gibt nicht genügend Räume, der Unterricht fällt oft aus, das Internet ist wackelig und der Staat zahlt unsere finanzielle Unterstützung oft nur mit Verspätung aus – und nur, wenn wir gewaltsam dafür demonstrieren. Das hat auch jetzt wieder die Streiks entfacht.
An sich ist es ja ein gutes System, denn je nach Noten und Studienjahr bekommt man finanzielle Unterstützung. Ein Masterstudent kann zum Beispiel 100 Euro monatlich bekommen, während ein Bachelorstudent im ersten Jahr 35 Euro erhält. Aber oft warten wir monatelang darauf, dass das Geld ausgezahlt wird. Viele von uns leben in prekären Verhältnissen und unterstützen sogar noch ihre Familien. Die Arbeitslosigkeit im Senegal ist sehr hoch. Viele entscheiden sich daher, für Arbeit nach Europa zu gehen. Für mich kommt das nicht infrage, aber einfach ist es nicht, hier Student zu sein.
Aufgezeichnet von Helena Kreiensiek.
„Ich flog von der Schule, weil wir uns die Gebühr nicht leisten konnten“
Ich lebe mit meinen drei großen Schwestern in einem Lager für Binnenflüchtlinge. Wir mussten im November 2020 vor dem Krieg in Tigray im Norden Äthiopiens fliehen. Wir waren sechs Wochen unterwegs, meist zu Fuß. Wir haben viele Tote gesehen und hatten große Angst. Mein Vater ist kurz vor dem Krieg gestorben, meine Mutter kurz danach. Jetzt passt meine älteste Schwester, die 25 ist, auf mich und meine Geschwister auf.
Ich bin jahrelang kaum zur Schule gegangen. Erst waren die Schulen wegen Corona geschlossen, dann kam der Krieg und wir mussten fliehen. Nach dem Krieg konnte ich in der Nähe des Flüchtlingslagers endlich wieder zur Schule. Weil es hier so viele Geflüchtete gibt, hatten manche Kinder morgens, andere nachmittags Unterricht. Ich bin meistens morgens gegangen.
Aber nicht lange. Ich flog von der Schule, weil wir uns die Registrierungsgebühr nicht leisten konnten. Wir hatten auch kein Geld für Schuhe, die Schuluniform, Hefte, Bleistifte und einen Anspitzer. Zum Glück hat eine Hilfsorganisation das später für uns bezahlt. Jetzt bin ich in der vierten Klasse. Mit Schuhen und Schuluniform muss ich mich zumindest nicht mehr schämen.
Trotzdem gehe ich nicht gern zur Schule. Vor dem Krieg, als wir noch zu Hause gewohnt haben, war ich gut in der Schule und bin gerne hingegangen. Aber jetzt habe ich Angst vor den Lehrern. Wenn wir nicht aufpassen, wenn wir einschlafen oder etwas falsch machen, hauen sie uns oft mit ihren Stöcken auf die Finger.
Ich möchte später selbst mal Lehrer werden. Aber ein netterer. Ich will nicht, dass Kinder Angst vor der Schule haben, weil sie dort geschlagen werden.
Aufgezeichnet von Philipp Hedemann.
*Der Name wurde aus Kinderschutzgründen geändert.
„Lehrer sollten für Schüler wie Freunde sein“
Ich bin in einer armen Familie aufgewachsen und habe meine Ausbildung an einer öffentlichen Schule unter schwierigen Bedingungen abgeschlossen. Dennoch habe ich es geschafft, im Leben erfolgreich zu sein. Mir war immer klar, dass ich dazu beitragen will, die Bildung an staatlichen Schulen zu verbessern. Darum bin ich Lehrerin geworden.
Von 2017 an unterrichtete ich zunächst zwei Jahre lang Mathematik an einer öffentlichen Schule im Bezirk Nuwakot. Ich stellte fest, dass die Schüler sehr schwache Mathekenntnisse hatten. Zwar halfen einige von ihnen ihren Eltern in deren Geschäften und erstellten Rechnungen, aber in der Schule schnitten sie nicht gut ab. Statt den Fokus auf das Auswendiglernen zu legen, verband ich deshalb die trockene Mathematik mit Alltagshandlungen, um den Stoff verständlicher zu machen. Heute bin ich Direktorin einer öffentlichen Schule. Als ich diese Stelle antrat, gab es nur sehr wenige Schüler, da die Leute in der Gemeinde öffentliche Schulen nicht mit guter Bildung verbanden. Aber jetzt kehrt dieses Vertrauen allmählich zurück, und unsere Schülerzahl hat sich auf über tausend verdoppelt. Ich glaube, Lehrer sollten für die Schüler wie Freunde sein, damit sie ihnen vertrauen und keine Angst vor ihnen haben.
Und wir müssen uns auf außerschulische Tätigkeiten konzentrieren: Obwohl wir kein Geld dafür von der Regierung erhalten, habe ich eine ehemalige Schülerin, eine Karateka bei der nepalesischen Polizei, als Trainerin engagiert, um die Schüler zu motivieren. In den letzten Jahren haben wir mehrere Karate-Medaillen gewonnen, was die Schüler sehr anspornt. Ich finde, man sollte nicht nur aus Lehrbüchern unterrichten, sondern sollte auch soziale Verantwortung und Kompetenzen vermitteln, damit aus Kindern nicht nur gute Schüler, sondern gute Menschen werden.
Aufgezeichnet von Bibek Bhandari.
„Mit Bildung kann man den Kreislauf der Gewalt durchbrechen“
Ich habe jahrelang als Buchhalterin gearbeitet, aber mein Traum war es schon immer, Lehrerin zu werden. Ich wollte bei der Fundação Casa arbeiten, einer staatlichen Einrichtung in São Paulo, die junge Menschen unter 18 Jahren, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, beherbergt, resozialisiert und unterrichtet.
Ich komme aus einem Vorort von Itaquaquecetuba, einer Stadt in der Metropolregion São Paulo, die von Gewalt geprägt ist. Ich wollte diesen jungen Menschen etwas von dem zurückgeben, was ich gelernt hatte – zum Beispiel während meines Studiums, meiner Reisen und generell im Leben. Also habe ich meinen Beruf gewechselt, bin zurück an die Universität gegangen und bin seit 2017 Lehrerin für Mathematik, Biologie und Naturwissenschaften an der Fundação Casa.
Dort lernen Schüler unterschiedlichen Alters und verschiedener Klassenstufen im selben Raum. Ich muss den Unterricht an den Lernstand jedes Einzelnen und ihre neuen Lebenspläne anpassen. Meist haben sie Schule oder Ausbildung abgebrochen und Kriminalität erlebt oder verübt. Sie sehen die Schule als etwas Schlechtes. Meine Aufgabe ist es, ihnen zu zeigen, dass Bildung uns Möglichkeiten eröffnet, dass Lernen faszinierend ist und dass wir gemeinsam diesen Kreislauf der Gewalt durchbrechen können. Wenn sie zu uns kommen, wissen sie selbst über alltägliche Themen nur wenig, aber wir erweitern ihr Verständnis. Schüler, die früher keinen Sinn in Bildung sahen, nehmen jetzt an Schulprojekten teil, präsentieren Forschungsergebnisse und beschäftigen sich mit Naturwissenschaften und Kunst. Viele haben die Fundação Casa verlassen und besuchen die Universität. Heute haben sie eine Ausbildung, einen Job, eine Familie, und Kriminalität gehört für sie der Vergangenheit an. Deshalb fühle ich mich als Lehrerin so erfüllt.
Aufgezeichnet von Sarah Fernandes.
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