11.02.2016

Ganz oben und ganz unten

Der südafrikanische Schriftsteller Niq Mhlongo begleitet seinen Antihelden durch die Zeit vor und während der Apartheid. Herausgekommen ist ein spannender, gesellschaftskritischer Thriller.

Niq Mhlongo: Way Back Home. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2015, 280 Seiten 24,80 Euro
Er trägt an jedem Handgelenk eine Luxusuhr, raucht nur die besten Zigarren und säuft ständig teuren Single-Malt-Whisky. Er kauft sich Frauen und versucht, per Korruption Aufträge für seine Baufirma zu ergattern. Die Ehefrau hat ihn verlassen, weil er fremdgegangen ist, und für seine Tochter zahlt er keine Alimente. Kurz: Kimathi Tito, der Protagonist aus „Way Back Home“, ist kein Sympathieträger. Dennoch ertappt man sich beim Lesen zuweilen dabei, ihm die Daumen zu drücken und zu hoffen, dass er sein verpfuschtes Leben wieder in den Griff bekommt.

Der südafrikanische Schriftsteller Niq Mhlongo hat mit Kimathi Tito einen Antihelden geschaffen, dessen Versagen und Leiden man als Leser hautnah miterlebt. Während Tito im heutigen Südafrika gegen seinen Ruin ankämpft, berichtet Mhlongo mittels kürzerer Kapitel aus der Zeit der Antiapartheid-Bewegung, in der auch Tito aktiv war.

In den späten 1980er Jahren trainieren und kämpfen Apartheidgegner in Angola. In einem Strafcamp für vermeintliche Verräter der Bewegung führen zwei Männer ein sadistisches Regime – sie quälen, erniedrigen, foltern, töten. In knappen, drastischen Sätzen beschreibt Mhlongo die vorherrschende Unmenschlichkeit und führt am Ende zwei verschiedene Erzählstränge zusammen.

Was ist dieses Buch nun? Ein Thriller. Eine Überzeichnung des Bösen. Irgendwie auch eine Gesellschaftskritik an der schwarzen Elite im heutigen Südafrika. Vor allem aber hat Mhlongo einen spannenden Roman geschrieben, der handwerklich einwandfrei funktioniert und überzeugt: spitz gezeichnete Charaktere, temporeiche Handlungsstränge, absurde Momente, wie etwa ein Besuch des Protagonisten bei einem traditionellen Heiler. Südafrika und seine Historie dienen bei alldem lediglich als Hintergrund für eine teils groteske Geschichte.

Einzig die ständig genannten Luxusmarken nerven beim Lesen. Man fragt sich, weshalb der Autor sie derart strapaziert, man erkennt schließlich schon nach den ersten Markennamen, dass es um Dekadenz geht. Da Mhlongo ansonsten sehr gekonnt schreibt, ist ihm zuzutrauen, dass er den Leser hier einfach strapazieren will. Es sei ihm gegönnt.

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