Sicherheitsfirmen: konkurrierend und korrupt

Über Jahrzehnte sind private Sicherheitsfirmen in Afrika oft als Söldner im Dienst von Militärs oder gar Warlords aufgetreten. Heute bewachen sie vor allem Büros und Wohnungen von Entwicklungs- und humanitären Organisationen. Dabei haben sie der oft korrupten und ineffektiven Polizei den Rang abgelaufen, wie Paul Higate und Mats Utas zeigen.

Die Herausgeber des Bandes richten ihr Augenmerk auf die alltägliche Arbeitsweise privater Sicherheitsfirmen und dabei vor allem auf die komplexe Gemengelage zwischen staatlichen Sicherheitskräften, internationalen Organisationen und privatwirtschaftlichen Auftraggebern. Die Tatsache, dass vor allem in Ländern, die gerade einen Krieg hinter sich gebracht haben, unterschiedliche private Sicherheitsfirmen gleichzeitig ihre Dienste anbieten und auch deren Subunternehmer in Konkurrenz zueinander treten, macht die Sache nicht überschaubarer. Sehr dynamische lokale und nationale Sicherheitskonstellationen sind die Folge, wie die  Autoren und Herausgeber anhand von  Länderstudien zeigen.

Zum Beispiel in Sierra Leone: Der dänische Sicherheitsforscher Peter Albrecht beschreibt, wie der traditionelle Poro-Männergeheimbund und lokale Chiefs im diamantenreichen Kono-Distrikt ihre Vorstellungen von Recht und Ordnung auf lokaler Ebene durchsetzen. Die Ironie der Geschichte ist, dass sie selbst vor dem Krieg für Gewalt und den Zulauf von Jugendlichen zu Guerillagruppen verantwortlich waren. Traditionellen Autoritäten wie ihnen räumt das Gesetz bis heute viel Macht ein. Zudem meiden etliche Ex-Guerillas – vor allem solche, die zwischenzeitlich inhaftiert waren – ihre ländlichen Herkunftsgebiete und bewerben sich bei privaten Sicherheitsfirmen in der Hauptstadt. Ihnen widmet sich die Kopenhagener Anthropologin Maya Mynster Christensen.

Um arbeitslose Jugendliche in kontrollierte Bahnen zu lenken, hat die Regierung Sierra Leones eine Vereinbarung mit der Sicherheitsfirma Sabre International getroffen, die frühere Kämpfer zur Bewachung von US-Militärbasen im Irak anwirbt. Das wird in Freetown als gelungenes Programm gegen Jugendarbeitslosigkeit gepriesen, obwohl die jungen Männer im fernen Bagdad mit Rassismus und Ausbeutung konfrontiert sind. Sie selbst beschreiben ihre Situation als moderne Sklaverei, denn sie verdienen extrem wenig und müssen unter schwierigen Bedingungen lange Wachdienste leisten. An dem lukrativen Geschäftsmodell verdienen andere, wie das Subunternehmen Torres Advanced Enterprise Solutions – ein privater Dienstleister für das US-Militär.

Im Nachbarland Liberia, wo der frühere Warlord und spätere Präsident Charles Taylor jahrelang mit Diamanten aus Sierra Leone seine Kriegsmaschinerie steuerte, haben US-amerikanische Sicherheitsfirmen inzwischen ein Eldorado gefunden. Sicherheitssektorreform lautet die Zauberformel, wenn sie im Regierungsauftrag  die Armee Liberias trainieren – im Namen der Friedenssicherung und einer neuen liberianischen Verteidigungspolitik. Vor allem aber ist das Land an der westafrikanischen Atlantikküste für die USA ökonomisch und geostrategisch wichtig, betont der Autor Marcus Mohlin – selbst ein früherer U-Boot-Offizier und Verteidigungsexperte aus Schweden.

In allen Staaten, die in diesem lesenswerten Sammelband untersucht werden, finden zivile Konfliktbearbeitung und Entwicklungszusammenarbeit statt. Deshalb ist eine Auseinandersetzung mit dessen Erkenntnissen über die vielschichtigen und dynamischen Verflechtungen zwischen staatlichen Stellen, internationalen Organisationen und privaten Sicherheitsdiensten wichtig und hilfreich für ausländische Fachkräfte und Berater. Nicht zuletzt die konzeptionellen Einleitungs- und Schlusskapitel verbinden in vorbildlicher Weise Praxisnähe und inhaltliche Reflexionen.
 

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