20.11.2018

Ein Volk in den Klauen des Königs

Löwe (Ngwenyama) lautet der offizielle Titel des Königs in Swasiland. Er ist der letzte absolute Monarch auf dem afrikanischen Kontinent. An seinem 50. Geburtstag hat er das Land in Eswatini umbenannt, obwohl das umstritten ist. Er hält alle Macht fest in seinen Händen. Wie das genau funktioniert, erklärt dieser lesenswerte Sammelband.

Evangelisches Missionswerk in Deutschland e. V. (EMW): Swasiland. Monarchie ohne Menschenrechte. EMW, Hamburg 2018, 101 Seiten, kostenlos beim EMW zu bestellen
Kirchenvertreter und couragierte zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure aus Swasiland kommen in dem Buch ebenso zu Wort wie deutsche Repräsentanten der Lutherischen Kirche und der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA).

Sie schreiben über die schwierige Rolle von Kirchen und kirchlichen Zusammenschlüssen im repressiven Königreich und stellen zivilgesellschaftliche Gruppen vor. Viele Autoren schreiben über Polizeigewalt bei Versammlungen, willkürliche Verhaftungen oder Pressezensur. Dreh- und Angelpunkt all dieser Einschränkungen ist die Übermacht des Königs. Er kontrolliert nicht nur die Sicherheitskräfte, sondern alle politischen Entscheidungsgremien. Sogar die Justiz beeinflusst er mittels seiner direkten Unterstützer, etwa loyalen Richtern. Traditionelle königstreue Autoritäten und regimenahe Medien ersticken jede Kritik im Keim und halten so die Machtverhältnisse aufrecht.

50 Jahre nach der politischen Unabhängigkeit von Großbritannien gibt es für die Bevölkerungsmehrheit von Swasiland demnach wenig zu feiern. Bereits der Vater des heutigen Monarchen Mswati III. regierte das kleine, geografisch ganz von Mosambik und Südafrika umschlossene Binnenland drakonisch. Das bekamen zivilgesellschaftliche Akteure und auch Apartheidgegner zu spüren, die vor den Schergen des rassistischen Regimes ins Nachbarland geflohen waren. Politische Parteien sind noch immer verboten, weshalb auch die diesjährige Wahl zum sogenannten Tinkhundla-Parlament eine Farce war: Die Kandidaten brauchten offizielle Teilnahmegenehmigungen durch die Chiefs und ein Teil der Parlamentarier wird nicht vom Volk gewählt, sondern vom König ernannt.

Patronage verschafft Mitgliedern der Aristokratie darüber hinaus ranghohe Posten und Zugang zu lukrativen Geldquellen. So profitiert von den dominierenden Telefongesellschaften und den lange Zeit von der EU geförderten Trusts in der Zuckerproduktion vor allem die königstreue Elite. Da alle Anbauflächen dem König gehören, kann dieser jederzeit Bauern von ihren Feldern vertreiben, was die kleinbäuerliche Produktion stark behindert. Wiederkehrende Dürrephasen erschweren den Gemüse- und Getreideanbau, während auf Großbetrieben mit Wasser aus gut gefüllten Staudämmen Zuckerrohr gedeiht. Die Mehrheit der Bevölkerung bleibt arm und kämpft gegen massive Gesundheitsprobleme wie vor allem HIV.

Die Autoren prangern diese Probleme ebenso an wie die Ausbeutung swasischer Wanderarbeiter in den Minen Südafrikas und die mangelnde Kritik europäischer Politiker am königlichen Machtmissbrauch. Insgesamt vermittelt diese Publikation einer entwicklungspolitisch interessierten Leserschaft einen facettenreichen Einblick in ein oft übersehenes Land im südlichen Afrika.

Neuen Kommentar schreiben