Patrick Kaczmarczyk plädiert für eine neue wirtschaftspolitische Weltordnung, um globale Probleme wie Klimawandel, Pandemien oder Migration zu lösen.
„Wir spielen mit dem Feuer in einem Raum, in den beständig immer mehr Benzin getragen wird“, beschreibt der Wirtschaftswissenschaftler Patrick Kaczmarczyk die aktuelle Situation weltweit, in der rechte, neoliberale und reaktionär-konservative Kräfte die Risse in der globalen Ordnung weiter vertieften, während flächendeckend hochgerüstet werde. Dagegen argumentiert er, dass eine Ordnung, in der mit den westlichen Industriestaaten eine Minderheit die Regeln für die Mehrheit setze, auf lange Sicht nicht tragbar sei, weil sie die notwendige Zusammenarbeit in einer multipolaren Welt erheblich erschwere.
In das Buch fließen frühere Erfahrungen des Autors aus der Entwicklungszusammenarbeit ein – unter anderem arbeitete er für die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) sowie für Projekte in Ostafrika und im Nahen Osten. Er thematisiert, wie der wirtschaftlich dominierende Norden auch über den IWF und die Weltbank auf Länder wie Argentinien oder Pakistan politisch Einfluss nimmt. Weiter geht es darum, wie er in völkerrechtlichen, aber auch in wirtschaftspolitischen Beziehungen Regeln aufstellt, sie aber selbst bricht.
So habe die Glaubwürdigkeit westlicher Länder infolge von Doppelstandards beim Völkerrecht seit Etablierung des Systems 1944 stark gelitten – aktuell beim Umgang mit Russlands Krieg in der Ukraine und dem Nahostkonflikt. Untermauert mit vielen Zahlen zu Handel und Finanzströmen demonstriert Kaczmarczyk in sechs Kapiteln, wie kolonialistische Strukturen, Marktliberalismus und von der Realwirtschaft abgekoppelte spekulative Kapitalströme die Entwicklung vieler Länder des globalen Südens behindern.
Grundpfeiler für eine nachhaltige Weltordnung
Die Entwicklungs- und Schwellenländer des Südens drängten deshalb auf Reformen der globalen wirtschaftspolitischen Ordnung. Das kurzfristige Festhalten westlicher Länder an Vorteilen auf Kosten der anderen helfe am Ende niemandem, so Kaczmarczyk. Als Grundpfeiler für eine nachhaltige Weltordnung nennt er einen Schuldenschnitt für hoch verschuldete Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, wie einst in den 1990er Jahren, mehr Entwicklungshilfe und Kredite von IWF und Weltbank, die nicht mehr an unsoziale und wachstumsfeindliche Bedingungen wie beispielsweise Senkung der Staatsausgaben, Gehalts- und Rentenkürzungen oder Privatisierungen geknüpft sind. Langfristig müssten die Kapitalmärkte stabilisiert werden mit Maßnahmen gegen spekulative Kapitalflüsse wie etwa Besteuerung kurzfristiger Devisentransaktionen oder strengere Regulierung des Derivatehandels. Industriepolitische Spielräume erhielten Länder des Südens nicht durch die unsichtbare Hand des Marktes, sondern durch die sichtbaren Finger des Staates, der Entwicklung mit öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur – Transport, Energie, Bildung, Gesundheit – fördere.
Kaczmarczyk schreibt christlich motiviert, gut lesbar und auch für ökonomische Laien verständlich. Sein Buch bietet so eine gute Grundlage für politische Lobbyarbeit.
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