Kein Erfolg ohne Beteiligung

Frank Bliss
Trinkwasser für Mayo Kebbi
Ein Projekt der deutschen Kooperation mit dem Tschad

Horlemann, Bad Honnef 2011,
217 Seiten, 19,90 Euro


500 Meter – das ist Umfragen zufolge ungefähr die Distanz, die Frauen im Südwesten des Tschad für sauberes Wasser zusätzlich bereit sind zurückzulegen. Ist ein Brunnen weiter entfernt, nehmen sie das Wasser eher von einer näher gelegenen Wasserstelle und riskieren, dass ihre Familie krank wird. Eine Vielzahl solcher Informationen liefert der Entwicklungsberater Frank Bliss in seinem Buch über ein Trinkwasserprojekt in Mayo Kebbi, einer Region ohne nennenswerte Infrastruktur. Bliss war in dem Projekt für die „sozialwissenschaftlichen Begleitmaßnahmen“ zuständig. Er suchte die Standorte der Handpumpen aus, begleitete die Einheimischen bei der Aufstellung von Nutzerkomitees und bemühte sich um Gesundheitsaufklärung. Sein Buch stellt das von der Kreditanstalt für Wiederaufbau geförderte Projekt vor: von der ersten Studie bis hin zur abschließenden Bewertung – ein Prozess, der ein Jahrzehnt gedauert hat.

Nicht jeder Projektschritt, den Bliss beschreibt, ist spannend zu lesen. Was ihm aber gut gelingt: Er erklärt mit einer Reihe von Fotos und Zeichnungen, dass unheimlich viel bedacht werden muss, damit ein Projekt nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Das Ergebnis liest sich vorsichtig optimistisch: Die Nutzung und Wartung der Brunnen scheint überwiegend zu funktionieren. Ob die Menschen nach einer Reihe von Aufklärungsmaßnahmen aber hygienische Standards einhalten (Trennung von Mensch und Tier, Latrinenbau), bezweifelt man nach den Schilderungen eher.

Bliss plädiert dafür, dass Sozialwissenschaftler mehr Einfluss bei derartigen Projekten bekommen. An zahlreichen Stellen macht er klar, dass ohne intensives Arbeiten mit der Zielgruppe ein Erfolg gar nicht möglich ist – egal wie viel Geld und Technik zur Verfügung stehen. Die Entwicklungszusammenarbeit findet vor allem mit den Menschen vor Ort statt. Die tschadische Regierung und die Verwaltung scheinen sich so gut wie gar nicht dafür zu interessieren, ob ihre Bürger sauberes Wasser haben oder nicht, kritisiert Bliss. Er begrüßt deshalb, dass die deutsche Entwicklungszusammenarbeit sich derzeit im Tschad sehr zurückhält. Nach seinen Schilderungen der staatlichen Untätigkeit ist das sehr gut nachzuvollziehen.


Felix Ehring

 

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