Die politische Spaltung belastet Simbabwes Kirchen: Gebet vor einem mobilen Wahllokal am Tag nach der Wahl vom 31. Juli.

Schwierige Zusammenarbeit mit Simbabwe

Wie die gesamte Gesellschaft sind auch die Kirchen in Simbabwe gespalten und untereinander zerstritten. Die ökumenische Zusammenarbeit funktioniert nur noch bedingt. Das wirft für „Brot für die Welt“ die Frage auf, wie die Unterstützung der Partner vor Ort langfristig gestaltet werden soll.

In Simbabwe haben die politischen Verhältnisse der letzten drei Jahrzehnte ihre Spuren in den Kirchen hinterlassen. Egal welche Denomination  oder Konfession: Fast in jeder Kirchenleitung stehen sich erklärte Anhänger der Mugabe-Partei Zanu-PF sowie bekennende Unterstützer der Opposition gegenüber. Dazwischen stehen die Unparteiischen. Die politischen Allianzen lähmen mehr denn je die Arbeit innerhalb der Kirchen und die Zusammenarbeit mit anderen Kirchen.

Das hat sich auch in den letzten fünf Jahren nicht geändert, in denen nach knapp drei Jahrzehnten Alleinherrschaft von Präsident Mugabe die Oppositionsparteien in einer Regierung der Nationalen Einheit eingebunden waren. Die Grabenkämpfe gehen nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch in den Kirchen weiter. Beobachter fürchten, dass diese Auseinandersetzungen nach den Wahlen im Sommer, bei denen die Zanu-PF eine satte Mehrheit bekommen hat, stärker denn je aufflammen.

Die Verantwortlichen bei „Brot für die Welt“ verfolgen die Situation in Simbabwe und in den dortigen Kirchen mit großer Sorge. Seit 30 Jahren unterstützt das evangelische Hilfswerk verschiedene kirchliche Partner. „Die Kirchen in Simbabwe haben früher eine große Rolle gespielt, gerade im Bereich der nationalen Versöhnung, in der ländlichen Entwicklung oder im Kampf gegen die Stigmatisierung von HIV-Infizierten“, sagt Karin Döhne, Abteilungsleiterin für Afrika. Enttäuscht müsse man jetzt aber feststellen, wie wenig da noch laufe. Mit säkularen Partnern dagegen mache man in Simbabwe gute Erfahrungen.

„Brot für die Welt“ will „im Dialog bleiben“

Diskutiert werde deswegen, wie die Unterstützung für Simbabwe in den kommenden Jahren aussehen soll. „Wir können im Moment keine Entscheidungen treffen, wir müssen abwarten und die Gesamtsituation genau beobachten“, sagt Döhne. Es sei ein Grundsatz der Förderpolitik von „Brot für die Welt“, Partner auch bei hausgemachten Krisen nicht einfach gleich fallen zu lassen. „Wir haben von außen nur sehr begrenzte Möglichkeiten, Einfluss auf Prozesse innerhalb einer Partnerorganisation zu nehmen.“ Eine schnelle Einstellung der Förderung hält Döhne für keinen guten Weg: „Wir müssen doch weiterhin im Dialog bleiben.“

Autorin

Katja Dorothea Buck

ist Religionswissen- schaftlerin und Journalistin in Tübingen.

Diese Einstellung teilt auch der Theologe Klaus-Peter Edinger, der bis Anfang des Jahres am United Theological College in Simbabwes Hauptstadt Harare gearbeitet hat: „Gerade in der jetzigen Situation, wo der Vorwurf der Wahlfälschung nach wie vor im Raum steht, brauchen die Kirchen Unterstützung von außen.“ Bei einem christlichen Bevölkerungsanteil von 85 Prozent hätten die Kirchen eine wichtige Funktion innerhalb der Gesellschaft. „Wenn die Wahlfälschungen jemals aufgedeckt werden sollen, dann können das nur die Kirchen schaffen“, sagt Edinger. Trotz aller Spaltungen und Grabenkämpfe gebe es in den Kirchen auch Strömungen und Kräfte, die eine positive Rolle spielten und sowohl die finanzielle als auch die spirituelle Unterstützung dringend nötig hätten. „Wir dürfen sie in dieser schwierigen Situation nicht im Stich lassen“, sagt Edinger.

Diese reformwilligen Kräfte von außen zu identifizieren, wird allerdings nicht leicht sein. Das Verbindungsbüro in Harare, das „Brot für die Welt“ vor einigen Jahren einrichten wollte, hat keine staatliche Genehmigung bekommen. Und auch in den deutschen Kirchen lässt sich mittlerweile die Zahl der Simbabwe-Kenner an einer Hand abzählen. „Gerade im evangelischen Bereich sind wir  nicht gut aufgestellt“, sagt Stefan Cramer, der lange Zeit bei „Brot für die Welt“ für Simbabwe zuständig war. Früher habe es mehr Menschen in den deutschen Kirchen gegeben, die direkte Kontakte zu den Kirchen in Simbabwe hatten oder über Partnerschaftsprogramme mit Christen dort in Verbindung standen. Während der Mugabe-Diktatur sei es aber immer schwieriger geworden, die Kontakte aufrecht zu halten. „Unser Dialog mit den Kirchen über entwicklungs- und gesellschaftspolitische Themen sowie unser Wissen und unsere Beobachtung der kirchenpolitischen Zusammenhänge in Simbabwe müssen unbedingt verbessert werden“, sagt Cramer.

erschienen in Ausgabe 10 / 2013: Landrechte: Auf unsicherem Boden

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