Drogenpolitik
Drogenpolitik

Haschisch für den Hausgebrauch

Der internationale Krieg gegen die Drogen ist gescheitert. Viele Staaten und Teilstaaten folgen nicht länger den Leitlinien der UN-Drogenkonvention für strikte Verbote. Anstöße für eine Reform kommen vor allem aus Lateinamerika.

Bolivien:
Ein drogenpolitischer Sonderfall

Als in Bolivien der Kokabauer Evo Morales 2006 die Präsidentschaft antrat, erwarteten viele eine Freigabe des Koka-Anbaus, wie er sie selbst stets gefordert hatte. Pessimisten befürchteten, dass…

Uruguay ist jedoch nicht der erste Präzedenzfall, bei dem ein Land Teile des Abkommens offen in Frage stellt. Bolivien ist 2012 aus dem Abkommen ausgetreten und mit Wirkung zum Februar 2013 wieder beigetreten – nun aber unter Vorbehalt gegenüber zwei Paragrafen, die das Kauen von Kokablättern verbieten. Das Kokablatt und sein Gebrauch sind in den Andenkulturen seit Jahrhunderten tief verwurzelt.

Eine von der Europäischen Union finanzierte Studie hat im vergangenen November gezeigt, dass ein Drittel (rund drei Millionen) der Bolivianerinnen und Bolivianer – wohl die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung – regelmäßig Kokablätter konsumieren, sei es als Tee, als Medizin oder bei magisch-religiösen Zeremonien. Kokablätter sind in den Andenländern ein Genussmittel, das in keinem gut sortierten Gemischtwarenladen fehlt. 

Kokablatt: andines Kulturerbe

Die bolivianische Verfassung vom Januar 2009 erhob deshalb das Kokablatt in Artikel 384 zum schützenswerten andinen Natur- und Kulturerbe. Die Regierung beantragte sogleich, das Verbot, Kokablätter zu kauen, aus der UN-Drogenkonvention von 1961 zu streichen. Präsident Evo Morales betonte, dies geschehe, um die internationalen Konventionen in Einklang zu bringen „mit der Kultur meines Landes und nicht umgekehrt“. Sein Antrag anlässlich der 52. Commission on Narcotic Drugs der Vereinten Nationen im März 2009 in Wien wurde allerdings von einer Gruppe von 18 Mitgliedstaaten abgewiesen, darunter Deutschland, die sich als „Freunde der Konvention“ bezeichneten.

Es ging ihnen, wie sie sagten, um die Integrität der Konvention. Ob sie ihr damit einen Dienst erwiesen haben, ist fraglich. Dass Uruguay nun seine nationalen Gesetze lieber im Alleingang verabschiedet hat, ohne zu versuchen, die UN-Drogenkonvention zu ändern, mag auch eine Reaktion auf die Erfahrung der Bolivianer gewesen sein. Die Freigabe von Cannabis dort ist nun ebenso wie der Austritt Boliviens nebst Wiedereintritt unter Vorbehalt ein Fanal für die in der UN-Konvention festgeschriebene internationale Drogenpolitik. Immer mehr Experten erklären sie für gescheitert.

Sie bewirkt keinen Rückgang der Drogenproduktion. In Afghanistan, dessen Schlafmohnproduktion den Grundstoff für drei Viertel  des weltweit erzeugten Heroins liefert, wächst der Anbau seit Jahren stetig an. Im vergangenen November meldeten die Vereinten Nationen abermals eine historische Steigerung der dortigen Opiumproduktion um 49 Prozent. Der Exekutivdirektor des UN-Büros für Drogen und Kriminalitätsbekämpfung (UNODC), Yuri Fedotov, nannte das Ergebnis „ernüchternd“.

Auch im sogenannten Goldenen Dreieck im Grenzgebiet von Laos, Thailand und Myanmar wächst die Opiumproduktion wieder. In Myanmar, dem zweitgrößten Produzenten, ist sie gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent gestiegen.

erschienen in Ausgabe 3 / 2014: Medizin: Auf die Dosis kommt es an

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