Die Verhaftung folgte kurz nach der Rückkehr aus Russland - seitdem sorgt der Fall in Kenia für Schlagzeilen. Festus O. soll Dutzende junge Kenianer an die russische Armee vermittelt haben. Nun muss er sich wegen Menschenhandels vor Gericht verantworten. Schon vergangenes Jahr hatte ein Gericht verfügt, dass er seine Rekrutierungsbemühungen einstellen muss. Trotzdem konnte er seitdem noch mehrmals junge Männer nach Russland begleiten. Laut den Ermittlungsbehörden landeten mehrere von ihnen an der Front in der Ukraine.
Etwa 1.000 kenianische Männer sind nach Angaben des kenianischen Geheimdienstes NIS von privaten Jobvermittlungs-Agenturen im Auftrag des russischen Verteidigungsministeriums für den Krieg in der Ukraine rekrutiert worden. Auch aus anderen afrikanischen Ländern sind Söldner für Russland im Einsatz. Die Initiative „All Eyes on Wagner“, die Listen des ukrainischen Militärs ausgewertet hat, beziffert ihre Zahl für den Zeitraum von 2023 bis 2025 auf 1.417. Offizielle Daten gibt es nicht.
Falsche Versprechen
Etliche der Söldner sind mittlerweile in ukrainischen Kriegsgefangenenlagern gelandet. Die Politikwissenschaftlerin Karen Larsen vom Dänischen Institut für Internationale Studien hat dort kürzlich 18 Kämpfer interviewt, darunter mehrere aus afrikanischen Ländern. Sie alle seien über Agenturen in ihrem Heimatland angeheuert worden, die Jobs im Ausland vermitteln, sagt Larsen. Viele von ihnen seien schon vorher, zum Beispiel in Dubai, für Sicherheitsfirmen tätig gewesen.
Der kenianische Menschenrechtsaktivist Raskin Oyugi, erzählt, dass Russland die jungen Männer häufig mit falschen Versprechen locke, etwa verhältnismäßig hohe Gehälter für zivile Jobs als Fahrer oder in Fabriken. „Wir sehen eine systematische Täuschung und Ausbeutung von Menschen, die aus armen Familien kommen“, sagt Oyugi, der sich bei der Organisation „Vocal Africa“ engagiert.
Wenige Wochen an der Front
Die Arbeitslosigkeit ist in vielen afrikanischen Ländern hoch, Jobs mit monatlichen Gehältern von umgerechnet mehr als 1.000 Euro sind schwer zu bekommen. Die Männer brechen auf in der Hoffnung, das Leben ihrer Familien mit dem verdienten Geld positiv verändern zu können, sagt Oyugi. Bei der Ankunft werde der Pass konfisziert und sie würden gezwungen, einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium auf Russisch zu unterschreiben.
Schnell entpuppen sich diese Hoffnungen als Illusion. Die meisten Rekruten landen laut Larsen nach nur wenigen Wochen Training als Kämpfer an der Front - so hätten es ihre Interviewpartner in den ukrainischen Kriegsgefangenenlagern und die Rückkehrer in Kenia berichtet. Überlebende hätten zudem erzählt, dass mehrere ihrer Kameraden bereits in der ersten Einsatzwoche getötet worden seien.
Ausländische Rekruten gelten als entbehrlich
Mehr als 300.000 russische Soldaten wurden laut Schätzungen des Washingtoner „Center for Strategic and International Studies“ (CSIS) seit Kriegsbeginn bereits getötet. Und die afrikanischen Söldner werden mitunter besonderen Risiken ausgesetzt. „Russland nutzt die ausländischen Rekruten als entbehrliche Soldaten und schickt sie in gefährlichen Situationen vor, um ihre eigenen Leute zu schützen“, sagt Larsen.
Kenianische Medien berichteten zuletzt vermehrt über die Rekrutierung junger Männer für den Krieg in der Ukraine. Und auch die Politik reagiert allmählich. Noch im Juli verabschiedete Arbeitsminister Alfred Mutua fröhlich 50 junge Männer als Arbeitsmigranten nach Russland. Nun erklärte Außenminister Musalia Mudavadi, dass er nach Moskau reisen wolle, um bei der russischen Regierung per Memorandum ein Ende der Rekrutierung zu erwirken.
Trauerfeier vor leerem Sarg
Es ist auch ein Zeichen für die betroffenen Familien, deren Söhne an der Front getötet wurden. Über die Todesfälle erfahren sie oft nur von Kameraden der Gefallenen oder aus dem Internet. Viele verschwinden einfach und sind nicht mehr zu erreichen. Mehrere Familien haben deshalb in den vergangenen Wochen Trauerfeiern an einem leeren Sarg abgehalten.
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