Die dritte Gewalt

Heft 2 / 2026

Recht und Gerechtigkeit stiften Frieden. In Guatemala aber schützen Justizbeamte korrupte Eliten vor Strafverfolgung; wie kann man diesen Pakt aufbrechen? Welche Wirkung haben extrem harte Schritte gegen Gewaltkriminalität wie in El Salvador? Ist eine Aufarbeitung des Bürgerkriegs für die Zukunft Syriens unerlässlich? Und werden Genozidvorwürfe politisch missbraucht?
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Recht und Gerechtigkeit

Heftschwerpunkt

Prakash Mani Sharma Bhusal ist Umweltanwalt in Nepal und hat eine NGO gegründet.
Sie setzen sich für die Menschenrechte, die Umwelt oder für die Armen ein: Eine ehemalige Richterin, eine Rechtsanwältin und zwei Anwälte beschreiben, warum sie ihren Beruf gewählt haben und vor welchen Herausforderungen sie stehen.
Traditionelle Führer in Ghana in bunten traditionellen Gewändern und mit Goldschmuck. Paramount Chief Nii Odaifio Welentsi trägt eine goldene Krone.
In Streitfällen wie zwischen Bauern und Hirten wenden sich Geschädigte oft nicht an die Polizei, denn Gerichtsverfahren sind teuer und langwierig. Örtliche Chiefs lösen viele Konflikte am Ort schneller, kostenlos und friedlich.
Kniender Indigener mit traditionellem Kopfschmuck bei einer spirituellen Reinigungszeremonie während einer Demonstration gegen die korrupte Justiz in Guatemala-Stadt.
In Guatemala hat der sogenannte Pakt der Korrupten die obersten Gerichte seit Jahren fest im Griff. Damit sichert sich eine von Korruption durchzogene Elite Macht und Straffreiheit. Die anstehenden Justizwahlen könnten das ändern.
Insassen im Mega-Gefängnis CECOT in Tecoluca, El Salvador, in weißer Kleidung, mit Mundschutz und kahlgeschorenen Köpfen, zusammengepfercht wie in der Käfighaltung.
Regierungen in Lateinamerika greifen immer drastischer gegen Kriminalität durch und versuchen so, Wählerstimmen zu gewinnen. Dabei schädigen sie den Rechtsstaat und verletzen Menschenrechte – und ob das „Modell Bukele“ gegen Gewalt­kriminalität wirkt, ist fraglich.
Aktivistinnen und Aktivisten der Deutschen Umwelthilfe mit einem Transparent zu ihrer Klimaklage vor dem ehrwürdigen Gebäude des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig.
Klagen gegen die Klima­politik von Regierungen und gegen fossile Unternehmen häufen sich. Kläger feiern Urteile, selbst wenn sie verloren haben. Kritiker bezweifeln, dass das dem Klimaschutz nützt, und wittern Rechtsmissbrauch.
Ein vermummter, schwarz gekleideter Kämpfer der Gruppe Hayat Tahrir al-Sham steht mit einem Kalaschnikow-Gewehr im Januar 2025 hoch über der syrischen Stadt Homs.
Syrien leidet unter den Folgen des Kriegs und der jahrzehntelangen Diktatur. Um den Frieden zu sichern, fordert die Zivilgesellschaft in Städten wie Homs eine lückenlose Aufarbeitung. Doch die Übergangsjustiz weist strukturelle Schwächen auf – ohne eine konsequente strafrechtliche Verfolgung der Täter bleibt die Heilung der Gesellschaft ungewiss.
Anhörung im Gerichtssaal. Links Ko Ko Hlaing, offizieller Vertreter Myanmars vor dem Internationalen Gerichtshof  im Verfahren um den mutmaßlichen Völkermord an den Rohingya.
Völkermord gilt als das „Verbrechen aller Verbrechen“. Der Vorwurf wiegt schwer und die Gefahr besteht, dass er politisch missbraucht wird. Die Sozialwissenschaftlerin Line Engbo Gissel ist trotzdem dafür, dass der Begriff in der politischen Auseinandersetzung verwendet werden darf – und nicht nur vor Gericht. Über die Genozid-Vorwürfe gegen Myanmar und Israel und das Risiko, den Begriff zu missbrauchen.

Welt-Blicke

Äthiopischer Regierungsbeamter steht in Addis Abeba an der Ladesäule einer E-Tankstelle neben seinem silbergrauen E-Auto.
Äthiopien hat die Einfuhr von Verbrennern verboten, damit sich E-Autos durchsetzen. Die meisten Menschen sehen das gelassen, weil sie sich gar kein Auto leisten können. Aber das Land könnte so die Phase der fossil betriebenen Autos auslassen.
Vor einem Jahr wurde die US-Entwicklungsagentur USAID zerschlagen. In Indien sind die Folgen dramatisch. Zudem behindert die indische Regierung die Arbeit einheimischer Gesundheitsorganisationen.
Die nigerianische Vollzugsbeamtin Olukemi Ibikunle in der Uniform und mit dem blauen Barett der MONUSCO-Friedensmission in der DR Kongo.
Eine Beamtin aus Nigeria verbessert in Afrika Haftbedingungen mit kleinen Schritten: Die Justizvollzugsbeamtin Olukemi Ibikunle setzt sich erfolgreich für bessere Perspektiven in Gefängnissen ein – in ihrer Heimat Nigeria ebenso wie in der Demokratischen Republik Kongo, wo sie im Rahmen der UN-Friedensmission MONUSCO stationiert war.
Drei weiße Männer schleppen und hobeln Bretter auf einer Baustelle in Orania, Südafrika.
Mitten in Südafrika wächst eine Stadt, in der keine Schwarzen wohnen. In Orania suchen Afrikaaner Schutz vor Gewalt und für ihre Sprache und Kultur. Die Bewohner weisen den Vorwurf des Rassismus zurück, doch für Kritiker wurzelt Orania in der Apartheid.
Syrische Sicherheitskräfte, schwarz uniformiert, fahren am 3. Februar 2026 beim Einzug in die von Kurden bewohnte Stadt Qamischli im Nordosten Syriens durch eine Menschenmenge.
Die kurdisch geführte Autonomie in Nordsyrien ist angesichts des Vormarsches der nationalen Armee fast kampflos zusammenge­brochen. Das liegt an ihren inneren Widersprüchen und ihren autoritären Zügen. Nun gibt es Chancen für eine politische Öffnung.

Standpunkte

Karikatur von Wolfgang Ammer zu Bodenschätzen Afrikas als "Billigwaren".
Kobalt, Kupfer, Coltan: Afrika ist reich an Rohstoffen, aber davon hat es nicht viel. Die Minera­lien werden roh verkauft, die Wertschöpfung findet woanders statt. Die Rohstoffex­porteure des Kontinents müssen sich besser untereinander abstimmen, um das zu ändern.
Sich zur Pressefreiheit zu bekennen heißt nicht nur, verfolgte Journalisten zu schützen, sondern auch, unabhängige Medien zu fördern und die Machtkonzentration auf dem Medienmarkt strenger zu kontrollieren, kommentiert Barbara Erbe.

Dagmar Pruin ist Präsidentin von Brot für die Welt.
Milliardäre, Milliardärinnen und multinationale Konzerne können auf legale Weise Steuerzahlungen in Milliardenhöhe vermeiden. Um das zu ändern, verhandeln die Vereinten Nationen eine Steuerrahmenkonvention – das ist entscheidend für Steuergerechtigkeit weltweit.
Kambodscha ist ein Zentrum für internationalen Onlinebetrug. Das Land geht jetzt dagegen vor, aber nur unter starkem Druck von außen. Zusätzlich braucht es strenge Regeln für das globale Finanzwesen, meint Bernd Ludermann.

Bewegungsmelder

Müllunternehmer Geovanni Arroyo steht mit einem geöffneten Sack voller Plastikmüll neben seinem Lastwagen in Guatemala-Stadt.
Der Versuch des Umweltministeriums, in Guatemala das Müllrecycling zu befördern, ist vorerst gescheitert – an der Verfassung, aber vor allem an den Interessen der Gemeinden.
Der indonesische Diplomat Sidharto Reza Suryodipuro leitet die Sitzungen des UN-Menschenrechtsrates in Genf. Cindy McCain, die Direktorin des UN-Welternährungsprogramms WFP, hat angekündigt, vorzeitig von ihrem Posten zurückzutreten. Christoph Jost ist neuer Geschäfts­führer der Stiftung Asienhaus und Gerald H. Haug ist im Februar zum neuen Vorsitzenden des Rates für Nachhaltige Entwicklung gewählt worden. Unsere Personalmeldungen im April.
Ein junger Mann lacht in die Kamera: Fanny Syariful Alam, Aktivist der Jugendorganisation Bandung School of Peace Indonesia.
Religiöse Minderheiten haben es oft nicht leicht in Indonesien. Fanny Syariful Alam organisiert in der Bandung School of Peace deshalb Kurse für junge Leute, um die Akzeptanz für Diversität zu fördern.
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