„Ich will Umweltanwälte zusammenbringen, damit wir gemeinsam mehr erreichen“
Ich wurde Anfang der 1980er Jahre Rechtsanwalt, zunächst im Strafrecht, aber schon bald wollte ich mich lieber für das Gemeinwohl einsetzen. Während meines Masterstudiums in Delhi hatten mich die Fälle des renommierten indischen Anwalts und Umweltaktivisten M.C. Mehta inspiriert. Sie zeigen, dass auch ein einzelner Mensch viel verändern kann. Als Umweltanwalt wollte ich der Gesellschaft etwas zurückgeben.
Mein erster Auftritt vor dem Obersten Gerichtshof in Nepal war 1989 gegen Godavari Marble Industries, es ging um Umweltzerstörung. Da es sich um ein großes Unternehmen handelte, drohte man mir und lockte mich mit Geld. Aber ich folgte meinem Gewissen und ließ mich nicht einschüchtern. Der Prozess dauerte 25 Jahre. Das Gericht ordnete 2015 die Schließung des Unternehmens an, das in einem ökologisch sensiblen Gebiet tätig war. Die Richter erklärten, dass zum Recht auf Leben das Recht auf eine saubere Umwelt gehört. Das war mein erster großer Sieg.
Eine Reihe umweltschädlicher Projekte wurde bereits per Gerichtsbeschluss untersagt. Manchmal aber werden solche Beschlüsse nicht umgesetzt, weil die Regierung nicht darauf reagiert oder weil die Firmen Einfluss nehmen. Schlecht ist, dass die Gerichte die Beschlüsse häufig nicht mehr weiterverfolgen. Bei der Ausarbeitung von Gesetzen versuchen Interessengruppen oft, Umweltauflagen aufzuweichen. Die Zivilgesellschaft in Nepal ist schwach, überwacht Umweltverstöße nicht ausreichend oder hinterfragt die gewählten Vertreter nicht. Unsere Umweltanwälte bekommen nicht immer die Ausbildung, die sie bräuchten, ihnen fehlt es an Anerkennung von Staat und der Gesellschaft, was sehr entmutigend sein kann. Deshalb habe ich die NGO Pro Public gegründet, um Umweltanwälte zusammenzubringen und gemeinsam zu kämpfen.
Aufgezeichnet von Bibek Bhandari.
„Es gibt kein politisches Interesse an effizienten Ermittlungsbehörden“
Ich habe nach dem Jurastudium zunächst in der Privatwirtschaft gearbeitet, aber meine Berufung habe ich ab 1997 im Staatsdienst als Richterin gefunden. Das war in der Stadt Monclova, dort verschwanden damals viele Menschen. Augenzeugen erzählten mir oft, dass mit der Mafia verbandelte Sicherheitskräfte die Verschwundenen mitgenommen hätten, aber die Ermittlungsbehörden blieben untätig. Ich erbat von den Angehörigen Fotos der Verschwundenen und erließ einen dringenden Rechtsbehelf, der an alle Behörden herausging. Das schuf öffentlichen Druck, und die Verschwundenen kamen oft wieder frei. Dieses Vorgehen hat Armee, Behörden und Gesellschaft Respekt eingeflößt. Aber ich bekam Morddrohungen. Vier Jahre lang hatte ich einen Bodyguard. Mit dem Regierungswechsel 2018 und Andrés Obrador als Präsident wuchs der Druck auf die Justiz. Mein Bodyguard wurde abgezogen, und ich wurde nach Guerrero versetzt, in eine der gefährlichsten Regionen Mexikos. Da wurde mir klar, dass der Regierung die Unabhängigkeit von Richtern ein Dorn im Auge war. Sie nannte uns korrupt und warf uns vor, dass die meisten Straftaten ungesühnt bleiben. Aber das liegt nicht an uns Richtern, sondern an den Ermittlungsbehörden und Staatsanwaltschaften, die von der Exekutive ernannt werden.
Ich war lange Vorsitzende des Richtergremiums. Das Problem ist: Auf unserem Tisch landet nur ein Zehntel aller Straftaten, und oft wird so schlampig ermittelt, dass Gerichte die Leute freisprechen müssen. Es gibt kein politisches Interesse an effizienten Ermittlungsbehörden. Seit einer Verfassungsreform in 2025 werden die Richter vom Volk gewählt. Das Resultat ist eine gleichgeschaltete, entprofessionalisierte und politisierte Justiz. Denn gewählt wurden Kandidaten, die von Politikern, Gewerkschaften oder gar dem organisierten Verbrechen unterstützt wurden. Ich habe meinen Rücktritt vom Richteramt eingereicht. Jetzt unterrichte ich an Universitäten, damit mein Wissen nicht verloren geht.
Aufgezeichnet von Sandra Weiss.
„Ich finde es toll, dass ich Menschen dabei helfen kann, ihre Freiheit wiederzuerlangen“
Wir bieten kostenfreie Rechtshilfe an – vor allem für Menschen, die in Haft sind und sich keinen Anwalt leisten können. Als Kind habe ich erlebt, wie die Ernährer einiger Familien in meinem Dorf verhaftet wurden, nur weil ihre Höfe in der Nähe eines Tatorts lagen. Diese Unschuldigen konnten sich keinen Anwalt leisten und saßen um die zwei Jahre im Gefängnis, bevor sie freikamen. Hätten sie einen Anwalt gehabt, wäre das nicht passiert. Ich habe Jura studiert, um dieser alltäglichen Ungerechtigkeit ein Ende zu setzen.
Die Headfort Stiftung beschäftigt zehn Anwälte und arbeitet mit Freiwilligen in ganz Nigeria zusammen. Über unsere App „LawyersNowNow“ und gebührenfreie Hotlines können Menschen Anwälte in ihrer Nähe für kostenlose Rechtsberatung erreichen. Wir haben auch mobile Büros auf dem Gelände von Gerichten, wenn unsere Anwälte Fälle von Personen übernehmen, die dort verhandelt werden. Wir schalten uns ein, wenn Menschen in Haft sind oder lang im Gefängnis auf ihren Prozess warten müssen, nur weil sie keinen Zugang zu Anwälten haben. Es kommt sogar vor, dass Betroffene im Gefängnis sterben, weil die nigerianischen Justizvollzugsanstalten überfüllt sind und es an guter Ernährung und medizinischer Versorgung fehlt. Viele Todesfälle wären vermeidbar gewesen, wenn die Menschen nicht so lange auf ihren Prozess hätten warten müssen – oft für Verbrechen, die sie nicht begangen hatten, oder wegen geringfügiger Vergehen. Etwa drei Viertel der Gefängnisinsassen sind Untersuchungshäftlinge, die noch nicht verurteilt wurden.
Seit wir 2019 angefangen haben, haben wir 1239 Menschen aus dem Gefängnis geholfen. Wir haben über 12.000 Menschen rechtlich beraten, über fünf Millionen Nigerianer über ihre Grundrechte aufgeklärt und Behörden zur Rechenschaft gezogen. Unsere Arbeit verändert Leben. Ich finde es toll, dass ich Menschen dabei helfen kann, ihre Freiheit wiederzuerlangen.
Aufgezeichnet von Sam Olukoya.
„Ich werde meine Zelle zu einem Ort des Widerstands machen“
Ich wurde früh durch meine ältere Schwester und ihren Mann politisiert. Im zweiten Studienjahr wurde ich wegen meiner politischen Tätigkeit in einer Studierendengewerkschaft von der Nationalen Verwaltungshochschule ausgeschlossen. Ich habe danach mehrere Jahre als Grundschullehrer gearbeitet, bis ich wegen meines gewerkschaftlichen Engagements nicht mehr unterrichten durfte. Ich habe schließlich als Externer ein französisches Abitur abgelegt, um wieder studieren zu dürfen. So konnte ich mich für Jura einschreiben und bin Mitte der 1990er Jahre Anwalt geworden. Ich war immer politisch, aber nie in einer Partei.
Als 2005 der Weltgipfel der Informationsfreiheit in Tunis stattfand und [der damalige Machthaber Zine El-Abidine; Anm.d.Red.] Ben Ali den Journalistenverband und die Richter unter Druck setzte, haben wir, eine Gruppe von acht oppositionellen Politikern und Mitgliedern der Zivilgesellschaft, uns entschlossen, in meiner Kanzlei einen Hungerstreik abzuhalten, 32 Tage lang. Damals haben sich zum ersten Mal Linke und Islamisten offen gemeinsam für Demokratie und Freiheit eingesetzt.
Die Demokratie in Tunesien war auch nach der Revolution von 2011 fragil und schwach. Wir müssen alles tun, um sie zu schützen. Die gegenwärtigen Verfahren gegen Oppositionelle sind die Reaktion des Präsidenten auf die Probleme des Landes, denn er ist nicht in der Lage, sie zu lösen. Er beschuldigt diejenigen, die nicht seiner Meinung sind, Verräter und Verschwörer zu sein und bringt sie zum Schweigen. So wie ich außerhalb des Gefängnisses für Demokratie, Menschenrechte, Freiheiten und soziale Gerechtigkeit gekämpft habe, werde ich meine Zelle zu einem Ort des Widerstands machen.
Aufgezeichnet von Sarah Mersch, teils aus Äußerungen vor seiner Verhaftung, teils aus öffentlichen Quellen.
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