Das nächste Weltsozialforum (WSF) findet im August in Benin statt, organisiert vom Bündnis für Land- und Wasserrechte, dem Sie angehören. Welche Bedeutung hat das Forum heute noch?
Es ist seit mehr als 20 Jahren eine Gegenstimme zu dem einen Prozent der Reichen und Mächtigen, die sich jährlich beim Weltwirtschaftsforum treffen. Das Weltsozialforum repräsentiert dagegen 99 Prozent der Welt, die Zivilgesellschaft. Dort haben auch die Verletzlichsten die Möglichkeit, über ihre Belange zu sprechen und ihre Rechte einzufordern.
Was versprechen Sie sich vom Veranstaltungsort Benin?
In Benin können wir die afrikanischen Anliegen auf die globale Bühne bringen. Es geht um Landrechte, um soziale Ungleichheit, um Gleichberechtigung und die Möglichkeiten der Frauen. Aber vor allem bietet das Forum einen Raum, um Allianzen für soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit und für die Menschenrechte zu bilden. Es geht um internationale Solidarität.
In vielen Ländern wird die Zivilgesellschaft zunehmend gegängelt. Wie wirkt sich das auf die Arbeit des WSF aus?
Das ist ein Problem in allen sozialen Bewegungen. Unser Sprecher Masso Kone war schon mehrmals davon betroffen. Sicherheitskräfte sind in sein Haus eingedrungen und die Regierung hat versucht, ihn zum Schweigen zu bringen. Auch viele Frauen, die sich engagieren wollen, werden gezwungen, zu schweigen und Gewalt und Stigmatisierung zu ertragen.
Welche Themen stehen dieses Jahr auf der WSF-Agenda?
Das Forum behandelt 15 Themengebiete, von Menschenrechten über Gleichberechtigung, Dekolonialisierung, Frieden, Bildung, Klimawandel bis hin zu Frauenrechten.
Am WSF werden vor allem Organisationen aus Asien, Afrika und Lateinamerika teilnehmen. Ist der globale Norden auch vertreten?
Einige Organisationen werden zwar kommen, aber sie werden sich wohl dann als Greenwasher herausstellen, die in ihrem Interesse Einfluss auf die Agenda nehmen wollen. Wir hingegen wollen das WSF zu seinen Wurzeln zurückbringen und zu den Menschen, die wirklich betroffen sind.
Wie machen Sie das?
Unsere Bewegung organisiert seit 2016 sogenannte Karawanen. Dabei fahren wir mit Bussen durch westafrikanische Länder und erreichen in wenigen Wochen bis zu 15.000 Menschen. 300 bis 500 von ihnen reisen mit uns durch fünf Länder Westafrikas. In jedem Land halten wir in zwei bis drei Dorfgemeinschaften, die von Extraktivismus, den Folgen des Klimawandels, Landgrabbing oder sozialer Ungerechtigkeit betroffen sind. Wenn wir dort sind, bekommen Frauen und andere Betroffene eine Bühne, auf der sie über ihre Probleme sprechen.
Welche Themen sind für Sie selbst am drängendsten?
Land, Wasser und Saatgut. In Afrika hängen 70 Prozent der Wirtschaft an der Landwirtschaft. Die Hälfte der Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, sind Frauen. Sie können nicht über das Land entscheiden, auf dem sie arbeiten. Das führt zu sozialer Ungerechtigkeit und dann zu Migration vom Land in die Städte. Viele Frauen werden dort als Hausangestellte ausgebeutet. Deswegen setze ich mich als Präsidentin der Vereinigung zum Schutz der Rechte von Hausangestellten in Gambia für ihren Schutz ein.
Arbeiten Sie für das WSF mit der Regierung von Benin zusammen?
Natürlich haben wir mit der Regierung gesprochen. Schließlich muss sie für Logistik und für die Sicherheit der 50.000 Teilnehmenden sorgen. Die Regierung ist eingebunden, um einen sicheren Raum zu schaffen, aber beim Forum selbst hält sie sich raus.
Das Gespräch führte Melanie Kräuter.
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