Kaffee aus dem Südsudan: Eine Sorte trotzt dem Klimawandel

Michael Ontego begutachtet ein Kaffeepflanze auf der Plantage der Equatoria Teak Company in Nzara im Südsudan.
Paul-Philipp Braun/Paul-Philipp Braun
Michael Ontego begutachtet ein Kaffeepflanze auf der Plantage der Equatoria Teak Company in Nzara im Südsudan. Dort ist er vor allem für die Finanzen des Projekts zuständig.
Klimaanpassung
Der Kaffeeanbau ist im Südsudan noch eine Nische. Die "Equatoria Teak Company" möchte das ändern - und setzt auf eine Sorte, die resistent gegenüber Dürren ist.

Nzara - Wer zur „Equatoria Teak Company“ möchte, muss durch die Sicherheitsschleuse. Während einer der hier viel genutzten großen weißen Geländewagen zwischen den beiden Toren steht und der Fahrer geduldig die Fragen der Sicherheitsleute beantwortet, zeigt sich bereits eine andere Welt. Eine Umgebung, die im Südsudan eher selten ist: Alles wirkt geordnet und sauber, der gerollte Stacheldraht auf den Holzpalisaden glänzt in der Sonne. Hier, mitten im Regenwald des Bundesstaates Western Equatoria, wachsen Pflanzen der Kaffeesorte Excelsa, die die Welt noch kaum kennt.

Kaffee ist ein junger, aber wachsender Markt in dem ostafrikanischen Land, das seit der Unabhängigkeit vom Sudan 2011 nicht zur Ruhe kommt und von Gewalt erschüttert wird. Bisher bezieht der Südsudan mehr als 90 Prozent seiner Staatseinnahmen aus dem Erdölgeschäft.

Kaffee als „nachhaltiger Gegenpunkt“

„Mit Kaffee können wir einen nachhaltigen Gegenpunkt setzen“, sagt der Schotte Ian Paterson, Geschäftsführer der „Equatoria Teak Company“, die zur panafrikanischen Investitionsgesellschaft Maris Africa gehört. Derzeit wird gerade einmal weniger als 0,1 Prozent der südsudanesischen Agrarfläche für den Kaffeeanbau genutzt, so gibt es die Nichtregierungsorganisation Technoserve an.

Michael Ontego strahlt über das ganze Gesicht, als der weiße Toyota hinter der Sicherheitsschleuse, im Inneren des Camps, zum Stehen kommt. „Wir haben hier nur selten Besuch“, sagt er und bittet zu Tisch. Ontego ist 38 Jahre alt und kommt aus dem kenianischen Hochland. Er sei für die Finanzen des Projekts zuständig, erklärt er, und läuft auf eine große Freifläche im Außenring des Camps zu. „Die Kaffee-Thematik habe ich während meines Berufslebens erlernt. Inzwischen verstehe ich wirklich etwas davon“, sagt er und bleibt vor großen Holztischen stehen. Einst waren auf dem Gelände US-Soldaten stationiert, nun sind sie der Landwirtschaft gewichen.

Tausende Kaffeebohnen

Auf den Tischen liegen Tausende von Kaffeebohnen in verschiedenen Trocknungsgraden, braun, gelb oder grün. Und sie alle haben einen sehr eigenen Duft. „Der Kaffee-Geruch kommt erst mit der Röstung“, sagt Ontego und führt weiter zu einer offenen, überdachten Fläche. Hier sitzen Arbeiterinnen an vollgepackten Tischen und sortieren die rohen Bohnen händisch.

Von hier aus werden die Bohnen in Säcke gefüllt und verkauft. Derzeit sind es mehrere Hundert Kilogramm pro Jahr, vorrangig für den lokalen Markt. Ein kleiner Teil geht in den Export, vor allem nach Europa. Perspektivisch sollen mehrere Tonnen nach Europa verschickt werden, sagt Geschäftsführer Paterson.

Unternehmen auf Teakholz spezialisiert

Nur ein paar Schritte entfernt stehen sie: mannshohe dunkelgrüne Kaffeepflanzen, sauber aufgereiht. Es sei aber nur das Versuchsfeld, sagt Ontego. Der Großteil der Pflanzen stehe im Wald, eine Dreiviertelstunde vom Camp entfernt.

Das Unternehmen hat sich vor 20 Jahren zunächst auf Teakholz spezialisiert, das nach wie vor den Hauptumsatz ausmacht. Dennoch seien die Jahrzehnte, die Teak zum Wachsen braucht, eine enorme wirtschaftliche Herausforderung, sagt Ontego. Daher sei man vor einigen Jahren auf Kaffee gekommen und auf Kakao, der derzeit als weitere Anbaukultur erprobt wird.

Sorte widerstandsfähig gegen Dürre

Inzwischen wachsen die Kaffeesorten Excelsea und Robusta im südsudanesischen Anbaugebiet gut. Die Excelsa-Sorte ist dabei besonders: Ihre tiefen Wurzeln und robusten Blätter machen sie widerstandsfähig gegen Dürre und Schädlinge. Eine Eigenschaft, die angesichts des Klimawandels, der auch der Landwirtschaft im Südsudan zu schaffen macht, zunehmend an Bedeutung gewinnt. Bisher gilt die Sorte als Rarität. Schätzungen zufolge liegt der Weltmarktanteil bei rund einem Prozent.

Das Unternehmen gibt die Samen der Kaffeepflanzen auch an Landwirte in der Region weiter. „Das hilft bei der Einkommenssicherung und wirkt zugleich gegen die Bodenerosion“, sagt Otengo.

Die Landwirte werden nach Kilogramm bezahlt, der Preis orientiert sich an den internationalen Märkten, die derzeit stark steigen. Bis zu 400 Arbeiterinnen und Arbeiter hat das Unternehmen selbst angestellt. Geschäftsführer Paterson hofft auf wachsende Märkte für den südsudanesischen Kaffee. Dies könne auch zur politischen und wirtschaftlichen Stabilität des Landes beitragen, sagt er.

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